Erfolgreiche Partyband aus Rengersricht: Klostergold mischt die Volksfeste auf

Von Lothar Röhrl · 25. August 2023 um 19:00

Klostergold gehört zu den erfolgreichsten Partybands in der Region Neumarkt. Jura-Volksfest, Gillamoos, Herbstvolksfest Nürnberg – die fünf Musiker aus Rengersricht sprechen im Interview über feste Rituale, besondere Erinnerungen und den Likör, nach dem sie sich nennen.

Ihr spielt so viel auf Festen. Bekommt Ihr von jedem Fest außer der Bühne auch was mit?

Laura Wehner: Als Musiker ist die Perspektive für solche Feste eine komplett andere. Wir drehen zwar nach dem Essen und bevor wir uns umziehen oft mal noch eine Runde auf dem Festplatz für ein Eis oder ein paar Mandeln. Aber ansonsten bekommt man von oben zwar eine andere Sicht mit, aber trotzdem lange nicht alles, was sich da unten abspielt.

Christian Schneider: Unvergessen für mich sind die Auftritte im Hofbräuhaus in Las Vegas und die Touren zum Strip oder das Tingeln durch die Casinos nach der Show oder in Chicago damals die Tour durch die Blues Kneipen mit Live-Bands nach dem Auftritt. (Mit dem Trio „Saitenspringer“, Anmerkung der Redaktion) Auch die Sightseeingtour in London, als wir dort auf dem Oktoberfest spielten oder die Touristentour in Hamburg auf der Reeperbahn oder Berlin mit Kollegen. Man muss bewusst Freiraum dafür einplanen. Aber es lohnt sich, um einprägsame Erinnerungen zu sammeln.

Gibt es ein festes Ritual bei jedem Auftritt?

Andreas Bangemann: Kurz vor dem Auftritt machen wir eine gemeinsame Einsingübungen und danach trinken wir eine Runde Klostergold.

Laura Wehner: Und was niemals fehlen darf: Die Hände vor jedem Auftritt zusammenlegen! Um das Ganze abzurunden, fallen wir uns nach jedem Auftritt in die Arme. Jeder jedem. Wir bedanken und wertschätzen so die Arbeit jedes einzelnen an jedem Abend.

Wo tretet Ihr am liebsten auf?

Laua Wehner: Das ist echt schwierig. Natürlich gibt es ein paar Highlights in der Saison, aber die machen sich nur dadurch aus, dass die Leute es zu einem Highlight machen. Die Stimmung muss passen. Dann kann sich eine ganz kleine Veranstaltung zu einem der schönsten Auftritte herauskristallisieren.

Christian Schneider: Für mich als Clubberer das Volksfest in Nürnberg. „Die Legende lebt!“ Das Ende des Gigs hat sich zuletzt angefühlt wie als Kind in der Nordkurve.

Philipp Barth: Ich hab mich immer auf das Burgfest in Hilpoltstein und das Neumarkter Volksfest am meisten gefreut.

Wie hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Auftritte verändert?

Laura Wehner: Seit ich dabei bin, ging es stetig bergauf. Es ist natürlich cool, wenn man merkt, man kommt an und man wird für Veranstaltungen gebucht, weil man einen guten Ruf hat!

Andreas Bangemann: 2016 waren es noch 19 Auftritte. Dieses Jahr sind es 43.

Christian Schneider: Zum Glück hat sich die Zahl der Auftritte gesteigert. Dann braucht man daheim nichts üben oder proben – und auch nichts kochen. Und wir werden regelmäßig mit Leckereien vom Süßigkeiten-Stand versorgt.

Kommt es auch zu Buchungen übers Hörensagen oder über Empfehlungen?

Laura Wehner: Ja, auf jeden Fall! Social Media ist da ein sehr großer Faktor, der die Mundpropaganda von früher etwas ersetzt. Oft ist es auch so, dass man einen Auftritt spielt und kurze Zeit später kommen Anfragen mit dem Vermerk „Wir haben euch in XY gehört …“

Andreas Bangemann: Viele Festwirte buchen uns auf Wunsch des örtlichen Vereins wie Kirchweihverein, Feuerwehr oder Sportverein.

Kaum steht Ihr auf der Bühne, stehen die Fans auf den Bänken: Welche Art der Zustimmung mögt Ihr noch?

Laura Wehner: Mittlerweile kommen sehr viele Fans auf uns zu und wollen Fotos und Autogramme. Das ist schon ein echt cooles Gefühl. Vor allem, wenn man werktags die „normale Laura“ ist und plötzlich ist man „DIE Laura“. Der Fan-Kontakt ist uns sehr wichtig. Wir wollen auf keinen Fall Unnahbarkeit ausstrahlen. Deshalb sind wir viel im Austausch mit unseren Fans. Wir machen zum Beispiel hin und wieder Umfragen zu bestimmten Themen auf den Social-Media-Plattformen oder holen uns Feedback von den Fans ein.

