Die Firma Flabeg in Furth im Wald bleibt Flaggschiff und Sorgenkind

Die Flabeg ist mit ihren rund 190 Mitarbeitern und ihrer Innovationskraft ein echtes Flaggschiff der Further Wirtschaft. Aber sie bleibt auch ein Sorgenkind. In welchem Spagat sich der Spiegelglas-Spezialist befindet, verdeutlichten Geschäftsführer Matthias Schiller und Betriebsratsvorsitzender Karl Benner beim Besuch von Julian Preidl.
Geschäftsführer Schiller hatte auf die Frage des Landtagskandidaten der Freien Wähler nach möglichen Hilfestellungen des Freistaates eine spontane Antwort parat: „Ein niedrig verzinster Kredit wäre schön!“ Damit hatte Schiller bereits den unternehmerischen Spagat skizziert, indem sich die Flabeg noch immer befindet.
Die Flabeg im Haifischbecken
Mehr als zehn Millionen Euro investiert die Flabeg derzeit in einer Reinhalle, um dort ab kommenden Frühjahr die modernste Produktion für großflächige gläserne Displays anzufahren. „Aus eigener Kraft können wir das nicht stemmen. Das ist rund die Hälfte unseres derzeitigen Jahresumsatzes von mehr als 20 Millionen Euro“, so der Geschäftsführer.
Auch für den Investor, der die Flabeg einst vor der Insolvenz gerettet hatte, war das eine Nummer zu groß. Nun ist ein zweiter Investor im Boot, berichtet Schiller. Am Ende des Tages wolle aber jeder Investor einen Gewinn sehen. Deswegen die Frage nach einem Zinsgünstigen Darlehen des Freistaates. Landtagskandidat Preidl nahm die Frage mit.
Dabei ist die Flabeg Furth mit ihrer Entwicklungsabteilung und den rund 190 Arbeitsplätzen auch innerhalb der eigenen Firma sehr gut aufgestellt. Sie lebt von ihren ständigen Innovationen und damit sehr gefährlich. Das hat die kurzfristig verhinderte Insolvent bewiesen. „Wir haben nichts auf der hohen Kante. Wir können nicht einfach 42 Arbeitsplätze über einen Zeitraum von 15 Monaten finanzieren, wenn die Aufträge ausgelaufen sind“, sagt Schiller.
Er sagt aber auch, dass es für die nähere Zukunft gut aussieht. „Wir gehen davon aus, dass wir die 190 Arbeitsplätze mit dem neuen Auftrag halten können“, sagt er. Betriebsratsvorsitzender Karl Benner spricht den Kern des Problems an, wenn er sich weniger Abhängigkeit von der Automobilindustrie wünscht.
Das sei allerdings schwierig, weil es im Angebotssegment der Flabeg außerhalb des Automobilsektors nur kleine Geschäftsfelder gebe, dämpft der Geschäftsführer die Hoffnungen. Und die der Zulieferbereich für die Automobilbranche ist ein echtes Haifischbecken, in dem sich auch viele asiatische Anbieter tummeln.
Schiller gibt einen Einblick in die harten Gepflogenheiten: „Da kriegst du einen Anforderungskatalog mit 180 Kriterien und jedes einzelne wird debattiert. Am Ende musst Du einen Preis nennen. Du willst 20 Euro und der Auftraggeber hat sich fünf vorgestellt. Am Ende sitzen dann die letzten drei Anbieter am Tisch und irgendwann sagt einer: Gut, für elf Euro mach ich es.“
Der Flabeg-Geschäftsführer muss sich dann oft für einen Zeitraum von Jahren festlegen mit einem Stückpreis. „Da wird nicht mehr nachverhandelt und der Strompreis und die Inflation sind kein Thema.“ In diesem harten Klima punktet Flabeg mit Innovationskraft und Zuverlässigkeit. Doch Schiller macht sich keine Illusionen: „Am Ende zählt der Preis, den du bieten kannst.“ Und gerecht geht es auch nicht zu. Während die Premiumhersteller derzeit massiv im oberen Luxus-Segment produzieren und dort satte Gewinne pro Auto einstreicht, muss Schiller vom Stückpreis leben. So reicht die Automobilindustrie Probleme und Risiken nach unten durch.
Preidl fragt nach der Relevanz des Strompreises im Konkurrenzkampf und Schiller erklärt, dass am Ende alles auf den Stückpreis draufkommt und deswegen relevant ist. Die Flabeg punktet auf ihrem Ökokonto mit grünem Strom aus Wasserkraftwerken. „Der ist aber auch teurer und bringt halt nur Punkte. Das interessiert aber dann wieder keinen, wenn du beim Preis nicht mithalten kannst.“
In welchen Relationen sich die Flabeg dabei bewegt, wird klar, als Schiller beim Thema Photovoltaik abwinkt: Dazu bräuchten die großen Dächer die notwendige Statik und bei 100 Watt Leistung pro Quadratmeter müsse man sehen, dass zum Beispiel die Beschichtungsanlage einen Anschlusswert von 1,2 Millionen Watt habe. „Das dauert, bis sich sowas rechnet, auch wenn alles ein Beitrag ist“, so Schiller.
Nun ist die Flabeg dabei, eine Reinhalle zu bauen. Dort müssen neue Maschinen aufgestellt werden, die große Glasflächen bearbeiten können. Displays mit Biegetechnologie herzustellen ist eine der Spezialitäten der Flabeg. „Das Glas ist einen Millimeter dünn und leichter als Kunststoff. In dieser Reinheit ist es auch vom Preis her mit dem Kunststoff konkurrenzfähig“, schildert der Geschäftsführer, der im Schwerpunkt für Entwicklung zuständig ist.
Das Display wird nach dem Biegen chemisch gehärtet. „Diese Gläser befinden sich in Bereichen des Autos, in dem schon einmal der Kopf des Fahrers aufprallen kann. Da darf nichts brechen“, sagt Schiller. Deswegen könne man die gebogenen Gläser zur weiteren Bearbeitung auch wieder flach drücken und sie kehren in ihre Form zurück. Durch Einlegen in 400 Grad heißes Pökelsalz werden kleine gegen große Atome ausgetauscht und man erreicht, dass das Glas außen nicht reißt, wenn es gebogen wird. „Wenn das im Einzelversuch hinhaut, heißt das aber noch lange nicht, dass bei Massen an Gläsern kein Ausschuss entsteht, weil Oberflächen verkratzen“, schildert Schiller.
Weg von dem, was jeder kann
Immer mehr Displays wandern nun in die Autoscheibe und markieren dort in Originalgröße Fußgänger und Abbiegepfeile. Schiller zeigt eine Glasoberfläche, die zwei drehbare Druckknöpfe enthält. Damit könnte der Autofahrer dann wieder Bedienfunktionen auswählen, ohne den Verkehr aus den Augen zu verlieren.
„Wir sind lange weg von den Rückspiegeln, die jeder kann“, sagt Geschäftsführer Schiller. „Wir haben das Know-how und die Innovation“, sagt Betriebsratsvorsitzender Benner. Es gibt Hoffnung auf dem Flaggschiff.