Nittenaus neuer Pfarrer wandert am Freitag von Roding nach Nittenau – Gläubige können ihn begleiten

Wie „Topf und Deckel“ hätten er und die Pfarrei Roding zusammengepasst, sagt Pfarrer Holger Kruschina beim Rückblick auf seine zwölfjährige Amtszeit, die am Donnerstag zu Ende geht. Ab Freitag ist er als Pfarrer in Nittenau im Einsatz. Und dorthin wandert er – begleitet von Gläubigen.
„Wenn zu viel Druck drauf war, ging der Deckel vielleicht einmal hoch, gepasst hat er aber immer“, sagt der Geistliche mit einem Schmunzeln. Etwas Kraft getankt und Abstand gewonnen hat er jüngst im Urlaub in den Vereinigten Staaten. Das sei auch nötig gewesen: „Der Abschied hier und die Übergabe an meinen Nachfolger sowie sich einen ersten Eindruck von Nittenau zu verschaffen – die Zeit war schon sehr intensiv.“
In Roding hat Holger Kruschina viel erreicht
Enorm viel passiert sei in den zwölf Jahren, die er in Roding Pfarrer war, resümiert der 52-Jährige, sowohl bei den Aufgaben, als auch bei Bauprojekten. Unter anderem wurde die Stadtpfarrkirche St. Pankratius aufwendig saniert, die Sakristei und eine Kindertagesstätte neu gebaut und die Wallfahrtskirche Heilbrünnl ertüchtigt. „Einiges hat sich gezogen, einiges wurde auch nicht fertig, aber das war unter den Rahmenbedingungen nicht anders möglich“, blickt der Geistliche zurück, der sich letztlich zufrieden mit dem Geschaffenen zeigt.
War es nicht auch manchmal frustrierend, wenn trotz aller Bemühungen und Aktivitäten die Zahl der Kirchenbesucher auch in Roding immer weiter zurückging? „Für mich nicht. Das war keinesfalls ein Grund, um weniger zu tun, eher im Gegenteil“, sagt Kruschina. Im Laufe der Kirchengeschichte habe es immer ein Auf und Ab gegeben, „wir sind auch schon viel schlechter dagestanden als jetzt“, glaubt der Geistliche, dass sich das Pendel auch wieder in eine andere Richtung neigen wird.
Der Gang nach Nittenau sei keine Flucht, sondern der Beginn von etwas Neuem
Er habe in Roding einiges Neues eingeführt, manches habe sich etabliert, manches sei wieder aufgegeben worden. Auch das sei wichtig: „Es ist sinnlos, Energie auf etwas zu verschwenden, das nicht funktioniert.“
Dass er nun nach Nittenau wechsle, sei „keinesfalls eine Flucht aus der Pfarrei Roding“, sagt er mit seinem bekannten Humor. Er habe sich in den zwölf Jahren in Roding sehr wohlgefühlt. Auch gäbe es keinen, von dem er im Groll Abschied nehme. Die Zeit, etwas Neues zu beginnen, sei aber nun reif, auch für ihn persönlich: „Ich bin Anfang 50, das wird höchstwahrscheinlich mein letzter Pfarreien-Wechsel sein. Aber jetzt bin ich auch noch in einem Alter, wo man auch längerfristig etwas Neues anfangen und wagen kann.“
Räumlich weit weg wird der Pfarrer auch künftig nicht sein, einige freundschaftliche Kontakte nach Roding will er auch aufrechterhalten, auch in seiner Funktion als Regionaldenkan werde er manchmal zu Besuch sein, aber: „Ich werde nicht zu oft nach Roding kommen, damit Pfarrer Matthias Kienberger nicht das Gefühl bekommt, ich sitze ihm im Genick“, betont er. Bei Kienberger sei die Pfarrei in guten Händen, betont er, „und ich werde versuchen, in Nittenau ein guter Pfarrer zu sein.“
Ende Roding – Start Nittenau: Der Ablauf
Seinen letzten Gottesdienst in der Rodinger Pfarrkirche St. Pankratius zelebriert Pfarrer Holger Kruschina am Donnerstag um 19 Uhr. Am Freitag, um 8.30 Uhr, geht es zu Fuß los nach Nittenau. Wer möchte, kann Kruschina begleiten. Start ist im Rodinger Pfarrhof.
Warum er den etwa vier Stunden langen Marsch auf sich nimmt, um an seine neue Wirkungsstätte zu gelangen? „Ich bin damals von Regensburg nach Roding mit dem Rad gefahren. Das hat mir sehr gut getan, um zu reflektieren und den Kopf frei zu bekommen für meine neue Aufgabe“, erzählt er. Von Roding nach Nittenau zu radeln, schien ihm dann aber als sportliche Aufgabe als zu gering, weshalb er nun per pedes unterwegs sein wird.
Bei der Kläranlage Bodenstein wird er dann gegen 13Uhr von Gläubigen der Pfarrei Nittenau „abgeholt“, bevor es gleich richtig losgeht: Um 18 Uhr wird er in der Nittenauer Kirche als neuer Pfarrer installiert.
„Natürlich wird es einige Zeit dauern, bis ich mich richtig zurechtfinde, aber ich will ab dem ersten Tag der Pfarrer für die Nittenauer sein“, sagt der Geistliche. Weil die Pfarrer-Wohnung geweißelt werden muss, wird Kruschina die ersten drei Wochen in einer Ferienwohnung leben, der Umzug aus Roding wird in Etappen erfolgen. „Ich werde am Anfang nur das Nötigste mitnehmen.“ Das werde er schon am Donnerstag mit dem Auto nach Nittenau bringen. Bei seiner Wanderung heute wolle er sich nicht noch zusätzlichen Ballast aufbürden.