Philipp Barth: Ich mag es, wenn Menschen auf einen persönlich zugehen und loben „Hey, ihr macht geile Mukke“.

Welchen Teil des Auftritts mögt Ihr am liebsten?

Andreas Bangemann: Ich persönlich bevorzuge das letzte Set mit den vorwiegend rockigeren Songs.

Christian Schneider: Das Knistern vor einem Auftritt und die erste kühle Maß beim Essen und Einstimmen.

Laura Wehner: Der Moment, wenn wir die Bühne betreten, ist der erste tolle Moment. Aber nicht der einzige. Für mich sind auch die Momente besonders, in denen ich mal ins Publikum gehe und mit den Leute auf ihrem Tisch singe und Party mache. Ganz nach dem Motto „Mittendrin statt nur dabei“. Und am Ende, wenn wir uns gemeinsam verbeugen. Das ist dann unser Moment.

Nun zum Repertoire: Wie oft stellt Ihr Euer Programm um?

Andreas Bangemann: In der Regel einmal im Jahr, wenn wir in den Wintermonaten das neue Programm festlegen und einproben. Während der laufenden Saison kommen nur ganz wichtige Lieder wie neue Wiesen-Hits dazu.

Christian Schneider: Es gibt einen roten Faden, der wird vor dem Start der Bierzelt-Saison fixiert. Er wird dann nur um Top-Hits ergänzt, die sich mit dem Ballermann-Opening gegebenenfalls noch auftun. Sonst habe ich ein Notizbuch im Handy, in dem ich das ganze Jahr über Gedanken sammele und Inhalte entwickle. Die Vorschläge besprechen wir dann in der Band für einen neuen roten Faden.

Mich überrascht, dass viele Gassenhauer aus den 90ern bis zu den Zehner-Jahren des aktuellen Jahrhunderts bei jungen Zuhörern sehr gut ankommen. Woran liegt das?

Laura Wehner: Old but gold. Es gibt einfach Hits, die sind ein Muss. Egal wie alt – der Song oder das Publikum.

Andreas Bangemann: Für mich ist das ebenso unerklärlich. Zumal ja viele unserer Zuhörer noch gar nicht auf der Welt waren, als diese Songs entstanden sind.

Fünf Herren – und Du bist die Frontfrau? Stimmt der Eindruck, dass jemand sofort an Dich denkt, wenn der Name „Klostergold“ fällt?

Laura: Die Tatsache, dass ich die einzige Frau und dann auch noch an der Front bin, erweckt den Eindruck, ja. Allerdings ist es uns schon sehr wichtig, dass wir eine Band sind. Ganz nach unserem Motto, das auch auf unsrem Bus steht: „Hallo wir sind die Band!“

Trotz des großen Erfolgs als Liveband hältst Du an Deinem Beruf als Lehrerin an einer Mittelschule fest. Kommt mal der Punkt, an dem Du Dich entscheiden musst?

Laura Wehner: Tatsächlich stand ich vor ziemlich genau einem Jahr an diesem Punkt, als für mich unklar war, ob ich das weiterhin vereinbaren kann. Ich wurde nach meinem Referendariat nach Oberbayern versetzt. Zum Glück wurde es nur Schrobenhausen. Mit viel Leidenschaft und großem Willen geht das mit der Band nach wie vor. Mir ist es aber sehr wichtig, dass mein Job dabei nicht auf der Strecke bleibt und ich auch dort 100 Prozent geben kann.

Ihr nennt Euch „Klostergold“. Das war doch mal dieser Likör aus Seligenporten. Gibt es den noch?

Andreas Bangemann: Den Likör gibt es aktuell nicht mehr. Zumindest nicht offiziell in den Geschäften. Wegen Corona und aus gesundheitlichen Gründen musste der Hersteller für ein paar Jahre pausieren. Wir konnten ihn dennoch überreden, nur für unseren Eigenbedarf eine Lieferung zu produzieren.

Wenn man sich ansieht, wo Ihr wann bei welchen Festen spielt, fällt auf: Ihr werdet gerne bei Festivitäten wie der 150-Jahr-Feier der Feuerwehr Großbissendorf im Mai 2024 gebucht.

Andreas Bangemann: Das ist aber erst seit dem Ende der Pandemie so. Durch Corona wurden viele Feuerwehr-Feste nach hinten verschoben: Dadurch stieg die „Jubiläums-Dichte“ in den letzten beiden Jahren deutlich an.

Laura Wehner, die Frontfrau von Klostergold, liebt das Bad in der Menge. Archivfoto: Röhrl