Dicht & Ergreifend fegte energiegeladen durch den Prüfeninger Schlossgarten

Was 2014 noch als Geheimtipp in Sachen Mundart-Hip-Hop galt, ist 2023 zu einem der gefragtesten bayerischen Live-Acts der Republik geworden. „Dicht und ergreifend“ fegten am Freitagabend energiegeladen und energisch durch den Prüfeninger Schlossgarten.
Wer ein Solarium mitten auf die Bühne transportieren lässt, will es einfach wissen. Spätestens als „Es werde Dicht“ erklingt – der Name des dritten Albums der Band – weiß das Publikum an diesem Abend, was es geschlagen hat. Zwei Stunden extreme Party mit Singen, Tanzen, Klatschen und Anfeuern. Cool und gnadenlos feiern die Dichtis das Leben und den Abend und lassen dem Publikum und sich selbst keinerlei Verschnaufpause.
Karge Wüstenlandschaft
Zum Hintergrund des Album-Konzerts und dem Schauplatz des Intros „Bavaristan“: Die Science-Fiction-Dystopie spielt im Jahr 2478. Eine karge Wüstenlandschaft hat sich in Bayern ausgebreitet, wo einst Hafermilch, Bier und Bio-Honig flossen. Im Zentrum der Bühne das leuchtende Solarium als Symbol eines suizidalen Zeitalters.
Die Dichtis, das sind George Urkwell, im bürgerlichen Leben Michael Huber, und Lef Dutti (Fabian Frischmann) aus dem niederbayrischen Landkreis Dingolfing-Landau. Zu dem bunten Treiben auf der Bühne gesellen sich Markus Hinkelmann alias DJ Spliff, Phil Griagl an der Tuba, Sir Mix a Lothar und Takeda Tight an der Trompete. Zusammen mit den beiden Hauptakteuren machen sie Live-Hip-Hop vom Feinsten. „Wer nix versteht, muss das auch nicht, da die Mucke abgeht, tanzbar ist und epochal reinhaut“ (Leff Dutti).
Das Publikum zeigt sich feierwütig – Tische und Stühle hat der Veranstalter umsonst aufgestellt. Die relativ jungen Zuhörer verausgaben sich erst im Moshpit und halten sich dann Reihe um Reihe an den Schultern, um gemeinsam nach links und rechts zu tanzen.
Die Band ist seit ihrer Entstehung 2014 ihrem Signature-Sound treu geblieben, dennoch spürt man eine leichtfüßige Experimentierfreude, die ganz neue Elemente in die Kompositionen zaubert. Politischer Anspruch ist erkennbar, wenn die Musiker textlich mit schonungsloser Gesellschaftskritik die katholisch-konservative Mittelschicht in Bayern auf die Schippe nehmen – und das mit einer gewissen Portion Selbstironie, aber auch Heimatverbundenheit.
Die Absurditäten des Alltags
Die Antipatrioten machen mit anarchistischem Humor und blitzgescheiten Reimen aufmerksam auf die kleinen Absurditäten des Alltags und den großen Irrsinn der Zeit. Plumpe Aussagen als Essenz ohne plump zu sein – das können nur die Dichtis: In einprägsamen Dialekt-Doppelreimen und irgendwo ziemlich außerhalb der sprachlichen und gesellschaftlichen Konventionen wird frei gedacht und frei gesprochen. In den Songthemen, die so verschieden sind wie die Einwohner von Bavaristan, üben sie Kritik an Überarbeitung („Nein To Five“), treten profeministisch für Frauenrechte ein („Viva la Vagina“) oder generieren Mitsing-Hymnen wie „Bierfahrerbeifahrer“ und „Zipfeschwinga“ – bei letzterem wird der gewichtigste Zuhörer gesucht. Tatsächlich endet die Rekordsuche bei einem 150-Kilo-Mann, der auf die Bühne gebeten wird und sich dann mittels Stagediving in die Menge wirft und davongetragen wird. Die Zuhörer jubeln.
Am Schluss singen die Dichtis in wüster Verkleidung von ihrem Leben als Künstler und beendeten das Konzert mit der Textzeile „I wui ned zeitlos wern, I wui mei Zeit loswern“.