Vier Frauen und fünf Männer wollen das Kelheim-Ticket nach München buchen

Von Martina Hutzler · 22. Mai 2023 um 19:00

Kelheim. Die Parteien haben ihre Galionsfiguren nominiert: Wir stellen heute die vier Kandidatinnen und fünf Kandidaten vor, die am 8. Oktober das Kelheimer Landtags-Direktmandat erringen wollen.

Dem Stimmkreis Kelheim – deckungsgleich mit dem Landkreis – steht ein Direktmandat im Maximilianeum zu. Aktuell hat es die CSU-Politikerin Petra Högl inne. Aus der Stadt Kelheim stammt derzeit ein zweiter Volksvertreter: Alt-Landrat Hubert Faltermeier. Der Freie Wähler-Politiker tritt allerdings im Herbst nicht mehr an.

Die CSU setzt auf Amtsinhaberin Petra Högl

2018 erstmals in den Landtag gewählt, strebt Petra Högl erneut das Direktmandat an. Wenn es mit einem guten prozentualen Ergebnis verknüpft wäre – umso besser, „aber ich setzte mir da keine Marke“, so die 52-Jährige. Ihr Wahlkampf läuft derzeit an, mit „ersten Infoständen“. Auf Stände, Plakate und einige „klassische“ Wahlveranstaltungen vor Ort, auch mit „Polit-Prominenz“, setzt die neue CSU-Kreisvorsitzende aus Volkenschwand dann in der heißen Phase. Sie plant thematische und zielgruppen-orientierte Veranstaltungen; insbesondere auch zu Sozial- und Agrarpolitik: Das nennt die gelernte Hauswirtschafterin und frühere Verwalterin der familieneigenen Landwirtschaft als ihre inhaltlichen Schwerpunkte. Aber auch Energiepolitik sei „ein großes Thema bei den Menschen“.

Digital setzt die verheiratete Mutter von vier Kindern auf die Socials Facebook und Instagram. Auch mit regelmäßigen Status-Meldungen im WhatsApp-Account „erreicht man viele“ – im Gegensatz zu Twitter hier im Landkreis.

Grüne nominieren Betriebsingenieur

Der Einzug in den Landtag wäre Daniel Elsner am liebsten, aber er freue sich „über jede Stimme im Landkreis“ für sich und die Grünen. Deren aktuelles Hauptthema sei „definitiv“ auch sein Schwerpunkt: „eine sozial nachhaltige, regenerative Energieversorgung“ – für Privatleute ebenso wie für die Industrie, ergänzt der studierte Betriebsingenieur von Kelheim Fibres. Als Kelheimer FFW-Vorstandsmitglied sind dem 36-Jährigen auch das Ehrenamt und dessen Vereinfachung durch Digitalisierung wichtig, ferner die Mobilität im ländlichen Raum.

Diese Themen will der Kelheimwinzerer mit dem Kreis-Vorstandsteam per „hybridem Wahlkampf“ unters Volk bringen: klassisch mit Infoständen und Flyern, sowie online, mit der „im Aufbau befindlichen“ Homepage, auf Facebook und auf Instagram. Veranstaltungen mit Parteipromis sind noch in Planung, ergänzt der verheiratete Vater zweier Kinder.

Freie Wähler hoffen auf Faltermeier-Nachfolge

Der Wirtschaftsempfang mit Vize-Ministerpräsident Aiwanger war quasi der Wahlkampf-Startschuss für den Freie-Wähler-Kandidaten Dennis Diermeier. Wenig Hoffnungen macht er sich, der CSU das Direktmandat abzuluchsen. Aber der 32-Jährige will, nach dem Vorbild seines Kandidaten-Vorgängers Faltermeier, 20 bis 25 Prozent der Stimmen holen und via FW-Liste in den Landtag einziehen.

