So nehmen Lebensmittelüberwacher das Jura-Volksfest in Neumarkt unter die Lupe

Von Petra Schlierf · 16. August 2023 um 12:00

„Wir kommen immer unangemeldet“, sagt Roland Ehrnsberger. Über solche Gäste freut sich nicht jeder – schon gar nicht, wenn sie ganz genau in alle Ecken schauen. Roland Ehrnsberger und Matthias Plank machen das von Berufs wegen. Sie sind Lebensmittelüberwacher beim Jura-Volksfest in Neumarkt.

Für die Gastronomen beim Volksfest hält sich die Überraschung über den Besuch der Lebensmittelkontrolleure aber in aller Regel in Grenzen, denn sie wissen: Irgendwann kommt das Duo vom Landratsamt immer vorbei. „Die erwarten uns eigentlich. Nur wann wir kommen, soll eben keiner wissen, damit wir ein realistisches Bild von den Abläufen bekommen“, betont Ehrnsberger.

Und da kann es vorkommen, dass die ersten Kontrollen schon Tage vor dem Fest stattfinden, erklärt Matthias Plank: „Beim Volksfest haben wir beim Aufbau kontrolliert, ob lebensmittelechte Trinkwasserschläuche verlegt worden sind.“ So etwas wie eine Freigabe erteilen die Kontrolleure aber nicht, betont Ehrnsberger: „Grundsätzlich ist jeder Unternehmer selbst dafür verantwortlich, dass alles passt.“

Mobile Betreiber werden deutlich häufiger kontrolliert

Bei einer Kontrolle arbeiten die Prüfer von außen nach innen. Zuerst sehen sie sich beispielsweise an, ob die Kennzeichnung der Zusatzstoffe passt, die in der Regal an den Verkaufsständen angebracht sind. Wenn sich Ehrensberger und Plank in der Schlange der Kunden hinten anstellen müssen, nutzen sie die Wartezeit und halten die Augen offen. „Man bekommt da zum Beispiel mit, ob sich das Personal die Hände wäscht“, erklärt Plank.

Ein wesentliches Element der Prüfung ist der bauliche Aspekt. Ist alles leicht zu reinigen? Gibt es überall einen Spuckschutz, um die Waren vor den Besuchern abzuschirmen? Ist der Vorbereitungsraum überdacht? Probleme gibt es in diesem Bereich selten, sagen die beiden, denn die Vorschriften gelten EU-weit. Allerdings legen nicht alle Behörden die Vorgaben gleich streng aus. „Neumarkt liegt da im Mittelfeld“, schätzt Ehrnsberger.

Doch auch die Neumarkter können hartnäckig sein, wenn sie einen Mangel feststellen. Dann kommen sie einige Tage später wieder und kontrollieren nach. Auch Unterlagen wie Lieferscheine und Temperaturaufzeichnungen werden unter die Lupe genommen.

Grundsätzlich sei der Umgang der Volksfest-Gastronomen mit ihren Lebensmitteln sehr lobenswert, betont das Duo. Mängel stellen sie selten fest. Und das sei auch gar nicht so verwunderlich, erklärt Plank, denn: „Sie werden nicht einmal im Jahr kontrolliert, sondern vermutlich 20 Mal. Eben immer, wenn sie irgendwo ihren Stand aufbauen.“

Das Interessante am Volksfest sei, dass die Anbieter immer wieder neue Produkte auf den Markt bringen, zum Beispiel wenn jemand Kartoffelchips selbst frittiert. Da schlage vielleicht die Liebe der Kontrolleure zu ihrem Handwerk durch, denn alle sind ursprünglich Meister in einem Lebensmittel-Handwerk, meist Metzger.

Proben von Eis und Chips gehen ins Labor

Steter Begleiter der Kontrolleure sind neben ihrer Messausrüstung auch eine Kühltasche, in denen sie Proben aufbewahren. Die nehmen sie von Zutaten oder Produkten, die manchmal nicht deklarierte Bestandteile enthalten oder leicht verderblich sind, zum Beispiel von Eis, rohem Schaschlik, Soßen oder von Chips, die auf Acrylamid untersucht werden. Die Auswertung beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit kann bis zu zwei Wochen dauern. Doch auch hier seien äußerst wenige Proben auffällig – unabhängig vom Volksfest.

Hygienisch dürfe es übrigens keinen Unterschied machen, ob ein Lebensmittel im Lokal zubereitet und verkauft wird oder an einem Stand beim Volksfest. Und dank moderner Technik sei das trotz hochsommerlicher Hitze längst kein Problem mehr, erklärt Roland Ehrnsberger: „Jeder hat seinen Kühlanhänger oder Kühlschränke, wo er seine Waren bei maximal sieben Grad lagert. Während der Verarbeitung dürfen die Lebensmittel kurzfristig auch etwas wärmer werden. Das, was gleich in den Verkauf geht, wäre mit sieben Grad sowieso viel zu kalt zum Essen.“

Wirklich schwere Mängel oder gar Betriebsschließungen seien im gesamten Landkreis übrigens sehr selten, sagen beide. Auch dass sie Lebensmittel entsorgen müssen, komme nicht oft vor. Deswegen gehen sie auch privat guten Gewissens ins Restaurant, verrät Ehrnsberger: „Wenn man sich irgendwo wirklich Sorgen machen müsste, dann wäre der Betrieb gar nicht mehr geöffnet.“