Millionenschaden am Salamanderhaus: Besteht Gefahr für weitere Altstadthäuser?

Auf unruhigem Untergrund hat sich die Bodenplatte gesenkt. Deshalb kommen auf den Hauseigentümer hohe Kosten zu. Unter dem Gebäudekomplex ist der Graben von Castra Regina.
Statiker Wolfgang Kugler und Nicholas Weigert von der gleichnamigen Bauunternehmung führen über eine steile Treppe von der Wahlenstraße aus in den Keller des Salamanderhauses. Dort häuft sich der Schutt. Risse klaffen in den Wänden. In einem Eck der 220 Quadratmeter haben Archäologen eine mittelalterliche Mauer freigelegt.
Nicholas Weigert deutet auf eine Öffnung nach oben zum Neupfarrplatz. „Man muss alles durch den alten Lichtschacht hoch- und runtertransportieren.“ Damit meint er die Bruchstücke der alten Bodenplatte, Maschinen und Material. Seine Hündin Elli lauscht geduldig.
Belastung für Hausbesitzer
Die Bodenplatte hat sich gesenkt. Eine Verkäuferin des Schuhgeschäfts Salamander entdeckte den Schaden, als sie Schuhe aus dem Lager holen wollte. Statiker Kugler ist der Sache nachgegangen. Neun Meter unter dem Gebäudekomplex liegt ein Kalkfelsen mit Spalten und Klüften, darüber Erde. Durch Unterspülung mit natürlichem Schichtwasser wurde Erde weggetragen. Folge war die Absenkung. Bevor eine neue Bodenplatte eingebaut wird, müssen 48 Pfähle eingebaut werden, die bis zum Fels hinunterreichen. Wolfgang Kugler zeigt die Vorarbeit: gemauerte Konsolen in der Wand. Der Statiker vergleicht die Pfähle mit Tischbeinen. Sie werden künftig verhindern, dass sich die Bodenplatte senkt.
Hausbesitzer: „Da wird einem himmelangst“
Hausbesitzer Andreas Insinger erinnert sich an jahrelange Rissbildung. Vor einigen Tagen hat er die Schäden fotografiert. „Da wird einem himmelangst.“ Mit Kosten von mindestens einer Million Euro rechnet er für die Arbeiten. „Ich bin mehr als glücklich, eine Elementarversicherung zu haben.“ Diese übernehme wohl den Löwenanteil, doch mehrere hunderttausend Euro müsse er selbst tragen.
Es ist eine schwierige Baustelle. „30 Container á 7,5 Kubikmeter haben wir schon gefüllt“, sagt Unternehmer Weigert. Alles ist Handarbeit, da nur kleine Maschinen durch den Lichtschacht passen. Schneller wird es erst gehen, wenn der Betonmischer das Material für die neue Bodenplatte in den Keller pumpt.
Stadtarchäologe Lutz-Michael Dallmeier hat die von Archäoteam ausgegrabenen Mauern in Augenschein genommen. Sein Urteil: Sie seien höchstwahrscheinlich mittelalterlich. Er stellt einen Zusammenhang her zwischen dem Salamanderhaus und der Lagerhauptstraße Via Principalis Sinistra von Castra Regina. Man weiß, dass sie ganz in der Nähe unter dem Karavan-Denkmal verlief. Ein kleiner Marmorstreifen im Pflaster von der Parfümerie Miller am Neupfarrplatz bis zur Galeria Kaufhof markiert einen Abschnitt der Römerstraße.
Mit Bruchsteinen und Keramikresten zugefüllt
Nach jetzigem Forschungsstand stehe das Salamanderhaus auf dem Graben des römischen Kastells. „Den hat man irgendwann mit Kulturschutt zugefüllt, mit Bruchsteinen und Keramikresten“, sagt Dallmeier. 1050 oder 1100 wurden die ersten Steinbauten errichtet. „An diesen entstehen immer wieder Schäden, weil der Untergrund so schwierig ist.“Das komme in der gesamten Wahlenstraße vor. In etlichen Häusern habe es statische Probleme gegeben. „Das hängt wohl mit der Verfüllung des Grabens zusammen.“
Ist nun die Unterspülung schuld an der Senkung der Bodenplatte oder die schlampige Verfüllung des Kastell-Grabens? Das eine schließt das andere nach Einschätzung von Dallmeier nicht aus. „Es kann gut sein, dass das Schichtenwasser und die Verfüllung zusammenspielen.“
Zwei Fragen schießen ihm durch den Kopf, wenn er sich am Neupfarrplatz bewegt: Wann findet man die Westmauer des römischen Legionslagers? Und wann kann man die Porta Principalis orten? Der Archäologe vermutet, dass dieses große Stadttor mit Flankentürmen und zwei Bögen den Vorgänger der heutigen Gesandtenstraße überspannt hat.
Ausverkauf im Schuhladen
Zurück zum Salamanderhaus: Dallmeier ist überzeugt, dass die im Keller entdeckten Mauern vom Vorgängerbau aus der Zeit um 1100 stammen. Wissenschaftler nennen das mächtige Gebäude, das einen ganzen Block von der Wahlenstraße bis zur Unteren Bachgasse 15 umfasst, Kastenmayerhaus nach einem früheren Besitzer. Zwei mittelalterliche Türme zählen dazu. Die Grundfläche beträgt 34 mal 34 Meter, beschreibt Richard Strobel in seinem Werk „Das Bürgerhaus in Regensburg“. Es sei das bedeutendste Gebäude in der Wahlenstraße neben dem Degginger und dem Goldenen Turm.
Ganz andere Fragen treiben die Beschäftigten des Schuhladens Salamander um. Weil es nur noch ein winziges Lager gibt, erhält das Geschäft weniger Ware. Deshalb bleiben Kunden aus und der Umsatz sinkt. „Neuware kriegen wir auch nicht mehr, weil wegen der Baustelle ein Rabatt von 20 Prozent gilt“, sagt Gloria Petersson, die stellvertretende Filialleiterin. „Wir sind ein kleines Outlet geworden.“ Sie hofft, dass die Bauarbeiten wie angekündigt Ende des Jahres zu Ende gehen werden.
Baustellenhund Elli wird allmählich hungrig. Nicholas Weigert steigt mit dem Vierbeiner in den Transporter.

