Vom Klassenzimmer aufs Donaumoosvolksfest: Die Lehrerin mit der Partyband

Die 28-jährige Laura Wehner unterrichtet an der Mittelschule in Schrobenhausen die fünfte Klasse, in ihrer Freizeit steht sie gern auf der Bühne. Am kommenden Donnerstag tritt sie ganz in der Nähe auf: Mit ihrer Band Klostergold wird sie beimDonaumoosvolksfestzu Gast sein.
Ihr Bandname Klostergold mag auf den ersten Blick nach einem Fantasiewort klingen. Ist es aber nicht. Klostergold hat was mit der kleinen Ortschaft Seligenporten in der Oberpfalz zu tun. Dort gab es ein Kloster, das über lange Zeit ihren hellen Kräuterlikör selbst hergestellt hatte.
Als die Band Mitte der 90er-Jahre auf der Suche nach einem geeigneten Namen war, sind sie letztendlich genau auf das dort bekannte und beliebte Getränk gestoßen. Mittlerweile haben sich zwar Stilrichtung und Bandmitglieder geändert, aber der Name ist geblieben. Zumindest fast. Aus ursprünglich Klostergold-Express mit ihrer volkstümlichen Musik ist vor wenigen Jahren die für Stimmung zuständige Party- und Unterhaltungsband Klostergold geworden.
Mittendrin und viel mehr als nur dabei ist sie, die einzige Dame der Band: die 28-jährige Laura Wehner. Sie singt und spielt Saxofon – und sie ist Neu-Schrobenhausenerin. Mit Beginn dieses Schuljahres wurde die junge Lehrerin aus dem Örtchen Seligenporten in der Gemeinde Pyrbaum an die Michael-Sommer-Mittelschule versetzt. Dort unterrichtet sie als Klassenleiterin in der fünften Jahrgangsstufe.
Auswirkung auf die Band hat dieser Standortwechsel nicht, das Musikprojekt mit ihren fünf männlichen Bandmitgliedern und dem festen Tontechniker bleibt bestehen. Im Gegenteil: Am kommenden Donnerstag, 27. April, ist Klostergold ab 19 Uhr auf dem Donaumoosvolksfest in Karlshuld zu sehen.
Um die fünf Stunden auf der Bühne
Klostergold hat sich mit dem Einstieg von Laura Wehner im Jahr 2017 auf die Festzelte und Konzerthallen konzentriert. Der Versuch, eine Frau in die Band zu nehmen, ging vollends auf. Zuhause sind sie längst Headliner großer Veranstaltungen wie dem Neumarkter Jura-Volksfest oder der Allersberger und Rother Kirchweih. Dort füllen sie mit ihren Coversongs die Festzelte bei rund fünfstündigen Auftritten.
Zwischendrin werden sie auch mal für Volksfeste in Nordrhein-Westfalen und bisher zweimal in der rumänischen Großstadt Brasov für jeweils sechs Abende hintereinander gebucht. Zwischen 40 und 50 Konzerte spielen sie im Jahr von Ende April bis Ende Oktober. Alles an den Wochenenden, alles nebenberuflich.
Partyband Klostergold: Singen, springen, tanzen
Wenn man die ins Netz gestellten Livemitschnitte von Klostergold so anschaut, merkt man ziemlich schnell, dass die Band ein großes Gemeinschaftsprojekt ist. Sie singen und spielen richtig live. Nix also mit zusätzlichen Effektgeräten oder eingespieltem Backgroundgesang. Zwischendrin und während der Songs ist so manch witzige oder animierende Momentaufnahme und Choreographie zu sehen.
Ist so, sagt Laura Wehner. Ein Teil der Band, erzählt sie, kenne sich schon seit der Jugend aus dem gleichen Dorf, die anderen Mitglieder habe man über ein Casting aus der Heimatregion dafür gewinnen können. Das Publikum mitzureißen, „das ist genau das, was wir alle auch erreichen wollen“, sagt Laura Wehner. Für sie persönlich sei die Bühne „das Ventil für alles“. Vor allem im Verlauf des Abends, wenn das Publikum bildlich gesehen jünger werde und in Feierlaune sei.
Was auf der Bühne hingegen nicht zu finden sein wird, das ist die klassische Klarinette, das einstige Hauptinstrument von Laura Wehner. Das hat sie zusammen mit Dirigieren als Hauptfach im Lehramtsstudium belegt und auch abgeschlossen. Doch die Klarinette, meint sie, würde nicht unbedingt zur Bandmusik passen, so dass sie stattdessen zum Saxophon greife. Ansonsten spielen Keyboard, E-Gitarre, Bass und Schlagzeug die erste Geige bei Klostergold.
Unterschiedliche Musikrichtungen
Insgesamt möchte die Band auch mit ihren unterschiedlichsten Musikrichtungen und ihrer großen Songauswahl punkten. Die hängt auch ein Stück weit vom Zeitpunkt und vom Publikum selbst ab. Wenn im Festzelt vorwiegend gegessen und geratscht wird, dann geht es, wie es Laura Wehner bezeichnet, um „volkstümliche Schunkelmusik“ mit etwa „Die Fischerin vom Bodensee“. Etwas später kommen Schlager dran, mal komplett, mal als Medley. Und noch später wird es poppiger mit bekannten Radio- und Disconummern aus mehreren Jahrzehnten zum Beispiel mit Nena und ihren „99 Luftballons“, den Backstreet Boys , den Cranberries oder den 4 Non Blonds. Nicht fehlen darf „Angels“ von Robbie Williams, genauso wie Stücke von Bryan Adams oder AC/DC.
Wie viele Songs Klostergold insgesamt drauf hat, das kann Laura Wehner gar nicht genau sagen. Sie überlegt. Ungefähr 200? Ja, ungefähr. Und sie fügt gleich noch an, dass ein Teil davon aber nur mit einer Strophe wie etwa beim Queen-, Bon Jovi-, Nena- oder 90er-Medley vorkäme. Klostergold spielt die Coversongs, wie Laura Wehner sagt, „auf unsere Art und Weise“. Manchmal kommt die Band dem Original bewusst ganz nahe, andere Stücke wiederum unterscheiden sich darin, weil sie mit ihr und Philipp Barth auf zwei unterschiedliche Hauptliedstimmen zurückgreifen können. An anderen Songs wie bei „Highway to Hell“ sind beispielsweise die Quetschn anstatt der E-Gitarren die dominierenden Instrumente.
So dürften es die Live-Auftritte von Klostergold in sich haben: tanzbare Beats bei mächtig Stimmung. Bestimmt auch am Donnerstag bei ihrem ersten Auftritt südlich der Donau auf dem Karlshulder Volksfest. Der eigene Bandbus mit der Aufschrift „Sie sind die Band“ wird dann erstmals nicht vollbesetzt. Weil die Neu-Schrobenhausenerin Laura Wehner zur Abwechslung separat anreist.
− SZ