Fingerfertiger Einsatz in Geigant und Waldmünchen zu Ehren Mariens

Von Petra Schoplocher · 14. August 2023 um 19:00

Die Frauenhände fliegen nur so über Kräuter und Blumen. Ein Beifuß hier, eine Kamille da, die Königskerze als Mittelpunkt stets im Blick. Der Duft: entsprechend betörend. Mit ein Grund, warum der Tag vor Mariä Himmelfahrt für Monika Hammerlindl ein besonderer ist. Das Kräuterbuschen-Binden steht an – und dies ist weit mehr als ein Punkt im Jahresprogramm des Waldmünchner Frauenbunds.

„Das ist einer der schönsten Termine , betont die Vorsitzende. Aus vielerlei Gründen: Das Gemeinschaftserlebnis – bis zu drei Stunden sind die Frauen im Gaubaldhaus beschäftigt. Das Wahren einer christlichen Tradition. (Stille) Zeichen der Unterstützung: Wenn die Gruppe eintrifft, stehen Jahr für Jahr schon Wannen und Eimer voller Pflanzen vor der Tür. „Das ist Wahnsinn“, anerkennt Monika Hammerlindl das Engagement und Bewusstsein.

Im Mittelpunkt for Königskerze

Wie auf Kommando klopft es an der Tür. Eine neue Lieferung trifft ein, Königskerzen inklusive. „Dann müssen wir jetzt da nicht mehr sparen“, vermelden die Erfahrenen. Viele von ihnen sind seit Jahrzehnten dabei. Beim Binden, und Sammel n tags zuvor – im Garten oder in der Natur.

Jedes Stück ein Unikat

Jeder Buschen ist ein Unikat: Größe, Zusammensetzung, Arrangement. „Gar nicht so schwierig“, sagt eine, die das erste Mal mit von der Partie ist, und ergänzt: „Ein schönes Miteinander“. Unbewusst unterstreicht sie damit das, was Monika Hammerlindl wichtig ist: Es geht nicht um Akkord-Arbeit („Wenn jemand nur zwei oder drei macht oder nur eine Stunde Zeit hat, alles kein Problem“) sondern um gemeinsame Zeit – idealerweise unter übereinstimmendem (Glaubens)Dach.

Buschen gehören ins Haus

Hammerlindl hat rund um den Verkauf interessante Erfahrungen gemacht. Da sind die, die nach dem Gottesdienst Sträuße nach Farbtönen entsprechend der Wohnung aussuchen. Und die, für die die Größe entscheidend ist – schließlich finden die Buschen an Kreuzen oder Marienstatuen Platz. Zuletzt sind da die, die nach der Messe „nur“ vor der Kirche halten, rausspringen und einen erwerben. Die dreifache Mama sieht selbst das positiv: Den Menschen ist es wichtig, den Kräuterbuschen im Haus zu haben.

160 Buschen in Geigant

Das kann Anneliese Dirnberger nur bestätigen, in deren Hof die Geiganterinnen gestern rund 160 kleinere („das mögen die Leute hier lieber“) Buschen gebunden haben. Auch ihr liegt das Miteinander am Herzen. Bei der „Arbeit“ ist ihr heuer zudem ein wichtiger Gedanke gekommen: „Der liebe Gott lässt alles wachsen“, Menschen, Pflanzen, Tiere...

Kräuterkerze für den Altar

Während es die Waldmünchnerinnen vor Jahren aus Materialmangel aufgegeben haben, einen Kräuter-Altarschmuck zu gestalten, gibt es selbigen in Geigant noch. Oft steht die „Kerze“ sogar bis Erntedank.

Lesen Sie hier: Besondere Menschen, besonderes Engagement

Wegen des Brückentags hatte Anneliese Dirnberger, die die Aktion über den Besuchsdienst (dem der Erlös des Verkaufs für zwei Euro das Stück auch erhält) organisiert, heuer Bedenken, ob sich genügend Helferinnen einfinden würden. „Am Ende waren wir dann aber zwischendurch sogar 20“, freut sie sich, „aus der ganzen Pfarrei“.

Gemeinschafts-Erlebnis

Was ihr und auch Monika Hammerlindl gefällt: Durch die Aktion würden neben dem Frauentag und dem Brauch als solchem (Heil)Kräuter wieder mehr ins Bewusstsein gelangen. „Früher hatten sie ja nichts anderes.“ Und ein aufmerksamer und dankbarer Blick für die Schönheiten und Reichtümer der Natur schade sicher auch nicht. Mit einem Kräuterbuschen im Haus geht das sogar 365 Tage im Jahr.

Jahrtausendealtes Brauchtum

Überlieferung: Seit Jahrhunderten werden in Bayern zu Mariä Himmelfahrt Kräuterbuschen gebunden und im Gottesdienst geweiht.

Feiertag: Der Tag wird in der katholischen Kirche als Hochfest Marias Aufnahme in den Himmel seit dem 7. Jahrhundert gefeiert. In Kommunen mit überwiegend Katholiken ist er ein gesetzlicher Feiertag.

Hintergrund: Nach altem Volksglauben soll der geweihte Buschen vor Krankheiten und Katastrophen bewahren. Die Kirche übernahm den Gedanken (die Heilkraft kommt von Gott). Der 15. August erklärt sich, weil man der Legende nach Blumen und Kräuter statt einem Leichnam in Marias Grab fand.

Bestandteile: Der Buschen besteht aus mindestens sieben Kräutern, möglich sind bis 99.

Besonderheit: In Geigant wird eine Kräuterkerze gestaltet.
Bänder-Team: Die Buschen in Geigant erhalten schmucke Bänder. Sie werden für zwei Euro verkauft.
„Endabnahme“: Marianne Kowalski und der zwölfjährige Fabian binden die Buschen mit Bast zusammen. Insgesamt rund 150.
Selbst die Reste werden im Hof von Anneliese Dirnberger noch zu kleinen Sträußen verarbeitet.