Warum der Breitbandausbau in Bad Kötzting mit „Störgeräuschen“ läuft

Von Stefan Weber, Marie Campisi · 23. August 2023 um 19:00

Seit Anfang des Jahres sind gleich drei Firmen in der Stadt unterwegs und schließen die Haushalte an das Glasfasernetz an: Der Eigenbetrieb des Landkreises übernimmt die Randgebiete, die Telekom das Wohngebiet Schinderbuckel und die Innenstadt, und Leonet baut überall dort aus, wo der Landkreis nicht anschließt.

Das führt seit Monaten durchaus auch zu Problemen und verursacht auch Kopfschütteln bei den Bürgern. Während der Landkreis ja nur dort baut, wo wirtschaftlich planende Unternehmen wie Leonet und Telekom nicht hinkommen, überschneiden sich Letztere in der Innenstadt mehrfach. Das war zum Beispiel im Juni am Schinderbuckel bereits der Fall. Eine Firma ist fertig, macht die Löcher im Boden wieder zu – und schon kommt die nächste und muss alles wieder aufreißen.

Schaden an Leitungen

Ein Problem, das vorab durchaus schon bekannt gewesen war, wie damals auch die Stadt selbst nach mehrfachen Anfragen von Bürgern erklärt hatte. Der Grund: Weder mit Blick auf die gemeinsame Nutzung einer Leitung noch auf den gleichzeitigen Ausbau hätten sich Leonet und Telekom einigen können.

Abgesehen davon, dass Anwohner der Ausbau-Gebiete bisweilen doppelt gestört werden, wirkt sich das auch auf bereits im Erdreich vergrabene Infrastrukturen aus – etwa, wenn, wie im April, eine Gasleitung angegraben wird oder Bürger über mehrere Stunden ohne Strom sind.

Laut dem Bayernwerk haben solche Störungen in Bad Kötzting in diesem Jahr zugenommen. Insgesamt sechs Störungen an Stromleitungen sowie eine an einer Gasleitungen zählte das Bayernwerk hier bis Ende Juli im Zusammenhang mit Tiefbauarbeiten. Das sei mehr als man aus anderen Jahren kenne, bestätigt Pressesprecher Christian Martens. Eine Störung bedeutet allerdings nicht, dass eine Leitung durchtrennt wurde. „Wir reden hier nicht direkt von langen Stromausfällen. Manchmal reicht es auch, wenn die Isolierung der Leitung abgedrückt wird“, erklärt Martens. Vernachlässigen sollte man das aber nicht. Denn auch wenn es nicht direkt zum großen Stromausfall kommt, sind beschädigte Isolierungen ein Sicherheitsrisiko (siehe Info).

Lösung für Innenstadt?

Ebenfalls nicht neu ist das Phänomen der „Subunternehmen vom Subunternehmen“ – kleinere Firmen, die im Auftrag größerer die Tiefbauarbeiten in den vergangenen Wochen und Monaten in der Stadt erledigt hatten. Wie ein Sprecher von Leonet auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, ein Umstand, der auch der drängenden Zeit geschuldet gewesen sei, da der über viele Jahre stagnierende Ausbau nun in wenigen Jahren im gesamten Land abgeschlossen werden solle. Das habe für die erste Bauphase dazu geführt, dass regionale Firmen – die in der Regel die beste Lösung seien – nicht verfügbar gewesen seien. Ab dem zweiten Bauabschnitt, der noch in diesem Jahr in Richtung Stadtnorden fortgeführt werden solle, werde sich das allerdings ändern, so der Sprecher. Auch für die Anfragen für die Abschnitte drei und vier, die auch die Innenstadt abdecken würden, liefen die Verhandlungen bereits mit regionalen Unternehmen. Nicht, dass die Arbeit zuvor schlecht gewesen sei, doch gestalte sich die Zusammenarbeit einfacher. Darauf baue Leonet übrigens auch mit Blick auf die Telekom.

Auch wenn der Bauabschnitt drei erst im kommenden Frühjahr beginne, werde versucht, den doppelten Ausbau hier besser zu koordinieren – hier gehe es schließlich darum, Behinderungen in der Innenstadt möglichst gering zu halten. Allerdings verweist der Sprecher auch darauf, dass die Zeit dränge und Absprachen auch Zeit kosten könnten. So bleibt es also abzuwarten, wo – und vor allem wie oft – in der Innenstadt aufgegraben werden muss.

Probleme

Beschädigungen an Versorgungsleitungen können auch bei Bauarbeiten im oberen Erdbereich entstehen. Daher sollten auch Privatpersonen, die graben oder beispielsweise einen Pfahl in die Erde setzen wollen, sich vorab informieren. Denn Leitungen können bereits auf einer Tiefe von 60 Zentimetern liegen. Verlaufen können sie grundsätzlich überall.

Die Folgen einer Beschädigung sind bei Hausleitungen überschaubar. Trifft es eine Hauptleitung, kann es dagegen zu großräumigen Ausfällen kommen. Auch wenn nur die Isolierung der Leitung getroffen wurde, birgt das ein Sicherheitsrisiko und muss gemeldet werden.

Die Spartenauskunft (auch Leitungs- oder Planauskunft genannt) verrät, wo sich Leitungen befinden. Der Zugriff darauf ist nach einer Registrierung auf www.bayernwerk-netz.de möglich. Laut Bayernwerk Netz ist allerdings nicht jeder Meter exakt verzeichnet, in diesem Fall sollten auch Privatpersonen das Servicetelefon kontaktieren.

Der nächste Abschnitt geht in die Innenstadt.