60. Jubiläum: Der neue Meilenstein für Rädlinger ist ein Werkstatt- und Logistikzentrum

Von Johannes Schiedermeier · 5. September 2023 um 19:00

Die Geschichte von Josef Rädlinger senior, der mit einem Lastwagen und einer Schaufel eine Baufirma aus der Taufe hob, kennt in Cham mittlerweile jeder. 60 Jahre später ist sie noch ein weiteres Stück unglaublicher geworden.

Das Firmenlogo, das jeder nach der bekannten amerikanischen Serie „Dschej Ar“ buchstabiert, findet man mittlerweile auf allen Autobahnen der Republik wieder, und der Ein-Mann-Betrieb hat inzwischen ein Verwaltungszentrum mit 400 Angestellten und dazu 1600 gewerbliche Mitarbeiter. Am Donnerstag feiert der Baulöwe seinen 60. Geburtstag und zeigt, dass er noch lange nicht zahnlos ist: Pünktlich zur Feier mit 450 Kunden und Partnern präsentiert sich Rädlinger in Weiding in einem neuen Werkstatt- und Logistikzentrum.

80.000 neue Quadratmeter

Auf den 80.000 Quadratmetern hat sich die Firma ein Stück Zukunft gebaut, sagt die Geschäftsführung. Josef Rädlinger und Rüdiger Altmann präsentieren stolz, was in Weiding neben der Bundesstraße in kurzer Zeit neu geschaffen wurde.

Wie immer hat alles beeindruckende Ausmaße, und die Straße dorthin heißt, wie sie heißen muss: Josef Rädlinger-Straße. In zwölf Meter hohen Regalen werden in einem neuen Lager 3500 Reifen für die 1000 Busse und Pkws vorgehalten. Der Umfang der neuen Waschanlage „Moby Dick“ wird dem Namen gerecht, ist noch im Bau und wird nach den aktuellsten Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit Schmutzwasser trennen und aufbereiten und die Erdanhaftungen der Baufahrzeuge in einen Container sortieren.

In der Lackiererei geht es nicht nur um blaue und orange Firmenfarben, sondern auch um alle notwendigen Aufkleber, damit die Fahrzeuge auch wirklich gesetzeskonform auf den Baustellen unterwegs sein können.

Es gibt in Weiding eine Werkstatt für Lkws, Baumaschinen und Kleingerät. Eine Prüfhalle für den TÜV und ein 1,2 Megawatt starkes Hackschnitzelheizkraftwerk. „Nach all dem, was wir ausgerechnet haben, können wir das aus dem Abfallholz unserer Baustellen und kaputten Paletten betreiben“, sagt Josef Rädlinger.

Auch die eigene Verkehrsakademie wird nach Weiding ziehen. Dort werden dann alle notwendigen Führerscheine und Fortbildungen von der Firma selbst angeboten.

Der Zeitplan ist sportlich. Noch ist das Empfangs-Foyer eine Baustelle. Den künftigen Glanz kann man unter den Plastikplanen nur erahnen. „Wir haben ja noch Zeit. Die Feier ist erst am Donnerstagabend“, sagt Rüdiger Altmann und grinst. In der Halle daneben sind unter den Lafetten eines 15 Tonnen-Krans zwei Dutzend Mitarbeiter einer Cateringfirma mit den Vorbereitungen des Festes beschäftigt.

Das Fest selbst ist Teil der Firmenphilosophie, sagt Josef Rädlinger. Wer heute bestehen will, der müsse seine Partner auch als solche behandeln. „Wir können viel, aber nicht alles. Dafür brauchen wir andere. Und wenn das funktionieren soll, dann braucht das zuallererst einen guten Umgang“, so Rädlinger.

Tiefgreifende Veränderungen

Diesen guten Umgang sucht er auch mit seinen Mitarbeitern. Alle zwei Jahre gibt es ein rauschendes Firmenfest am Satzdorfer See. Und neben dem Fünf-Sterne-Catering in der Zentrale am Buchberg, werden die Arbeiter auf den Baustellen von Foodtrucks versorgt und im neuen Weidinger Zentrum wird es einen überdachten Biergarten mit Catering geben.

Josef Rädlinger ist seit Jahrzehnten in der Firma und stellt schleichende, aber tiefgreifende Veränderungen fest: „Wer heute keine klaren Strukturen in der Verwaltung hat, der überlebt nicht.“ Der Bausektor strotzt nur so von Auflagen, Anforderungen und Bürokratie.

Deswegen ist die Frage, wo die Zukunft des Rädlinger-Konzerns liegt, schwer zu beantworten: „Im Grunde weiß heutzutage niemand wirklich, was als nächstes kommt“, sagt der Firmen-Chef. Deswegen brauche es einen wachen Geist und eine gute Beobachtungsgabe auf dem Markt, um zu wissen, welche Zertifizierung der Betrieb als nächstes nötig hat.

Allerdings hat Josef Rädlinger mit Rüdiger Altmann klare Antworten auf die Frage, worauf die Firma setzt. So hat das Unternehmen bereits auf die ersten Lose des Stromanbieters Tennet auf dem Süd-Ost-Link geboten. „Dafür sind wir zertifiziert“, sagt Rädlinger. Hier sieht er eines der künftigen Standbeine: „Die Energiewende muss gebaut werden.

Umzüge als Meilensteine

Und bei manchen Entwicklungen ist es einfach wichtig, auf mehreren Beinen zu stehen. Zum Beispiel, wenn der Wohnungsbausektor so einbricht wie momentan. Doch hier hatte Rädlinger gleich mehrfach Glück. Die Firma ist im privaten Wohnbau kaum vertreten und baut nur große Projekte wie das Seniorenheim St. Michael. „Der Markt existiert noch“, sagt Altmann. „Wir haben zu keiner Zeit über Entlassungen nachgedacht. Letztendlich sind wir immer auf der Suche nach Mitarbeitern“, sagt Rädlinger.

Umzüge und Neubauten seien immer schon Meilensteine in der Firmenentwicklung gewesen, sagt Rädlinger. 35 Millionen Euro hat er in Weiding investiert. Der Umzug von Logistik und Werkstatt aus dem ehemaligen Firmensitz in Kammerdorf ist nicht nur ein Schritt in die Zukunft, sondern auch der letzte logische Schritt nach der Trennung und Entflechtung der Betriebe der Brüder Josef und Werner Rädlinger.

400 Verwaltungsangestellte und 1600 gewerbliche Mitarbeiter hat die Unternehmensgruppe Josef Rädlinger.