Selbstversuch: Hält der barrierearme Silbersee-Rundwanderweg, was er verspricht?

Hin und wieder schlackern sie im Schotterbett arg hin und her, die Vorderreifen des Rollators. Das mag aber wohl vor allem am Lauftempo liegen, das sicher etwas schneller ist, als das wirklich Gehandicapter. Schließlich ist das, was ich mit dem Hilfsmittel unternehme, „nur“ ein Selbstversuch.
Willkürlich gewählter Startpunkt ist der Parkplatz beim Segelheim. Der erweist sich zunächst per se als nicht sonderlich Rollator-gängig – allerdings ist das auch nicht sein Anspruch. Die erste Aufmunterung folgt, noch ehe die Tour beginnt: Zwei freundliche Frauen vor dem Segelheim erkundigen sich freundlich-lächelnd nach dem Befinden und wünschen eine schöne Tour und einen ebensolchen Tag.
6,4 Kilometer Runde
Also los auf die 6,4 Kilometer Richtung Norden: die sich, sind wir ehrlich, ohnehin nur die zumuten, die sich die Streckenlänge per se zutrauen. Für alle anderen gibt es zwei gleichermaßen wunderbare Alternativen: Gleich auf die in gegensätzlicher Richtung verlaufende Naschmeile einbiegen, die komplett asphaltiert ist und ebenso ihre Reize hat. Oder: starten und schauen, wie weit es eben geht. Mit dem Vorteil, schon nach wenigen Metern mit wunderbaren Blicken auf den See, das Bächlein rechts oder den Gneisfelsen beschenkt zu werden. Letzterer ein besonderer Lebensraum für Schlange, Eidechse, Insekt und Co.
Wissenswertes am Wegrand
Über ihn klären, wie an 22 weiteren Punkten des seit kurzem barrierearm hergerichteten langen Rundwanderwegs, Info-Tafeln zu Tieren und Pflanzen auf. Alle sind neu, inhaltlich und optisch. Biber, Kreuzotter, Springfrosch...
Vier Tafeln fehlen noch
Noch nicht angebracht hingegen sind die Tafeln, die an den vier „Einstiegsstellen“ des neuen Rundwegs dessen Idee darstellen – im wahrsten Sinne des Wortes. Mittels ertastbarer, erspürbarer Oberfläche, mittels Blindenschrift und in leicht verständlicher Sprache wird veranschaulicht, wo Steigungen, wo Sitzgelegenheiten sind. An welchen Stellen man baden kann.
Lesen Sie hier: Ein Gemeinschaftsprojekt
Konzipiert wurde das Große-Ganze von der Waldmünchner Architektin Yvonne Schrattenthaler, die mit ihrem Mann Michael und Grafiker Alex Pohl die Ideen für den barrierearmen Spaziergang entworfen und umgesetzt hat. Barrierefrei sei aufgrund der Gegebenheiten kaum möglich und auch nicht gewollt gewesen, hätten Eingriffe mit diesem Ziel die Ursprünglichkeit und den Charakter des Sees zerstört. „Es sollte keine Autobahn werden.“
Noch zuviel Schotter
Das Zuviel an Schotter an der ein oder anderen Stelle, das aktuell ein angenehmes „Drübergleiten“ verhindert und auch Radlfahrer „ins Schwimmen“ bringt, sei bei einem „Neu(auf)bau“ bkaum zu vermeiden. Erst die Nachverdichtung mit Erde und Blättern würde für eine Verfestigung sorgen, wirbt sie um Verständnis. „Im nächsten Frühjahr ist das kein Thema mehr“, springt ihr der Treffelsteiner Bürgermeister Helmut Heumann zur Seite, dem das ebenso schon aufgefallen und zu Ohren gekommen ist.
Mulden unter Wasser
Warum die neu angelegten Mulden Nähe des Segelheims (sie sind notwendig, um das Ausschwemmen des gesamten Weges bei Niederschlägen zu verhindern) ausgerechnet dieser Tage (zu) viel Wasser führten? Heumann zuckt mit den Schultern, verspricht aber, sich der Sache rasch anzunehmen.
Insgesamt seien die Rückmeldungen zum neuen Gesamtpaket sehr vielversprechend, und zwar sowohl von Menschen mit als auch ohne Einschränkungen, stapelt er tief. „Die Art und Weise, wie‘s gemacht ist, kommt gut an.“
Abwechslungsreichtum begeistert
Wie der Weg selber: Wasserrad, Triebwerkskanal, Brücke. Felsformationen nur wenige Meter neben einem idyllischen Bachlauf entfernt. Wir treffen einen, der den Silbersee das erste Mal umrundet. Er zeigt sich begeistert, wie abwechslungsreich sich das Ufer präsentiert. Schattenspendender Wald hier, Schilf da. Und welch fantastische Blicke auf das Gewässer sich eröffnen.
Unberührte Natur
Sumpfe, Biotope, unberührte Natur. Genau diese Flecken sind die Lieblingsplätze eines „Stamm-Spaziergängers“, der – wie Urlauber, Hundehalter und Jogger – zufällig entgegen kommt. Innehalten, „Viecher“ beobachten, vergessene Pflanzen entdecken. Vögeln zuhören. Natur auf sich wirken lassen. Ein Erlebnis, das dank Weitsicht nun mehr Menschen möglich ist.



