Jedes Jahr gibt es ein paar Hundert Euro zusätzlich fürs Elektroauto – wenn man es weiß

Von Bernhard Fleischmann · 25. Juni 2023 um 19:00

Elektroautos sind teurer in der Anschaffung. Deshalb gibt es die bekannte Kaufprämie. Weniger bekannt ist ein weiteres Bonbon. Auch Beate Knuth wusste davon nichts, als sie ihren Strom-VW kaufte.

Beate Knuth ist mit ihrem Elektroauto „super zufrieden“. Seit eineinhalb Jahren fährt die Nittendorferin (Landkreis Regensburg) einen batteriebetriebenen VW. Und sie freut sich obendrein über eine Prämie, die sie beim Kauf noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Denn neben der bekannten Kaufprämie gibt es ein weiteres Bonbon für Elektromobilisten, das nicht jeder kennt: die THG-Prämie (Treibhausgasminderung).

Die Grafikdesgnerin Knuth passt perfekt ins Profil einer E-Auto-Nutzerin: Sie lädt zu Hause, der Strom kommt von der eigenen PV-Anlage, sehr weite Strecken muss sie nicht bewältigen, Tempo 130 ist ihr selbst gewähltes Limit. Die gut 300 Kilometer Reichweite des Autos im Sommer (im Winter sind es eher unter 300 Kilometer) reichen für sie locker aus. „Ich habe bisher nur einmal extern Strom geladen – als ich das Auto aus Frankfurt geholt habe“, erzählt sie. Für Knuth ist ein E-Modell heute die günstigste Möglichkeit, Auto zu fahren, so ihre Analyse.

Das Geld war schnell da

Da spielen die etwa 300 Euro, die sie zusätzlich jährlich einstreichen kann, nicht die entscheidende Rolle. Auch wusste Knuth Ende 2021, als sie den VW ID.3 kaufte, gar nichts davon. Eine erfreuliche Finanzspritze bleibt es allemal.

Beate Knuth hatte die THG-Prämie für das Jahr 2022 binnen sechs Wochen auf dem Konto – unkompliziert, flott. Für dieses Jahr ist per Mail eine Dauer von immerhin 18 Wochen angekündigt.

Hintergrund der Prämie: Die Treibhausgas-Minderungsquote verpflichtet seit 2015 Unternehmen, die Benzin und Diesel verkaufen, die von ihnen verursachten Treibhausgase zu senken. Für 2022 lag diese Quote noch bei bei sieben Prozent, bis 2030 steigt sie auf 25 Prozent. Mineralölkonzerne können über den Verkauf etwa von Biokraftstoffen CO2 einsparen. Schaffen sie die vorgegebene Quote so nicht, müssen sie Emissionszertifikate einkaufen – bei jenen, die CO2 einsparen. Dazu zählen mittlerweile auch Besitzer von E-Autos, -Rollern und Motorrädern. Ihnen stehen Zertifikate zu, die das Umweltbundesamt ausgibt.

Nur reine Stromer zählen

Die Prämie gibt es ausschließlich für reine Elektrofahrzeuge – Autos und Zweiräder, sofern sie schneller als 45 km/h fahren können (großes Kennzeichen). Hybride gehören aber nicht dazu. Ob sie gekauft oder geleast sind, ist einerlei.

Die dahinter stehende Annahme, so erklärt es der Stromanbieter Naturstrom, der auch selbst die THG-Prämie als Zwischenhändler anbietet: „Der genutzte und ,verfahrene‘ Strom verdrängt eine gewisse Menge fossiler Kraftstoffe – und spart somit eben auch Emissionen ein. Pro Fahrzeug wird dabei ein pauschaler Durchschnittsverbrauch angerechnet, für den es dann ein jährliches Treibhausgasminderungs-Zertifikat gibt, das Mineralölunternehmen wiederum erwerben und sich anrechnen lassen können.“

Theoretisch könnten Privatpersonen ihre Zertifikate selbst verkaufen, praktikabel ist das aber nicht. Deshalb gibt es eine Vielzahl von Zwischenhändlern, die den Handel übernehmen – Stadtwerke, Stromhändler, Autoclubs, eigens für diesen Zweck gegründete Unternehmen. Sie bieten unterschiedliche Konditionen. Manche verbinden die Prämie auch mit Spenden für den Klima- oder Umweltschutz.

Interessenten müssen sich nach der Auswahl eines Anbieters registrieren, in der Regel führt dann ein Button zum Antrag. Notwendig ist der Scan des Fahrzeugscheins.

Die Vor- und Nachteile

Umstritten ist die Frage, ob die THG-Prämie dem Umweltschutz dient oder eher dem „Greenwashing“, also dem Vorgaukeln von Nachhaltigkeit. Kritikpunkte sind etwa: Es werde keine echte Verkehrswende gefördert, sondern es bleibe beim Individualverkehr. Ob der genutzte Strom aus erneuerbaren Quellen oder fossil erzeugt wurde, macht für die Prämie direkt keinen Unterschied; indirekt aber schon: je fossiler der aktuelle Strommix in Deutschland, desto geringer fällt die Prämie aus, weil dann ja auch der E-Mobilist weniger CO2 einspart. Weil heuer mehr Kohlestrom im Netz ist als 2022, sinkt auch die Prämie. Eine soziale Komponente gibt es nicht: Die Prämie erhält auch der Käufer eines sündteuren Luxusmodells.

Wer tankt, zahlt mit

Andererseits lenkt die Prämie Geld um: Wer klassischen Treibstoff tankt, zahlt indirekt die THG-Prämie mit. Denn die Kosten, die durch den zusätzlichen Quotenhandel und Strafzahlungen entstehen, müssen die Mineralölfirmen wieder hereinholen. Eine Möglichkeit ist die Umschichtung auf Kraftstoffpreise.

Das betrifft Beate Knuth nun nicht mehr. Ihren kompakten Benziner, der dem ID.3 vorausging, hat sie längst verkauft.