Waldmünchen feiert bewegenden Gottesdienst: Mit dem Herzen in Indien

Von Petra Schoplocher · 1. August 2023 um 05:00

Schwer zu sagen, was bewegender gewesen ist: Die sehr persönlichen Worte von Pater Anish Jacob über seinen Vater. Das unter die Haut gehende indische Gebet für den im Juni Verstorbenen. Oder die Präsenz von über 20 Geistlichen, die gemeinsam mit dem Waldmünchner Pfarrvikar einen besonderen Gottesdienst feiern. Einen, den Waldmünchen so wohl noch nicht erlebt hat – und von dem eine Vielzahl Botschaften ausgehen.

24 Priester und Diakone, die meisten mit indischen Wurzeln, sind teils von weit her gekommen, um dem trauernden Sohn und Kollegen ihre Aufwartung zu machen und ihm Kraft zu spenden. Imposant ist indes nicht nur die Anzahl, sondern die Herzenswärme, mit der sie die Stadtpfarrkirche (mit) erfüllen. 41 Tage nach dem Tod von Chacko Varkey – an diesem Tag wird in Indien traditionell ein Gedenkgottesdienst für Verstorbene gefeiert.

Traditionelles Totengebet

Sie ist wesentlicher Bestandteils eines der Höhepunkte der Feier. Als Pater Anish am Ende mit seinen indischen Mitbrüdern ein traditionelles Totengebet in seiner Muttersprache Malayalam spricht/singt, vereinen sich alle Gefühle, keine(r) bleibt unberührt. Schmerz, Dankbarkeit, Verlust, Freude – und Zuversicht.

Zu dieser trägt maßgeblich Prediger Pater Joseph aus Kollnburg bei. In Anlehnung an die Lesung, in der von vielen Wohnungen im Hause Gottes die Rede ist, zeigt er sich überzeugt, dass der tief gläubige Vater von Pater Anish, ein ein Leben lang hart arbeitender Landwirt, dort einen schönen Platz finden werde.

Gebet als Brücke in die Ewigkeit

Der Geistliche mahnt, trotz aller Trauer, die Botschaften Gottes nicht zu vergessen. Liebe, Frieden; das Gebet als Brücke in die Ewigkeit. Zusammengefasst: „Gott ist das Ziel.“

Der knapp 89-Jährige habe Spuren der Liebe hinterlassen und sei seinen acht Kindern ein Vorbild in Glaube und Güte gewesen. „Bewahren wir die Liebe, die von seinem Herzen ausging.“ Pater Joseph ermutigt, dem Beispiel des Verstorbenen zu folgen und „auf Gottes Wort zu hören“.

Spürbare Freude

Diakon Alfons Eiber, neben dem Schwarzhofener Pfarrer Markus Urban (mit Waldmünchner Wurzeln) sowie Raimund Arnold aus Ast am Altar nahezu „deutscher Exot“, ergänzt wenig später begeistert: „Diese spürbare Freude des Gebets war einfach nur ansteckend.“ Wie ihm überhaupt imponiere, dass die Inder ganz offenbar die Menschen viel im Mittelpunkt sehen.

Trauer weicht Zutrauen

Tief berührt sind auch die Waldmünchner Gläubigen. „Ich hatte x-mal Gänsehaut“, sagt eine regelmäßige Gottesdienstbesucherin. „Ich bin so froh, dass ich das miterleben konnte“. Über die Trauer habe sich Zutrauen in Gott gelegt, „ein unbeschreibliches Gefühl“. Ein intensives Glaubenserlebnis, einem Menschen zu verdanken, den kaum einer gekannt hat.

„Ein Engel mehr“

Auch Pater Anish sagt zum Tod seines Vaters etwas, das unter die Haut geht: „Gott hat nun einen Engel mehr in seinem Reich.“ Er ist sichtlich bewegt ob der großen Zusprache von seinen Mitbrüder aus ganz Bayern und aus Reihen der Pfarrei. Der Brauch, der Gottesdienst gebe ihm fernab der Heimat Kraft und Zuversicht, sagt er sichtlich bewegt. „Es bedeutet mir sehr viel, dass sie alle da sind.“ Umso mehr, weil der 45-Jährige es nicht mehr rechtzeitig nach Indien schaffte, um seinen Vater vor dessen Tod noch einmal zu sehen. „Das macht mich traurig, es ist sehr schwer für mich, dass ich nicht da sein konnte.“

40 Tage gefastet

Trotz der Entfernung war die Verbindung zu seinem „geliebten Papa“ eng. So fiel es Pater Anish nicht schwer, mit seinen Geschwistern die Entscheidung für 40 Tage Fasten ab dem Todestag zu treffen. „Um Papas Seele zu ehren und ihm den Weg in den Himmel zu ebnen“, verdeutlicht der studierte Theologe und Philosoph. Das gemeinsame Essen mit seinen Mitbrüdern des Vincentinerordens und einigen weiteren Gästen nach dem Gottesdienst beendet die Fastenzeit am Montag – stilvoll und stimmig.

Trost gibt ihm zudem die Tatsache, dass sein altersschwacher Vater im Kreise von Familienmitgliedern friedlich gestorben sei, „so, wie sich das jeder wünscht“. Nach einer Familien-Mahlzeit sei er friedlich eingeschlafen, berichtet Pater Anish. „Aber ich brauche Ihnen sicher nicht erzählen, wie schmerzhaft es ist, ein geliebtes Elternteil zu verlieren.“

Lesen Sie hier: Die Rolle des Stadtpfarrers

Ganz oben auf der Liste derer, denen der Pfarrvikar dankt, steht „sein“ Stadtpfarrer Wolfgang Häupl. Er habe ihn sofort nach Indien reisen lassen und all seine Dienste übernommen. „Er war in der schweren Zeit eine große Hilfe.“

Welch‘ außergewöhnliches Ereignis der Gedenkgottesdienst in der Stadtpfarrkirche war, ließ sich nicht nur an der Zahl der über 20 Geistlichen ablesen. In den knapp acht Jahren, in denen Pater Anish nun in Deutschland ist, hat er erst ein einziges Mal selber an einer Messe dieser Art teilgenommen. Vor vier Jahren war die Mutter eines Kollegen gestorben. „Es war anrührend“, erzählt der Priester.

Wie jeder einzelne Momente des Gedenkgottesdienstes für Chako Varkey, einem offenbar besonderen Menschen.

Berührender Moment: Dem Segen folgte ein wunderbares indisches, gesungenes Totengebet für die Seele des Verstorbenen. Klänge wie diese dürfte die Stadtpfarrkirche selten erlebt haben.
Foto vor dem Altar: Auch für die Priesterkollegen war dies ein besonderer Tag.