Parsberg sucht den Super-Künstler: Der neue Stadtplatz soll ein Kunstwerk bekommen

Von Markus Rath · 5. September 2023 um 15:00

Hemau hat eine Kuh, Parsberg will nachziehen. Denn was wäre ein neuer Stadtplatz ohne Kunstwerk. Deswegen hat die Stadtverwaltung nun einen Wettbewerb gestartet, um den passenden Künstler zu finden. Und so funktioniert es.

Betreut wird der Wettbewerb von Landschaftsarchitekt Rupert Wirzmüller, der mit der Planung des neuen Stadtplatzes betraut ist. Im Gespräch mit unserem Medienhaus erzählt er, wie der Wettbewerb funktioniert, welche Vorgaben den Künstlern gemacht wurden und wann der Sieger gekürt werden soll.

Vorauswahl: „Wir hatten bei der Vorauswahl 54 Bewerber, aus diesen haben wir nun sieben und zwei Nachrücker ausgewählt,“ berichtet Wirzmüller. Diese sieben dürfen nun einen Entwurf für ein Kunstwerk einreichen und erhalten für ihren Vorschlag ein Honorar von 2000 Euro. Gefordert werden dafür eine grafische Darstellung der Idee, ein Erläuterungsbericht, ein Modell des Kunstwerks und Materialproben.

Historische Situation: Anders als in viele Städten, wie zum Beispiel in Hemau, liegt die heutige Stadtmitte von Parsberg außerhalb des historischen Stadtgebiets. An dieser Stelle vor dem eigentlichen Stadttor gab es laut Wirzmüller früher mehrere Wegabzweigungen in die offene Landschaft. In einigen historischen Karten sehe man außerdem die in den 70er Jahren abgerissen Schranne und einen früheren Löschweiher. Das einzige historische Gebäude im heutigen Stadtkern ist die kleine Kapelle an der Platz-Südseite. Außerdem gibt es noch eine früher die Schranne zierende Uhr, die in Parsberg eingelagert wurde.

Bisher fehlt der Stadtmitte die Aufenthaltsqualität

Ausgangslage: „Prägend ist die Topographie des Platzes mit einem Hochpunkt im Bereich der Apotheke, beim Anschluss der Gassen im Burgbereich und einer Tieflinie entlang der südlichen Platzkante“, sagt Wirzmüller, der die heutige Stadtmitte als „Verkehrsanlage aus zwei bis drei parallel führenden Fahrbahnen und Stellflächen ohne Aufenthaltsqualität“ einordnet. Fünf Straßen würden zudem relativ zufällig in den Platz einmünden, so dass der als solcher nur schwer erkennbar ist.

Neugestaltung: Für den neuen Stadtplatz (wir berichteten) wird die Straße an den nördlichen Platzrand gerückt. Im Süden entsteht eine beruhigte, begrünte, etwas tieferliegenden Platzfläche. Als Herausforderung sieht Wirzmüller hier den Übergang zwischen der relativ stark befahrenen, etwas höher liegenden Straße, den diese abschirmenden Stellplätzen und der offenen, multifunktionalen Fläche. Hier könnte aus seiner Sicht ein entsprechend angepasstes Kunstwerk auch helfen, diesen Übergang gut zu gestalten.

Parsberg macht den Künstlern nur wenig Vorschriften

Vorgaben: „Die Stadt erhofft sich aus dem Kunstwettbewerb über die Freiflächengestaltung hinaus eine weitere Aufwertung und Belebung des Platzes“, heißt es laut Wirzmüller in der Auslobung des Wettbewerbs. Deshalb wolle man den Künstler schon in der Entwurfsphase in die Freiflächengestaltung mit einbeziehen. Wirzmüller: „Die Stadt ist auch bereit, die Freianlagenplanung im Detail an das Kunstkonzept anzupassen.“ Gleichzeitig gebe es keine Vorgaben zu Idee, Material und Position der künstlerischen Arbeit. „Wir haben bewusst so wenig Vorgaben wie möglich gemacht, um den Künstlern viel Freiraum für ihre Ideen zu geben“, sagt Wirzmüller. Klar sei: Für Bürger und Anwohner sei ein Standort im verkehrsberuhigten südlichen Platzbereich naheliegend.

Wasser am Platz: Ein weitere Bürgerwunsch ist es laut Wirzmüller, einen Wasserlauf oder Brunnen am Stadtplatz zu schaffen. Dies sei aber keine bindende Vorgabe für das Kunstwerk. Sollte sich dieses nicht mit dem Element Wasser befassen, werde in der Freiraumplanung eine einfache Brunnenlösung vorgeschlagen.

