Petra Högl macht Wahlkampf in Kelheim: Auch Heimspiele muss man spielen

Petra Högl (52) macht Wahlkampf in Kelheim. Sie tritt heuer zum zweiten Mal als Direktkandidatin der CSU im Wahlkreis Kelheim an. Es ist Freitagabend auf einem Donauschiff, die Frauen- und die Senioren-Union im Kreis Kelheim haben eingeladen. Rund 200 Gäste sind gekommen, die meisten sind Senioren, viele in der CSU.
Högl steht am Mikrofon. Deutschland brauche jetzt dringend ein wirkungsvolles Wirtschaftspaket, sagt sie. Gerade für Handwerker und Mittelständler, die ja das Rückgrat der bayerischen und deutschen Wirtschaft seien. Und die Ampel in Berlin? Legalisiere stattdessen Cannabis. Applaus brandet auf. Drogen erlauben – das gefällt den eingesessenen Kelheimern hier nicht.
Hier finden Sie alle Direktkandidaten aus dem Wahlkreis Kelheim auf einen Blick
Es ist eine der wenigen Spitzen, die Högl an diesem Abend setzen wird. Später sagt sie in einem Gespräch mit unserer Zeitung, dass aus Berlin die falschen Signale an die bayerische Landwirtschaft kommen – prompt zuckt sie zusammen und rudert zurück: „Aber bitte, das soll kein Ampel-Bashing sein.“
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Den größten Teil ihrer Rede liest Högl vom Blatt ab. Es geht unter anderem um die Bedeutung des Ehrenamtes und die Förderung von Familien, beispielsweise durch das Landespflegegeld. Das habe die CSU eingeführt und nun würden die Grünen es am liebsten wieder abschaffen, sagt Högl. Außerdem spricht sie über Gesundheitsversorgung, Fachkräfte, die Heimat, den ländlichen Raum, Hopfen und Spargel. Nach Högl sprechen Niklas Neumeyer (31), CSU-Listenkandidat für den Landtag und Hannelore Langwieser (69), Direktkandidatin für den Bezirkstag von Niederbayern, der heuer ebenfalls neu gewählt wird.
Das Podium steht wegen der Sound-Anlage im Unterdeck, aber ein Großteil der Gäste sitzt oben in der Sonne bei Currywurst, O-Saft-Schorle und Eiskaffee. Die Reden sind durch die Lautsprecher nicht gut zu verstehen. Es scheint ohnehin kaum jemand zuzuhören.
Man ist wohl auch nicht gekommen, um sich ein paar Schlagworte aus dem Wahlprogramm anzuhören. Lisa Gerhart (30) etwa, Vorsitzende der CSU Aiglsbach, hat es eh schon gelesen. Sie ist gekommen, weil sie durch ihre Anwesenheit Unterstützung für Högl zeigen will. „Petra Högl ist sehr sympathisch“, sagt Gerhart. „Sie vertritt, was sie ausspricht.“ Außerdem sei sie oft vor Ort im Landkreis unterwegs, fügt Gerharts Freundin Anja Schmid (40) aus Essing hinzu.
Aber was bringt eine Wahlkampfveranstaltung vor lauter CSU-Mitgliedern? Manche Gäste wie die Seniorin Franziska Harrieder (81) und ihre Freundinnen waren schon in der CSU, als Högl noch ein kleines Mädchen war. Warum bemüht man sich um Leute, die einen ohnehin wählen dürften?
Das sei erstens gar nicht so klar, wie man meinen könnte, sagt Gerhart. Und: Bei der Wahlkampfveranstaltung gehe es eher darum, der Basis das Gefühl zu geben, gesehen zu werden.
Auch die Basis will mitgenommen werden
Gut, aber was ist mit den jungen Leuten? Bei der Landtagswahl 2018 gaben laut Statistik Bayern gerade einmal 24,5 Prozent der 18- bis 25-Jährigen ihre Erststimme der CSU. Insgesamt erhielt sie 35,5 Prozent der Erststimmen. Wäre es nicht sinnvoller zu versuchen, junge Wähler zu erreichen? Gerhart sieht das anders: Heute ist nunmal ein Konzept für ältere Leute dran. Junge Menschen erreiche man an anderen Tagen mit anderen Formaten. Högl bestätigt das. Mit der Jungen Union habe sie beispielsweise eine Forstwanderung gemacht und es gebe lockere Gesprächsrunden für junge Leute. Nach den Reden macht Högl die Runde, schüttelt Hände, unterschreibt Autogrammkarten und hört sich die Sorgen der Leute an. Thema Nummer eins ist bei vielen Gästen immer noch, ob sie ihre Holzheizung weiterbetreiben können.
Andere treibt die Frage um, wie es in der Landwirtschaft weitergeht oder ob man einen Pflegeplatz für die Mama findet. Franziska Harrieder sagt unserer Zeitung, sie habe Angst vor der AfD. Högl lächelt, hört sich die Probleme an und sagt, man sei dran.
Es gehe darum, mit CSU-Mitgliedern ins Gespräch zu kommen, sich Anregungen und Lösungsvorschläge anzuhören, sagt Högl. Denn: Die CSU-Mitglieder seien in erster Linie Bürger.
Ja, es ist ein Heimspiel. Aber − das wird an diesem Abend klar – auch die muss man spielen.
Die CSU-Kandidaten im Wahlkreis Kelheim:
Landtag: Petra Högl ist seit 2018 als Direktkandidatin für den Wahlkreis Kelheim im Bayerischen Landtag. Die Landwirtin wohnt in Dietrichsdorf bei Volkenschwand. Sie ist CSU-Kreisvorsitzende und Kreisrätin. Niklas Neumeyer tritt auf Listenplatz 110 für den Landtag an. Er wohnt in Abensberg, ist Pressesprecher der Kreissparkasse Kelheim,
Stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender, Kreisrat,
Vorsitzender der Jungen Union im Landkreis, Stadtrat sowie Kultur- und Jugendreferent der Stadt Abensberg.
Bezirkstag: Hannelore Langwieser tritt als Direktkandidatin für den Bezirkstag Niederbayern an, dem sie seit 2003 angehört. Die Hauswirtschaftsmeisterin aus Mainburg ist Kreisrätin und zweite Bürgermeisterin und Stadträtin der Stadt Mainburg. Andreas Diermeier (38) tritt auf Listenplatz 117 für den Bezirkstag an. Er ist Stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender, Kreisrat und wohnt in Peising bei Bad Abbach.
Zur Landtagswahl berichten wir bis Mitte August über je eine Wahlveranstaltung pro Kelheimer Direktkandidatin/-kandidat, sofern uns diese einen Veranstaltungstermin mitgeteilt hatten.

