Weniger Stoff, mehr Haut: Auf diese Trends setzen Bräute in und um Regensburg

Von Marion Neumann · 17. August 2023 um 10:00

Ob A-Linie mit ausgestelltem Rock, figurbetonter Fit and Flare-Schnitt oder opulente Prinzessinnenrobe: Simone Dengel hat sie alle. In ihrem Brautmodenladen Fräulein TrauDich in Regensburg in der Frankenstraße lagern mehr als 250 Brautkleider, die auf ihren Einsatz warten.

Die Inhaberin, die das Geschäft vor zehn Jahren eröffnete, hat im Laufe der Zeit schon einige Trends kommen und gehen sehen. „Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass die Regensburgerinnen nicht sofort mit dem Trend gehen. Man ist einen Tick weiter hinten – ungefähr ein Jahr“, erklärt sie.

Das liege aber nicht daran, dass Bräute aus der Region nicht modebewusst seien. „Das ist nicht nur hier so. Erst, wenn es den Trend schon gibt, tauchen Bilder davon in den sozialen Medien auf – und erst durch Fotos auf Instagram oder Pinterest werden die Kleider nachgefragt. Das dauert eine Saison oder zwei“, sagt sie.

Aktuell seien freizügige Modelle mit tiefen Ausschnitten und transparenten Stoffen angesagt. Ein Brautkleid-Trend, den es vor einigen Jahren definitiv noch nicht gab. „In der jetzigen Kollektion geht der Ausschnitt bis zum Bauchnabel runter“, sagt Dengel.

Partyoutfit statt reines Steh-Kleid

Doch auch hier gilt: Die Regensburger Bräute mögen es nicht zu extravagant. „In Bayern ist man doch noch recht konservativ – gerade in den ländlicheren Regionen“, sagt sie. Das falle ihr beispielsweise bei Gesprächen auf Messen auf, welche die Inhaberin und ihre Kollegen drei bis viermal im Jahr besuchen. „Wenn man sich mit Leuten aus Berlin unterhält, zeigt sich schon, dass die ein ganz anderes Einkaufsverhalten haben. Da geht es dann teilweise mehr in Richtung türkische Hochzeit: sehr pompös und mit viel Glitzer.“

Auch abseits von tiefen Ausschnitten und transparenten Stoffen stellt Dengel Veränderungen in der Hochzeitsmode fest. „Früher gab es mehr harte Tüllstoffe. Heute sind die Kleider aus fließenden Materialen“, sagt sie. Generell würden Bräute bei der Stoffwahl mehr auf Komfort als nur auf das Aussehen achten. „Das Kleid soll bequem und partytauglich sein – kein reines Steh-Kleid.“

Nachhaltigkeit spiele bei den Kaufüberlegungen ebenfalls vermehrt eine Rolle. „Viele Bräute wollen ihr Kleid auch später noch einmal anziehen. Deshalb sind Zweiteiler mit Oberteil und Rock gefragt, die man wieder tragen kann“, sagt die Inhaberin. Etwa eine von zwanzig Bräuten entscheide sich außerdem für einen Braut-Jumpsuit – also einem Einteiler mit Hose – statt einem Kleid.

Der Preis bleibt nahezu gleich

Während sich die Hochzeitsmode stetig im Wandel der Zeit befindet, habe sich am Preis im Übrigen wenig geändert. „Wenn mich vor zehn Jahren jemand nach dem durchschnittlichen Preis für ein Kleid gefragt hätte, hätte ich wahrscheinlich 1300 bis 1500 Euro gesagt. Heute würde ich 1700 bis 1800 sagen“, erklärt sie.

Dass die Bräute in dieser Saison auf leichtere Kleider setzen, kann Stefanie von Känel bestätigen: „Es muss nicht mehr immer das große Prinzessinnenkleid mit Reifrock sein.“ Im Brautlädchen Regensburg in der Illerstraße verkauft sie seit 2019 Secondhand-Kleider und bietet im „Herz über Kopf Bridalconceptstore“ zudem neue Modelle an. „Wir führen rund 100 Secondhand- und 200 neue Brautkleider“, sagt sie.

Für ein gebrauchtes Modell würden sich Bräute immer öfter nicht nur wegen der Nachhaltigkeit, sondern auch aus finanziellen Gründen entscheiden. „Hochzeiten werden insgesamt teurer“, so von Känel, „mit einem Secondhand-Kleid lässt sich etwa die Hälfte des Neupreises sparen.“

Wie Simone Dengel, bestätigt auch von Känel, dass die Hochzeitsmode freizügerer geworden ist. „Weniger Stoff, mehr Haut“, beschreibt sie den Trend. Außerdem würden Bräute statt auf Raffungen und Tattoo-Spitze – Trends, die vor ein paar Jahren beliebt waren – nach floralem Spitzenelementen und 3-D-Blumen fragen.

Schlichte Modelle mit Beinschlitz

Bei Stephanie Hoch, Geschäftsführerin des Brautmodenladens DreamOnDresses in Lappersdorf, ist die Nachfrage nach romantischen Kleidern mit blumiger Spitze ebenfalls groß. Was sie noch bemerkt, ist, dass wieder vermehrt Brautkleider mit Glitzer in Mode kommen. „Das war jahrelang ein Tabu. Aber jetzt kommt der Glitzer zurück“, sagt sie.

Auch sogenannte Off-Shoulder-Kleider, welche die Schultern zeigen und nur Träger als „Deko“ haben, seien bei ihren Kundinnen beliebt.

Wie ihre Kolleginnen in der Stadt spricht Hoch, die insgesamt etwa 500 neue und Secondhandkleider im Angebot hat, vom Trend hin zu freizügigeren Modellen. Schlichte, minimalistische Kleider mit tiefen Beinschlitzen kämen gut an. „Von den Trends her nehmen wir uns zur Stadt nichts“, sagt sie, „da sind die Unterschiede nicht groß.“ Trotzdem fallen der Brautmoden-Expertin regionale Unterschiede auf. Beispielsweise würden auch Kundinnen aus Passau zur Anprobe kommen, da das Angebot dort „doch noch ein bisschen traditioneller“ sei.

Was die passenden Accessoires für das Outfit der Braut angeht, hat Hoch ebenfalls Empfehlungen. „Ein Schleier wird immer noch gerne getragen – oder auch ein Cape. Das lässt sich zu fast jedem Kleid hinzufügen und funktioniert gut als Schleierersatz.“

Secondhand-Modelle bietet Stefanie von Känel an.