Auf etliche Hausbesitzer in der Regensburger Altstadt könnten Kosten zukommen

Weil sich die Bodenplatte unter dem Salamanderhaus in der Regensburger Altsadt gesenkt hat, sind aufwendige Bauarbeiten notwendig. 48 Pfähle sollen den Untergrund stabilisieren. Ganz genau sehen auch die städtischen Archäologen und die umliegenden Hausbesitzer hin. Auf Letztere könnten Kosten zukommen.
„Alles reduziert. Wir schließen“, verkünden Plakate am Salamanderhaus. Eine Passantin tritt an das Schaufenster heran, um auch das Kleingedruckte lesen zukönnen. „Die schließen zum Glück nur vorübergehend. Das wäre sonst der nächste Leerstand am Neupfarrplatz gewesen“, sagt sie.
Im Keller des Gebäudes, wo sich die Bodenplatte gesenkt hat, stemmen Fachleute des Bauunternehmens Weigert den Beton heraus. „Es läuft planmäßig“, sagt Nicholas Weigert von der Geschäftsleitung. In dem Kellerraum mit 220 Quadratmetern lagerten die Schuhe von Salamander. Eine Verkäuferin entdeckte den Schaden.
Das Kelheimer Statikbüro Kugler + Kerschbaum hat den Untergrund untersucht. Neun Meter unter dem Gebäudekomplex, der bis in die Bachgasse reicht, liegt ein Kalkfelsen mit Spalten und Klüften, darüber Erde. Durch Unterspülung mit natürlichem Schichtwasser wurde Erde weggetragen. Folge war die Absenkung. Bevor die neue Bodenplatte betoniert wird, müssen 48 Pfähle eingebaut werden, die bis zum Felsen hinunterreichen.
Umbau im Schuhgeschäft
Ingenieur Wolfgang Kugler geht auch mit Stirnrunzeln durch die Untere und Obere Bachgasse. „Sie sehen dort sehr viele Häuser mit Rissen in der Fassade. Diese dürften überwiegend auf dieselbe Ursache zurückgehen.“ In der Wahlenstraße treten ebenfalls immer wieder statische Probleme auf.
Im Schuhhaus läuft der Ausverkauf. „Wir schaffen Platz für ein brandneues Sortiment der Herbst-Winter-Saison“, kündigt Jens Peter Klatt an, der Geschäftsführer von Salamander Deutschland in Wuppertal. Die Filiale am Neupfarrplatz bleibe erhalten. Nach dem Räumungsverkauf wird umgebaut. Einen Zeitplan kann er noch nicht nennen.
Bauunternehmer Nicholas Weigert dagegen weiß, wie lange die aufwendigen Arbeiten im Keller noch dauern werden: bis Ende Dezember. Dazwischenkommen könnte aber ein archäologischer Fund. Das würde die Keller-Stabilisierung verzögern. Wenn der nächste Teil der Bodenplatte entfernt ist, werden die Archäologen wieder graben.
Diese Chance haben sie mitten in der dicht bebauten Altstadt selten. Stadtarchäologe Lutz-Michael Dallmeier hofft auf ein weiteres Puzzleteil zum römischen Castra Regina, das von 179 nach Christus bis um 450 existierte. Man weiß, dass die Lagerhauptstraße Via Principalis Sinistra in der Nähe verlief, etwa unter dem heutigen Karavan-Denkmal. Ein kleiner Marmorstreifen im Pflaster von der Parfümerie Miller am Neupfarrplatz bis zur Galeria Kaufhof markiert einen Abschnitt der einstigen Römerstraße. Das monumentale, 26 Meter breite westliche Tor des Legionslagers, die Porta Principalis Sinistra, mit Flankentürmen und zwei Bögen muss sich in der Nähe erhoben haben: zwischen Salamanderhaus, dem Eck Neupfarrplatz/Wahlenstraße und dem Eck Neupfarrplatz/Obere Bachgasse gegenüber. Dallmeier würde das Tor zu gerne aufspüren. Doch bisher wurde kein Stein davon entdeckt. Deshalb ist jede Grabung in dem Bereich wichtig. Heute müsste es in etwa sechs Metern Tiefe schlummern. Wo die westliche Mauer des Legionslagers verlief und die Porta Principalis Sinistra genau stand, sind mit die letzten archäologischen Rätsel in der Innenstadt. Die bisher freigelegte Mauer im Keller des Salamanderhauses ist nach Urteil des Stadtarchäologen älter als der Keller selbst, der auf das 14. Jahrhundert zurückgeht, stammt aber aus der Zeit um 1100, nicht von den Römern.
Auf römischem Graben
Es gibt einen zweiten Grund, warum der Boden nachgibt. Nach archäologischen Forschungsstand steht das Salamanderhaus auf dem Graben des römischen Kastells. „Den hat man irgendwann mit Kulturschutt zugefüllt, mit Bruchsteinen und Keramikresten“, sagt Dallmeier. 1050 oder 1100 wurden die ersten Steinbauten errichtet. „An diesen entstehen bis in die heutige Zeit immer wieder Schäden, weil der Untergrund so schwierig ist.“ Die statischen Probleme in der Wahlenstraße hingen wohl mit der Verfüllung des Grabens zusammen.
Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra bestätigt, dass viele Altstadthäuser, besonders in der Wahlenstraße und Unteren Bachgasse, aber auch in der Engelburgergasse und in Donaunähe Gründungsprobleme haben. „Viele Setzungen sind aber auch schon sehr alt und haben sich beruhigt.“
