Ex-Pfarrer hängt an seiner alten Heimat
Sehen kann man es durchs Telefon natürlich nicht, aber spüren: Immer wieder lächelt Pfarrer Ludwig Bumes, wenn er auf Waldmünchen zu sprechen kommt. Dabei sind es nun bald schon 20 Jahre, seit denen der Geistliche die Trenckstadt verlassen hat. Eng sind die Bande noch immer, gerade die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage sind Anlass für viele, sich bei ihm zu melden. Die Geschichte einer besonderen Verbindung.
Natürlich ist da die Kirchenrenovierung, die den mittlerweile 91-Jährige eng mit seiner letzten offiziellen Wirkungsstätte zusammenflicht. Deren Fertigstellung und Einweihung im Oktober 2001 bleiben ihm unvergessen und waren zusammen mit der Altarweihe im Juni 2002 mit Bischof Manfred Müller sicher einer der Höhepunkte der 17 Waldmünchner Jahre. Allerdings waren die teils mit großer Kraftanstrengung verbunden, schließlich bedeuteten die Koordination der Arbeiten und die erforderlichen Absprachen eine Menge Stress.
Wurzeln: Wirken:
Am 12. Februar 2022 wird Ludwig Bumes 92 Jahre alt. Aufgewachsen ist er mit drei Geschwistern am Lohhof bei Oberschneiding (heute Gemeinde Salching im Landkreis Straubing-Bogen). Nach der Grundschule wechselte er nach Straubing ans Gymnasium. Theologie studierte er in Regensburg.Am 29. Juni 1956 wurde Bumes im Dom zu Regensburg zum Priester geweiht, seine Primiz feierte er eine Woche später in seiner Heimatpfarrei Oberschneiding. Seine seelsorgerischen Stationen waren Saal an der Donau, Amberg, Lappersdorf und schließlich Waldmünchen. Dorthin kam er 1985 und dort ging er im September 2002, mit 72 Jahren, zumindest offiziell in den Ruhestand. Für seinen Lebensabend kehrte der Geistliche wieder in seine Heimatpfarrei Oberschneiding zurück.
Was Bumes im gleichen Atemzug erwähnt: das große Engagement der Kirchenverwaltung, die stets mitgezogen und ein schönes Miteinander geprägt hätte. Auch, dass es gelungen sei, manch anfänglichen Skeptiker zu überzeugen, bewahre er als positive Erinnerung. Wie auch die Dankbarkeit vieler Waldmünchner, die den Kontakt zu ihm gehalten hätten. Und halten, gerade in den Tagen rund um Weihnachten klingele immer wieder das Telefon, erzählt er.
Wenngleich „man als Priester nie in Pension geht, sondern immer Arbeit hat“, ist der 91-Jährige doch froh, von den Pflichten einer Pfarrei entbunden zu sein, zumal, wenn sie groß ist wie St. Stephan, zu der im Laufe seiner Zeit noch Herzogau hinzu kam. Nach Waldmünchen hatte er sich damals – sein Vorgänger Karl Stern war überraschend gestorben – bewusst beworben, erzählt er. „Weil′s da so schön ist.“ Was im übrigen immer noch gelte. Hin und wieder vermisse er Waldmünchen regelrecht.
Bumes weiß noch viel über Waldmünchen
Dass er noch soviel über seine frühere Heimat weiß, liegt zum einen an den persönlichen Kontakten, zum anderen an der täglichen Zeitungslektüre. „Doch, ich denke schon, dass ich noch auf dem Laufenden bin“, schmunzelt der 91-Jährige. Den Waldmünchnern wünscht er, dass sie weiterhin zusammenhalten, „dann geht es ihnen auch gut“.
„Man ist vom Kindergarten bis zu den Ministranten für alles verantwortlich“, meint er nachdenklich. Da sei es eine Wohltat, in seiner jetzigen (Heimat-)Pfarrei Oberschneiding „nur“ auszuhelfen. Was allerdings immer noch eine Menge „Arbeit“ bedeutet. Die Anführungszeichen, weil dem Priester vor allem die heilige Messe, die er jeden Mittwoch imAntoniusheimfeiert, selbst eine Bereicherung ist. Wie auch die Gespräche, die er mit den Bewohnern – insgesamt sind es an die 100 mit Hilfe- oder Pflegebedarf – „führen darf“.
Dort wird er auch am Heiligen Abend einen Gottesdienst zelebrieren, im Anschluss wird im Familienkreis bei Bumes’ jüngerem Bruder gefeiert und gemeinsam gebetet, nach Vorlagen, die die Diözese herausgegeben hat. „Das ist uns wichtig.“
Spezielle Essensrituale gibt und gab es indes nicht, erzählt der Priester.
Seine Mama war es zuhause, die am 24. Dezember den Baum schmückte, nach der Christmette, „aus der wir oft im Schnee nach Hause gestiefelt sind“, gab es Geschenke. „Die waren für uns Kinder damals das Wichtigste.“ Was in Anbetracht der damaligen (armen) Zeiten aber auch nicht verwunderlich sei. Ein neuer Pullover oder Socken, „das war schon was.“
Das sagt ein Weggefährte
Walter Urban war seit Januar 1983 Mitglied der Kirchenverwaltung und seit 9. Januar 2001 Kirchenpfleger, also ganz nah dran an Pfarrer Ludwig Bumes. Er erinnert sich: Der frühere Stadtpfarrer sei ein ruhiger Seelsorger gewesen, dem das Wohl seiner Pfarrangehörigen ein großes Anliegen war. „Bei Bauvorhaben und in der Liturgie brachte er seine Meinung aber schon mit Nachdruck ein“, ergänztUrban.
Die Kirchenrenovierung um die Jahrtausendwende profitierte von seinem umfangreichen Fachwissen und war ihm eine Herzensangelegenheit. Er blieb bis zum Ende der Bauphase im aktiven Dienst und hat deswegen sogar seinen Ruhestand um zwei Jahre hinausgeschoben. In den 17 Jahren seines Wirkens hat er seine Spuren hinterlassen.
Mit seiner persönlichen Situation ist Ludwig Bumes ist zufrieden. „Es ist schön, dass ich noch mithelfen und etwas bewegen kann.“ Sein Weihnachts- und Neujahrswunsch? „Dass ich gesund bleibe und weiter arbeiten kann.“ Sorgen bereitet ihm hingegen die Situation „seiner“ Kirche, allen voran der (teils pandemiebedingte) schlechter werdende Gottesdienstbesuch. Herausfordernd werde sicher die Einbindung von Laien in die Verantwortung. Die Kirche der Zukunft wird eine der Verantwortung aller Christen sein, ist der 91-Jährige überzeugt. „So kann man nicht weitermachen.“ Habe man dies begriffen, könnte man Corona als Gelegenheit sehen, neue Ideen zu entwickeln und einzubringen.
Eine andere Chance sieht Bumes im Gebet. Diese Verbindung zu Gott könne Kraft und Hoffnung geben. „Und von der können wir alle sicherlich einiges brauchen.“