Regensburger Uni-Tiefgarage: Auch der nächste Stichtag für die Eröffnung wackelt

Die Tiefgarage der Regensburger Universität gilt als Millionen-Grab. Eine Regensburger Politikerin nannte sie ein „Fass ohne Boden“. Und ein Ende der völlig aus dem Ruder gelaufenen Sanierung ist immer noch nicht wirklich in Sicht.
Eigentlich war der Start des Wintersemester zum 1. Oktober für die Eröffnung vorgesehen. Nun wurde der Zeitkorridor bis Ende des Jahres erweitert, wie die Mittelbayerische auf Nachfrage erfuhr.
Ursprünglich war geplant, dass in der Tiefgarage der Uni schon längst wieder Autos parken. Vor fünf Jahren wurde begonnen, sie zu sanieren. 2021 hätten die Arbeiten abgeschlossen sein sollen. Doch es kam anders. Mehrmals wurde der Fertigstellungstermin verschoben – und mehrmals stiegen die Kosten. Zu Beginn waren 49 Millionen Euro angesetzt. Mittlerweile geht das Staatliche Bauministerium des Freistaats Bayern von mehr als 80 Millionen aus. Und das, obwohl im Ursprungsetat enthaltene Teile des Projekts – etwa die Tiefgarage Ost – nachträglich gestrichen wurden.
Ins Schwarzbuch geschafft
Bis ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler schaffte es die Tiefgarage mit ihrer Kostenexplosion. Anfang des Jahres sorgte sie dann für weitere Schlagzeilen, weil es kurz vor Fertigstellung plötzlich durch die Decke tropfte. Die Mängel konnten auch immer „noch nicht vollständig behoben werden“, wie ein Sprecher des Ministeriums nun mitteilt. Aktuell laufen ihm zufolge noch „Bauteilöffnungen, um alle Schäden zu finden“.
Von der einstigen Ankündigung, dass die Tiefgarage zum 1. Oktober geöffnet werden soll, nimmt das Ministerium auch wieder Abstand. Nun heißt es, dass sie bis Jahresende fertig sein soll. Eine offizielle Eröffnungsveranstaltung sei aber noch nicht geplant.
Ob durch die Undichtigkeiten weitere Kosten entstehen, ist bislang unklar. Ohnehin noch einmal zusätzliche Brisanz erfährt die Debatte um die Uni-Tiefgarage dadurch, dass es nun auch eine hitzige Diskussion um ein anderes Stellplatz-Gebäude gibt, das nur 900 Meter entfernt ist: das städtische Parkhaus am TechCampus. Dieses wurde vergangenes Jahr eröffnet und kostete insgesamt 7,3 Millionen Euro. Die bisherige Auslastung der Stellplätze bezeichnete der Regensburger Grünen-Stadtrat Stefan Christoph zuletzt als „vollkommen lächerlich“. In der Tat sind die Nutzungszahlen extrem niedrig. Das Parkhaus bietet 377 Stellplätze. Im Mai waren davon pro Tag durchschnittlich maximal 14 belegt – und dies war der beste Monat seit der Eröffnung.
Es gab auch Warnungen, dass dieses Parkhaus eigentlich niemand brauchen würde. Der Bürgerverein Süd-Ost etwa kündigte einst an, dass hier ein „Millionen-Grab“ errichtet werde. „Es ist ein Skandal, dass es an allen Prognosen vorbei trotzdem gebaut worden ist“, sagt der Vereinsvorsitzende Johann Brandl nun.
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer verteidigt die Investition in das Parkhaus dagegen. Sie spricht von einem „kontinuierlichen Anstieg“ der Nutzung und „einer sich verstetigenden Inanspruchnahme“.
Nun kommen 1000 Stellplätze
Möglicherweise werden die minimalen Nutzungszahlen zunächst aber erst einmal noch weiter sinken. Die Tiefgarage der Universität soll nach ihrer Eröffnung knapp 1000 Stellplätze bieten. Angeblich werden diese für Studenten, Uni-Beschäftigte und Besucher dringend benötigt. Wenn diese potenziellen Nutzer in den vergangenen fünf Jahren aber nicht alle auf andere Verkehrsmittel umgestiegen, sondern weiter mit dem Auto zur Uni gefahren sind, müssten sie für einen zusätzlichen Parkplatz-Druck im direkten Umfeld der Uni gesorgt haben. Ein Druck, der nach der Eröffnung aber wieder wegfallen würde. Pikant dabei ist, dass offenbar nie in Erwägung gezogen wurde, das praktisch leerstehende Parkhaus am Tech-Campus konkret für den Uni-Autoverkehr zu nutzen. „Ein Gespräch zwischen Freistaat und Stadt gab es diesbezüglich nicht“, teilt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra mit. Vom Bauministerium des Freistaats gibt es auf eine diesbezügliche Nachfrage keine Antwort.