Bauunternehmen Scheffer ist insolvent: Millionenprojekt in Neunburg wird ausgebremst

Von Jan Lange · 23. August 2023 um 05:00

Es sah alles so sicher aus. Doch jetzt steht hinter dem geplanten Acht-Parteien-Haus an der Johann-Sebastian-Bach-Straße in Neunburg ein großes Fragezeichen. Denn die verantwortliche Scheffer Bauunternehmen GmbH aus Schwandorf stellte am Freitag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Amberg.

Erst vor etwa vier Wochen hatte Paul Scheffer der Mittelbayerischen Auskunft über sein geplantes Wohnbauprojekt gegeben. Das, was er erzählte, klang überzeugend. Vorgesehen sei, mit dem Bau im September zu beginnen, hieß es in dem Gespräch.

Die Insolvenz macht nun einen Strich durch den Zeitplan. Für eine Stellungnahme waren die Bauunternehmer nicht persönlich erreichbar, da sie sich gerade in Betriebsurlaub befinden. Allerdings gibt es eine Presseinformation der rw konzept GmbH aus Köln, die mit der Pressebetreuung beauftragt wurde.

Rechtsanwalt aus Bad Kötzting zum Insolvenzverwalter ernannt

Laut dieser Mitteilung hat das Amtsgericht Amberg Rechtsanwalt Michael Burkert aus Bad Kötzting zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Burkert habe laut Presseinfo als Insolvenzverwalter und Sachwalter diverse Sanierungsverfahren nationaler und internationaler Unternehmen sowie von Firmengruppen in unterschiedlichen Funktionen begleitet.

Gemeinsam mit der Geschäftsführung der Scheffer Bauunternehmen GmbH werde der Rechtsanwalt aus Bad Kötzting den Geschäftsbetrieb fortführen. Das 2001 von Alexander Scheffer gegründete Bauunternehmen wird seit 2014 gemeinsam von seinen beiden Kindern Ina und Paul Scheffer geleitet.

Die Mitarbeiter der Schwandorfer Firma bräuchten sich keine Sorgen zu machen, die Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld gesichert. Sie wurden bereits über die aktuelle Situation informiert.

Laufende Projekte werden fortsetzen

Die laufenden Bauprojekte werden uneingeschränkt fortgeführt, heißt es in der Presseinfo. Dazu gehört laut den Angaben auf der Internetseite der Scheffer Bauunternehmen GmbH nicht nur das Neunburger Projekt, sondern beispielsweise auch ein Bauvorhaben in Amberg.

Bei einem ihrer Projekte habe die Firma laut Mitteilung einen kleineren Millionenbetrag Verlust gemacht. Grund dafür seien vor allem Zeitverzögerungen, die wegen des Corona-Lockdowns unvermeidbar waren, sowie deutliche Kostensteigerungen, die aufgrund bestehender Verträge nicht weitergegeben werden konnten.

Auf Nachfrage bei der rw konzept GmbH erklärt Kommunikationsberater Holger Voskuhl, dass es für die geplanten acht Eigentumswohnungen in Neunburg keine Kaufabschlüsse gegeben habe. Die Planungen werden deshalb auf Mietwohnungen und geförderten Wohnraum umgestellt. Diese Umplanung werde einige Monate dauern. Der Baustart für das 2,5-Millionen-Euro-Projekt wird nach dieser Aussage also keinesfalls im Herbst erfolgen.

Bürgermeister ist von Insolvenz überrascht

Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) ist von der Insolvenz der Scheffer Bauunternehmen GmbH „echt überrascht“. Er habe sich mit dem Schwandorfer Bauunternehmer öfter abgestimmt, da die Vorbereitungen für das Projekt bereits eine Zeit lang laufen würden. Birner habe Paul Scheffer als sehr zuvorkommenden und kompromissbereiten Unternehmer kennengelernt, der bei ihm einen absolut seriösen Eindruck hinterlassen habe.

In der Stadt sei man froh gewesen, dass ein Investor die seit Jahrzehnten brachliegende Fläche bebauen wolle. Das Vorhaben der Scheffer Bauunternehmen GmbH stieß deshalb auf offene Ohren bei der Stadt. Die Verwaltung habe uneingeschränkte Unterstützung in Sachen Genehmigung und Erschließung geleistet. Für das Grundstück existiere inzwischen Baurecht, so Birner.

Die Stadt Neunburg habe nach der Insolvenz des Schwandorfer Bauunternehmens selbst kein Interesse, die Fläche zu erwerben und dafür andere Bauinteressenten zu suchen. An einem anderen Standort sähe dies vielleicht anders aus, meint Birner.

Wieder wettbewerbsfähig werden

Für private Häuslebauer sei der Bau eines Eigenheims auf dem Gelände aufgrund der relativ steilen Hanglage nicht zu stemmen, findet der Bürgermeister. Er glaubt, dass nur ein größerer Investor dort ein Bauvorhaben realisieren könne. Dieser müsste sich gegebenenfalls mit der Scheffer Bauunternehmen GmbH einig werden. Die Stadt Neunburg werde dies aber nicht befördern, stellt Birner klar. Man wolle abwarten, wie sich das Projekt weiterentwickelt, meint der Rathauschef.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Bauprojekt in Neunburg doch noch realisiert wird. Zumindest sieht Insolvenzverwalter Burkert Chancen, eine gute Lösung für Scheffer zu erzielen. Nach ersten Gesprächen mit der Geschäftsführung und einer ersten Sichtung der Zahlen und Daten des Unternehmens sei er optimistisch, das Bauunternehmen über ein Insolvenzverfahren restrukturieren und wieder wettbewerbsfähig aufstellen zu können.

„Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren durch zahlreiche erfolgreiche Projekte Respekt und einen seriösen Namen in der Branche erarbeitet“, teilt Michael Burkert mit.

Er werde in den kommenden Wochen verschiedene Sanierungsoptionen prüfen. Konkrete Aussagen zu einem möglichen Konzept könnten zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht getroffen werden. Der Rechtsanwalt habe nach eigener Aussage bereits erste Interessensbekundungen potenzieller Investoren erhalten. „Das ist aufgrund der schwierigen Situation der gesamten Baubranche ein positives Signal für Scheffer“, sagt Burkert.