Batterien tauschen: Autohersteller Nio lädt zum Boxenstopp in Regensburg

Elektrisch volltanken binnen fünf Minuten – der chinesische Autohersteller Nio verkauft seine Elektromodelle erst seit kurzem in Deutschland. Als einzige Marke bietet Nio die Möglichkeit an, die Batterie für eine schnelle Weiterfahrt zu tauschen. Eine solche Station wurde nun in Regensburg eröffnet.
Der Akku des Elektroautos meldet sich im Display – demnächst geht seine Energie zur Neige. Ein Fingertipp auf ein Blitzsymbol löst die Suche nach einer Station aus. Ist man dort angelangt, reicht es, auf einer markierten Stelle direkt davor einzuparken. Dann heißt es: Hände weg vom Steuer, das Auto rangiert selbstständig in die Batteriewechselstation hinein.
Unmittelbar an der Anschlussstelle Regensburg-Ost der Autobahn A3 Nürnberg-Passau hat der chinesische Autohersteller Nio am Mittwochnachmittag seine zweite Batterie-Tauschstation in Bayern eröffnet. Sie ist die erst sechste in Deutschland – es sollen im Inland insgesamt mehr als 100 werden, vor allem an Autobahnen – und die 23. in Europa. Wenige Meter entfernt stehen in Regensburg eine Reihe von Superchargern des Wettbewerbers Tesla. Selbstredend können auch die Nio-Akkus klassisch per Kabel geladen werden.
Laden oder tauschen
Die Kunden müssen sich entscheiden: Batterie mieten oder kaufen. Die Wechselstationen darf nur nutzen, wer den Akku mietet. Für das günstigste Nio-Modell ET5 stehen 47500 Euro in der Preisliste. Hinzu kommt eine monatliche Batteriemiete von 169 (bei 75-kWh Kapazität) bzw. 289 Euro (100 kWh). Alternativ können die Kunden die Speicher kaufen, für stattliche 12.000 Euro (75 kWh) bzw. 21.000 Euro (100 kWh). Die meisten Kunden wählen das Mietmodell, sagt Frederic Korn, Leiter des Bereichs Energie und Infrastruktur für Deutschland, Österreich, Schweiz. Der Batterietausch ist noch kostenlos. Auf Dauer ist ein Preis angepeilt, der unter dem Schnellladen liegt.
Ist das Fahrzeug vom Autopiloten in die Station rangiert, passiert ein paar Augenblicke nichts; dann ein leichter Ruck, das Auto wird aufgebockt. Mit einem Klacken werden automatisch zehn Bolzen gelöst, die Batterie nach unten gefahren und zur Seite geschoben. Kurz darauf fährt der geladene Akku in den Fahrzeugboden hinein, wird fixiert – fertig ist das Auto für eine weitere lange Fahrt.
Nio sieht den Vorteil der Miet- und Tauschoption darin, dass man sich lange Ladezeiten spart. Der Tausch der Batterie soll binnen fünf Minuten erledigt sein. So könne man weite Strecken ohne lange Ladepausen absolvieren. Nio verweist auf eine große Erfahrung mit dem System. In China habe man bereits mehr als 1600 Tauschstationen gebaut.
Neben dem niedrigeren Anschaffungspreis profitiert der Kunde laut Nio, weil das Risiko entfällt, dass seine Batterie ermattet oder kaputtgeht. Weil Akkus in Wechselstationen schonend aufgeladen und sogar vortemperiert werden, strecke das ihre Lebensdauer erheblich. Angeblich halten sie bis zu vier Mal länger als solche Speicher, die an Schnellladesäulen gestresst werden.
Das System Wechselbatterie wurde schon einmal versucht. Es ist vor vielen Jahren gescheitert. Bekannt wurde das Unternehmen Better Place, das in Israel und Dänemark Stationen für Renault-Fahrzeuge mit Wechselbatterie aufbaute. Der Erfolg blieb aus, Better Place musste beerdigt werden.
Auch heute ist umstritten, ob das System der Wechselbatterie überholt sein könnte. Denn dank verbesserter Technologie steigen die Reichweiten der E-Autos, die Preise sinken. Für Menschen, die nicht täglich sehr weite Strecken zurücklegen, wird das E-Auto immer praxistauglicher. Experten sehen deshalb in Wechselstationen vor allem einen Markt für extreme Vielfahrer und für Taxis, Firmenflotten oder Carsharing-Unternehmen.
So groß wie eine Doppelgarage
Die Tauschstationen, wie jetzt in Regensburg eine steht, sind etwa so groß wie eine Doppelgarage. Es können gleichzeitig bis zu 13 Batterien aufgeladen werden. Dank einer nicht übertriebenen Anschlussleistung werde das lokale Stromverteilnetz geschont. Jede Station ist auf 13 Tauschvorgänge pro Stunde ausgelegt.
Einen massiven Nachteil hat die Regensburger Station noch. Sie steht zunächst nur montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr zur Verfügung. Dass das alles andere als optimal ist, ist den Verantwortlichen klar. Sie versprechen: „In Kürze“ sollen längere Öffnungszeiten und auch Zeiten am Wochenende angeboten werden. Sobald die Station ohne menschliches Zutun agieren kann, steht einem 24/7-Betrieb nichts mehr im Weg.