Dazu planen die FW Wahlveranstaltungen in allen 24 Landkreis-Gemeinden und „zwei, drei Highlights“ mit Aiwanger und FW-Umweltminister Glauber. Online setzt der verheiratete Betriebswirt auf Facebook, Instagram und die „fast fertige“ Homepage; Flyer und Plakate seien aber ähnlich wichtig. Der Kelheimer Vize-Bürgermeister, der in Saxberg und Kelheim wohnt, will als erklärter Gegner von Seilbahn, „Kexi“ und autonomen Bussen seine Pläne für Mobilität im ländlichen Raum thematisieren, die Energieversorgung in der Region und das Ehrenamt. „Auch das Thema Krankenhäuser bewegt viele“, beobachtet der Regionalleiter einer gesetzlichen Krankenversicherung.

Abensbergerin will für SPD Boden gut machen

Auf „Qualität vor Quantität“ im Wahlkampf setzt SPD-Direktkandidatin Luisa Haag – auch notgedrungen: Als Gymnasiallehrerin derzeit im Kreis Fürstenfeldbruck eingesetzt, muss die ledige 28-Jährige mit Wohnsitzen in München und Abensberg ihre Termine im Kreis Kelheim gut planen. „Einige wenige, gut durchdachte Wahlveranstaltungen“ will die SPD-Kreisvorsitzende mit ihrem Vorstandsteam realisieren. Wenn möglich mit Prominenz aus Bund und Land sowie mit „Themen, die zu mir passen“. Das ist bei ihr als Pädagogin zuvorderst die Bildung, von der Kita bis zur Hochschule. Im ländlichen Kreis Kelheim sei „aber auch das Thema ÖPNV wahnsinnig wichtig“. Und um die Energiepolitik „kommt man ja gar nicht drum rum“, ergänzt sie. Das gilt auch für den Online-Wahlkampf, für den sie vor allem Instagram, auch Facebook und Twitter nutzt. Die „klassischen“ Mittel wie Plakate will sie aufpeppen, um auch Jüngere anzusprechen.

Mit all dem hofft sie ihre persönlichen Wahl-Ziele zu erreichen: im Idealfall ein zweistelliges Prozent-Ergebnis – vor allem aber „ein besseres als die AfD!“

Wildenberger Kreisrat tritt für die AfD an

Parteiveranstaltungen seien beim AfD-Kreisverband noch nicht geplant, so ihr Direktkandidat Christian Breu; aber wie die anderen Parteien auch will die AfD den Gillamoos-Montag nutzen und dazu „einen Redner aus der Bundespolitik“ nach Abensberg holen. Ansonsten werde man auf Infostände und Plakate setzen, so der 60-Jährige.

Auch seine Themen-Schwerpunkte im Wahlkampf will der Wildenberger erst später festlegen, „ich bin noch völlig offen für alles“. Das Thema „Rente und drohende Rentnerarmut“ sei aber „mein persönliches Anliegen“, ergänzt der in der chemischen Industrie tätige Industriemeister. Gegen die CSU habe die AfD in Bayern wenig Chancen, aber „12, 13 Prozent und mehr dürften für uns drin sein“, nennt er sein Wahlziel.

Jung-Liberale ist Kandidatin bei der FDP

Am 20. Juli in Abensberg geht’s los mit der „heißen Wahlkampf-Phase“ der Kelheimer Kreis-FDP. Nicht nur das steht für Direktkandidatin Eva Keil schon fest, sondern auch ihre drei „Herzens-Themen“: Landwirtschaft, Bildung und psychische Gesundheit. Die 22-Jährige stammt nämlich aus einem Bauernhof in Biberg (Kreis Landshut), ist gelernte Erzieherin und hat mit der Arbeit in einer heilpädagogischen Tagesstätte sowie jetzt als Psychologie-Studentin realisiert, wie wichtig psychische Stabilität ist.

Wohnhaft in Rohr, will Eva Keil mit dem FDP-Kreisteam Infostände in allen 24 Kreis-Gemeinden durchziehen, dazu thematische Veranstaltungen, etwa zur Agrarpolitik. „Rausgehen und persönlich überzeugen“ ist für sie ebenso wichtig wie klassische Medien und die Social Media-Kanäle auf Instagram, mit Insta-Live-Videos, sowie Facebook. All das trage hoffentlich dazu bei, „unsere elfköpfige Landtags-Truppe zu verstärken“ – vielleicht auch mit ihr als Listenkandidatin; und vielleicht sogar mit der FDP in der Regierungsverantwortung.