Kosten bis zu 100.000 Euro sind eingeplant

Kostenrahmen: Das Kunstwerk darf bis zu 100.000 Euro kosten. Diese dürfen um bis zu 30 Prozent steigen, wenn der Entwurf sich mit dem Thema „Bespielbares Wasser“ befasst und gleichzeitig den Übergang zwischen Stellplatzreihe und Platz bearbeitet und löst, da diese Kosten bereits an anderer Stelle eingeplant sind.

Zeitplan: Im September findet eine gemeinsame Begehung von Planern, Künstlern und Vertretern der Stadt Parsberg statt. Die Entwürfe müssen dann bis 22. November eingereicht werden. Das Ergebnis soll Anfang Dezember feststehen.

Jury: Zur Jury gehören Architektin Wiebke Fett (Städtebauförderung), Landschaftsarchitektin Petra Hartung, Tom Kristen und Georg Tassev vom Bundesverband Bildender Künstler sowie Bürgermeister Josef Bauer und drei Vertreter des Stadtrats.

Diese Künstler sollen einen Entwurf einreichen

Ludwig Bäuml: Der seit 1989 in Kallmünz lebende Künstler wurde 1954 in Waldthurn geboren. Von 1978 bis 1982 absolvierte er die Lehre und Meisterprüfung als Kirchenmaler. Seitdem arbeitet er als freischaffender Künstler. Bäuml erhielt den Kulturförderpreis der Stadt Regensburg, den Kulturpreis des Landkreises Regensburg und des Oberpfälzer Kulturbundes.

Paul Diestel: Der 27-Jährige studierte bis 2019 an der Kunsthochschule Kassel bei Prof. Norbert Radermacher, war Meisterschüler bei Mirjam Thomann und Stipendiat des Cusanuswerkes. 2021 erhielt er die Debütantenförderung des Freistaates Bayern. Aktuell lebt und arbeitet er in Unsleben (Unterfranken).

Miriam Giessler und Hubert Sandmann: Die Bewerbergemeinschaft entwirft seit 1997 zusammen Kunst für den öffentlichen Raum. Giessler wurde 1960 in Essen geboren und studierte Kommunikationsdesign. Sandmann, ebenfalls 1960 geboren, stammt aus Gelsenkirchen und ist Architekt.

Heinrich Glas: 1942 in Regensburg geboren, studierte er von 1964 bis 1970 an der Akademie der bildenden Künste in München und arbeitet bis 1977 als Klassleiter an der Staatlichen Fachschule für Bildhauer in Oberammergau. Seitdem lebt er als freischaffender Künstler in Nittendorf. Für sein Wirken erhielt er den Kulturförderpreis der Stadt Regensburg und den Kulturpreis Ostbayern.

Joachim Koch: 1949 in Stirn in Mittelfranken geboren lernte Koch bis 1966 Stuckateur und Maurer. Danach besuchte er die Folkwangschule, die er als Designer für visuelle Kommunikation abschloss. Seit 1974 arbeitet Koch als freischaffender Künstler. Koch erhielt unter anderem den Kulturpreis der Stadt Würzburg und den Förderpreis Land Bayern.

Wilhelm Koch: Der 1960 geborene Koch studierte von 1981 bis 1986 Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt in Würzburg. Zum Kunststudium wechselte er 1986 an die Akademie der Bildenden Künste München und nach Frankfurt. Seit 1994 arbeitet er in einem Designbüro in Amberg. Zu seinen Projekten zählen der Bau einer „Glyptothek“ in seinem Heimatort Etsdorf. Dort steht auch das von ihm geschaffene Reiterstandbild von Angela Merkel, das zusammen mit der Additive Tectonics GmbH in Lupburg im 3D-Druck aus Leichtbeton hergestellt und mit Goldfarbe überzogen wurde.

Florian Lautenschläger: Der 48-jährige Parsberger hat von 2001 bis 2004 in der Dombauhütte Regensburg seine Ausbildung zum Steinmetz absolviert. Es folgten eine Weiterbildung zum Steinbildhauer in Lasa (Italien) und zum Steinmetz- und Steinbildhauermeister in Wunsiedel sowie eine Weiterbildung zum Restaurator. Lautenschlager arbeitet seit 2004 durchgängig bei der Dombauhütte.