Balkonkraftwerke boomen: So viel spart die Mini-Solaranlage

Balkonkraftwerke boomen. Sie spenden Strom für den Kühlschrank, den Computer, den Router. Wie sich die Solaranlagen vor dem Fenster rechnen, erklärt uns eine Regensburger Energieberaterin – und gibt weitere Tipps.
Hohe Strompreise, Inflation generell – in Zeiten steigender Preise überlegen die Verbraucher: Wo kann ich sparen? Bei der Energie bietet sich als schnelle Lösung für viele Menschen eine Mini-Solaranlage an. So genannte Balkonkraftwerke sind heiß begehrt. Sie sind die Eintrittskarte in die persönliche Energiewende.
Bundesweit waren laut der Bundesnetzagentur Anfang Juli bereits rund 230000 solche Anlagen registriert, mehr als die Hälfte kamen erst in diesem Jahr hinzu. Es dürften sogar noch mehr sein, da nicht sicher ist, ob jeder seine Anlage auch registrieren lässt. Vorgeschrieben wäre es. In der Stadt Regensburg weiß man bei der hiesigen Energieagentur von 326 Anlagen (Stand Mitte Juli) mit je rund 0,6 Kilowattstunden. Im Landkreis Regensburg sind es etwas über 1000 Anlagen. Bei den registrierten Anlagen liegt übrigens der Norden Deutschlands deutlich vorn, Bayern eher im hinteren Feld: Je 1000 Einwohner sind in Mecklenburg-Vorpommern fünf Anlagen registriert, in Bayern 2,7.
Auch für Mieter geeignet
Die Frage, ob es sich lohnt, ist für die Regensburger Energieberaterin Theresa Uhlemann schnell beantwortet: Die Kraftwerke boomen zu Recht, sagt sie auf Anfrage unserer Zeitung. „So ist es auch Mietern möglich, ihren eigenen Strom zu erzeugen und ihre Stromrechnung zu verringern. Zudem ist wieder automatisch etwas für die Energiewende getan, da der Strom erneuerbar erzeugt und direkt ohne hohe Verluste verbraucht wird.“
Einzelne Module haben in der Regel eine Leistung von 300 Watt (Südausrichtung). Meist werden zwei Module verbaut, das ergibt 600 Watt. Auf diesen Maximalwert sind die Anlagen gegenwärtig gesetzlich gedrosselt. Die Bundesregierung will aber bald die Grenze auf 800 Watt anheben.
Bei 600 Watt, so rechnet Uhlemann vor, könne das Balkonkraftwerk bis zu vier Kilowattstunden pro Tag (0,6 Kilowattstunden mal sieben Stunden bei einem Sonnentag) ins Hausnetz einspeisen. Je nach persönlichem Verbrauchsprofil seien erfahrungsgemäß ungefähr zwei Drittel davon nutzbar. Der Grund: Der Strom fließt unmittelbar ins Hausnetz zum sofortigen Verbrauch. Wird er gerade nicht benötigt, fließt die Energie ins allgemeine Netz. Vergütung gibt es dafür keine.
Ein Single-Haushalt habe pro Jahr einen Bedarf von ca. 1500 Kilowattstunden, macht gut vier Kilowattstunden am Tag. Bilanziell könnte ein Balkonkraftwerk dessen Bedarf im Sommer vollständig decken. Tatsächlich errechnet die Energieberaterin für den Single-Haushalt eine Einsparung übers Jahr von etwa einem Viertel. Bei einem Vier-Personenhaushalt kommt sie auf ca. zehn Prozent (Gesamtverbrauch 5000 kW/h).
Nach Uhlemanns Rechnung amortisiert sich eine Anlage nach ungefähr fünf Jahren. 600 bis 800 Euro kosteten Anlagen mit 600 Watt. Bei 400 nutzbaren Kilowattstunden im Jahr bei einem Strompreis von 40 Cent spare man 160 Euro, macht nach fünf Jahren 800 Euro. Die Module dürften eine Lebensdauer von 25 Jahren erreichen. Somit sei die Investition eine ziemlich sichere Bank. Hinzu kommen individuelle Förderungen. So gibt die Stadt Regensburg 150 Euro für Privatpersonen dazu. Einzige Voraussetzung: Es muss eine Förderzusage vorliegen, bevor die Balkonsolaranlage angeschafft wird.
Router/Kühlschrank versorgt
Weil der Strom unmittelbar verbraucht wird, ziehen auf jeden Fall jene Geräte die Energie, die ständig am Netz hängen: Standby-Geräte wie Telefon, teilweise auch Computer, Fernseher, Alexa und Co; vor allem der Kühlschrank. Dieser benötigt mit Gefrierfach 130 bis 230 Kilowattstunden im Jahr. Ein von den Verbrauchern meist weit unterschätzter Stromschlucker ist der WLan-Router. Er saugt im üblichen Rund-um-die-Uhr-Betrieb bis zu 100 kWh pro Jahr aus dem Netz.
Zu den Modulen braucht man auch einen Wechselrichter, der den erzeugten Gleich- in nutzbaren Wechselstrom wandelt. Für den Anschluss reicht ein klassischer Schukostecker. Denn die maximal 600, vermutlich bald 800 Watt sind kein Sicherheitsrisiko. So mancher Toaster zieht mehr Energie und hängt schließlich auch nicht an einer Starkstromdose.
Beim Kauf einer Anlage empfiehlt Uhlemann, einen Wechselrichter zu erwerben, der auf 800 Watt reguliert werden kann. Die Anlagen gibt es im Baumarkt, im Internet, bei PV-Anlagenanbietern. Die Energieberaterin rät dazu, auf eine lange Garantie bis 25 Jahre zu achten, das sei Standard. Vorteil des Erwerbs beim Fachhandel: Man hat einen Ansprechpartner und unterstützt die Region, so Uhlemann.
Der Einstieg sei umkompliziert. Die Montage am Balkon schafft ihrer Einschätzung nach „jeder, der einen Schrank zusammenbauen kann“. Uhlemann rät dazu, sich ein Set aus Modulen, Wechselrichter und Montagezubehör zu gönnen anstatt zu versuchen, alles einzeln zu kaufen in der Hoffnung, dabei ein paar Euro zu sparen.
Wichtig aus ihrer Sicht ist bei den Balkonkraftwerken, dass sehr viele Bürger mit ihrer Hilfe selbst regenerativen Strom erzeugen können. Gut möglich, dass mancher daraufhin bald auch eine PV-Anlage haben wolle, die weitaus mehr Strom erzeugt. Denn bei aller Freude über die Balkonkraftwerke: Die bundesdeutsche Energiewende gelingt damit nicht. Die gegenwärtig installierten Anlagen erreichen, so schätzt die Bundesnetzagentur, eine Gesamtleistung von 170 Megawatt, dürften demach 170 Gigawattstunden im Jahr erzeugen. Das seien bescheidene 0,3 Promille des deutschen Energieverbrauchs.
