Ein Vater des Wirtschaftsaufschwungs in Cham: Josef Rädlinger wird 85

Von Christoph Klöckner · 18. Mai 2023 um 05:00

Cham. Wohl nie haben Buchstabenpaare aus Film und Realität besser zueinandergepasst als das von JR aus Dallas und das von JR aus Cham – der eine im Film ein Ölmagnat, der andere ein echter Baulöwe. Was beiden in ihren Hochphasen gemein war, war das breite Grinsen auf dem Gesicht. Und das kann der eine immer noch: Josef Rädlinger, der am Donnerstag 85 Jahre alt wird, hat es noch drauf, dieses schelmische Grinsen, das eine augenzwinkernde Mentalität und Schläue des Firmengründers widerspiegelt.

Damit hat er sein Unternehmen groß und auch die Region weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt gemacht. Und noch heute wohnt er mit seiner Frau Monika dort, wo die Baumaschinen brummen: Mittendrin zwischen Firmenhallen und Garagen in Windischbergerdorf hat er das Haus für sich und die Familie gebaut, wo er als Chef doch eher selten war.

JR-Bagger an der Autobahn

Meist war er auf irgendwelchen Baustellen unterwegs oder heckte gegenüber im Verwaltungstrakt neue Strategien aus. Und wer vor 20 oder 30 Jahren aus dem Landkreis auf der A3 oder anderen Autobahnen Deutschlands fuhr, der konnte sicher sein, dass ihm irgendwo ein Bagger mit dem orangefarbenen JR begegnete und dann – meist im Baustellenstau – etwas Heimatgefühle in der Fremde aufkamen.

Auch wenn es heute altersbedingt langsamer vorwärts geht – sein bewegtes, ruheloses Arbeitsleben hat viel Energie gekostet – setzt sich Josef Rädlinger noch ab und zu zu seinem Ältesten ins Auto, um Baustellen oder Firmenstandorte wie etwa Weiding und vor allem auch Baumaschinen anzuschauen. Oft fragt er dann die technischen Details der Maschinen ab – sein ganzes Leben drehte sich um große Maschinen – und auch kleine, die er in einer Vitrine im Büro sammelte.

Es mussten die neuesten und oft die größten Baufahrzeuge sein, wie auch sein eigenes Fahrzeug – er fuhr immer nur Mercedes – die größte S-Klasse selbstverständlich. Nicht, um damit zu protzen, sondern – wie er einmal erläuterte – um auch seinen Mitarbeitern am abendlichen Stammtisch im Wirtshaus ein gutes und stolzes Gefühl zu geben, wenn es zum Firmenvergleich kommt. Sie sollten wissen: Unser Chef fährt den größten Mercedes und wir die neuesten Baufahrzeuge.

Seine Maßstäbe verstecken war als Chef nicht sein Ding – die hatte er sich schließlich einst, mit einem Lastwagen gestartet, selbst erarbeitet. Das wird wieder wach, wenn er an alte Wirkungsstätten kommt. „Solche Ausflüge sind für ihn wie eine Wellnesskur!“, erzählt der Sohn im Wohnzimmer der Eltern, wo Josef Rädlinger senior in seinem Sessel Platz genommen hat, um mit seiner Frau Monika an seiner Seite über seinen Ruhestand zu reden.

Vor allem an wichtigen Orten der Unternehmensgeschichte, wie dem Blauberger Steinbruch, in Weiding oder auch beim Kloster, sei er gerne unterwegs – und oft ist es die Straße, auf der sie fahren, die ihm in den Sinn kommt – eben, weil sie sein Unternehmen damals gebaut hat. Mit seiner Frau ist er noch oft draußen, wie er sagt, „um am Satzdorfer See etwas spazieren zu gehen.“ Er sagt bewusst Satzdorfer See, nicht Rädlinger See, wie viele andere. Dabei hat er ab 1965 das Loch gegraben und dort Kies geerntet – ziemlich am Anfang seiner Firmenkarriere – wo am Ende der See entstand.

„Er will sich nicht in den Vordergrund drängen“, erklärt seine Frau Monika die Bescheidenheit. Sie hatte auch gerade erst Geburtstag, ist nun 81 und hilft ihrem Mann, wo nötig. Sie sei ihm immer Stütze gewesen, macht er deutlich – ob früher, als die vier Kinder zu versorgen waren, oder heute, wo sie ihm im Haus und am See zur Seite steht. Ansonsten informiert er sich noch über aktuelle Nachrichten, doch Weltpolitik ist für den ehemaligen, langjährigen Chamer Stadtrat Rädlinger, der auch ein Stück Stadtpolitik mitgestaltete, eher Randthema. Stolz erinnert er sich aber, wie seine Firma die Wege gen Osten nach der Maueröffnung geebnet hat: „Wir haben damals hoch nach Hof und weiter nach Osten die Autobahnen gebaut.“

Neun Enkel und vier Urenkel

Stolz ist er auch auf den Nachwuchs, seine Tochter Margit und die drei „Burschen“ Josef, Werner und Peter, mit denen alles geregelt sei und die mit ihren Firmen „gut dabei“ seien. „Es ist alles top“, findet er zu dem, was der Nachwuchs macht. Wobei die Familie mittlerweile gewachsen ist – neun Enkel und vier Urenkel sind nach den vier eigenen Kindern bis jetzt dazu gekommen.

Und was wünscht man sich mit 85? „Noch ein paar Jahre so wie es heute ist“, meint Josef Rädlinger – das fände er gut – und seinem Lebensmotto folgend: „Immer einen Schritt vorwärts.“ Und auch, wenn an seinem Geburtstag das Frühlingsfest startet – hin will er nicht mehr – das sei ihm zu laut dort. Dann lieber in den Garten oder etwas über den Hof schlendern und – was sonst? – Fahrzeuge anschauen.

Er genießt den Ruhestand und wünscht sich noch einige Jahre so wie es jetzt aktuell ist – Josef Rädlinger. Fotos: ck