Aus Rohr für die Bayernpartei am Start

„Nichts ist unmöglich“, lautet Florian Geisenfelders Devise in Bezug auf einen Landtags-Einzug seiner Bayernpartei. Der Rohrer Bäckermeister (31) will – vorrangig an Infoständen – mit der Forderung nach einer „bürgerbezogenen Politik mit mehr Volksentscheiden und weniger Bürokratie“ in den Wahlkampf ziehen, dazu einer Abkehr von der aktuellen Energiepolitik hin zu regionaler Energieversorgung, die vor allem auf Windkraft basieren soll.

Physiker will der ÖDP über Fünf-Prozent-Hürde helfen

Die Fünf-Prozent-Hürde zu nehmen, sei erklärtes Ziel der ÖDP und damit auch seines, sagt Kelheims ÖDP-Direktkandidat Ralf Schramm. Sein persönlicher Schwerpunkt sei indes „der Einfluss der Lobbyisten auf die Politik – das größte Übel, das ich kenne“, so der Physiker aus Attenhofen, der außerdem den Grundwasserschutz thematisieren will. Bei Infoständen ebenso wie auf Veranstaltungen.

Aus Ergolding für Kelheim und die Links-Partei

Für Die Linke tritt Mascha Buchwald aus Ergolding in Kelheim an. Die Kinderpflegerin studiert jetzt Soziale Arbeit und hat aus dieser Vita das „reformbedürftige Schulsystem“ Bayerns als einen Schwerpunkte gewählt, sowie bessere Arbeitsbedingungen für Alleinerziehende. Bis zur heißen Wahlkampf-Phase im September will die 24-Jährige „dann doch mal“ ihre Skepsis überwinden und Social Media nutzen. Ihr Ziel: Die Linke als Oppositionspartei bekannter zu machen.

Infos rund um die Landtagswahl am 8. Oktober

Wer wird gewählt: Dem Landkreis (= Stimmkreis) Kelheim steht ein Landtags-Direktmandat zu. Darum bewerben sich neun Kandidat/innen. Deren Parteien treten auch jeweils mit einer Liste im Wahlkreis Niederbayern an, dem neun Listen-Mandate zustehen. Laut Hochrechnung des Landratsamts vom November sind im Kreis Kelheim rund 89.300 Menschen wahlberechtigt.

Listenkandidat/innen aus dem Kreis Kelheim: CSU: Petra Högl (Platz 4), Niklas Neumeyer (10); FW: Dennis Diermeier (5), Katharina Schweigard (12); Grüne: Daniel Elsner (10), Stephan Daniel (12); SPD: Luisa Haag (5); FDP: Eva Keil (2), Felicitas Knoll (12); AfD: Christian Breu (8); ÖDP: Bernd Wimmer (7), Ralf Schramm (9); Bayernpartei: Florian Geisenfelder (4), Christian Binder (12), Martin Schmidmeier (16), Karl Geisenfelder (18). Die Linke stellt ihre Liste erst im Juni auf.

Wer wählt wie: Jeder Wähler hat eine Erst- und eine Zweitstimme. Diese zusammengezählt, ergibt für jede Partei die Gesamtstimmen-Zahl. Daraus wird pro Wahlkreis (= Regierungsbezirk) ermittelt, wie viele Landtagssitze der Partei zustehen – vorausgesetzt, ihre Gesamtstimmen-Zahl liegt bayernweit über 5%.

Aktuell: Im jetzigen Landtag hat die CSU 82 Sitze, die Grünen 38, die FW 27, die SPD 21, die AfD 17, die FDP 12. Acht MdLs sind fraktionslos.

Petra Högl (CSU)
Luisa Haag (SPD)
Eva Keil (SPD)
Florian Geisenfelder (Bayernpartei)
Ralf Schramm (ÖDP)
Mascha Buchwald (Die Linke)
Daniel Elsner (Grüne)
Dennis Diermeier (Freie Wähler)f
Christian Breu (AfD)