Kumpfmühler Stachus wird umgebaut: Die Menschen rennen kreuz und quer über die Straße

Von Jürgen Scharf · 5. August 2023 um 05:00

Die Nibelungenbrücke und die Kumpfmühler Brücke sind in Regensburg derzeit gesperrt. Die ausgeschilderten Umleitungen werden oft ignoriert.

Kurz nach neun Uhr morgens. Der Berufsverkehr ist eigentlich vorbei. An der Kreuzung vor der Kumpfmühler Brücke geht dennoch alles durcheinander. Autofahrer hupen, bremsen, lächeln, fuchteln. Fußgänger und Radfahrer schauen, winken, zögern, rennen und schieben. Es herrscht der ganz normale neue Wahnsinn.

Einer der Radfahrer ist John Ebert. Er steht an der Kirchmeierstraße und lässt den Blick über die riesige Baustelle schweifen. „Hier kennt sich kein Mensch aus“, sagt er.

Seit Montag ist die Brücke gesperrt. Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger werden umgeleitet. Es gibt jetzt viele Schilder, die den Weg weisen. Die beachten aber nur wenige. „Das ist alles schon auch ein bisschen gefährlich hier“, sagt Ebert und fährt dann weiter.

Bei den Schildern nachgelegt

Die Stadt Regensburg sagt, dass sie ihre Arbeit erledigt hat. Zuletzt habe sie bei den Schildern zudem noch nachgebessert. Beim mobilen Übergang in der Kirchmeierstraße war zunächst nur ein Radfahrer-Zeichen zu sehen. Nun ist dort auch ein Fußgänger abgebildet. Nach wie vor sei auch „von Beschwerden vor Ort nichts bekannt“. Es habe einzig über die sozialen Netzwerke Nachfragen oder Hinweise zu den Umleitungen gegeben.

Kurz nach 17 Uhr. Der abendliche Berufsverkehr nimmt Fahrt auf. Am Kumpfmühler Stachus, wie ihn die Regensburger nennen, fährt ein Mann mit seinem Rad einfach mitten durch die Baustelle. Am Ende zwängt er sich durch eine Lücke des Absperrzauns. Zeitgleich gehen auf der Kirchmeierstraße zwei Frauen einem Radfahrer hinterher, der in der falschen Richtung die Hotelausfahrt benutzt. An der Autospur warten sie auf eine Lücke. Und während drei Radfahrer doch den offiziellen Übergang nutzen, schleicht sich ein paar Meter weiter eine Fußgängerin mit Hund am Absperrzaun durch die Baustelle.

Manchmal sind sogar ein paar Schaulustige da. Einfach nur gucken. Die waghalsigen Manöver verfolgen. Turbulente Szenen gibt es dabei auch auf der Westseite der Brücke zu sehen. Für die Zeit der Bauarbeiten sind hier Fahrradfahrer und Fußgänger gemeinsam in beide Richtungen unterwegs – da geht es eng zu.

Sperrungen und Umleitungen in Regensburg: „Alles etwas eigenartig“

Sie mache sich „selbstverständlich regelmäßig vor Ort ein Bild“, sagt die Stadtverwaltung. Das tut gerade auch Werner Eberle. Zaghaft schaut er herum. Der 86-Jährige sagt, dass er es zunächst auch dabei belässt. Er sei nur vorbeigekommen, um herauszufinden, wie er überhaupt auf die andere Straßenseite gelangen könnte. Noch sei er aber zu keinem Ergebnis gekommen, den offiziellen Weg habe er nicht entdeckt. Er findet „alles etwas eigenartig“. Und wenn er sehe, wie die Menschen in allen erdenklichen Varianten irgendwie die Straße überqueren, sei das beängstigend. Er habe den Eindruck, dass viele darauf vertrauen, „dass die mich schon nicht überfahren“.

Die Stadt sagt, dass die ersten Tagen einer Baustelle immer auch „eine Umgewöhnungsphase“ seien. Mehrere Ampelschaltungen seien während der Woche aber bereits nachjustiert worden. So sollen nun etwa Autofahrer deutlich schneller über die Klenzebrücke in die Kirchmeierstraße kommen.

An zwei Tagen 300 Fahrer angehalten

Schnell vorankommen wollen auch viele Autofahrer an der ebenfalls gesperrten Nibelungenbrücke. Dort ist derzeit die Spur aus der Stadt heraus zu. Das Durchfahrt-verboten-Schild wird aber praktisch dauernd ignoriert. Innerhalb von zwei Tagen wurden rund 300 Fahrer angehalten, berichtet die Polizei. Jeder muss 50 Euro zahlen. An der Beschilderung liege es nicht: „Die ist ausreichend“, sagt Polizeisprecher Markus Reitmeier.

Die Kontrolleure werden wohl auch in Zukunft noch viel Arbeit haben. Die Spur kann nicht einfach abgeriegelt werden, weil sie von Bussen und Rettungsdiensten weiter genutzt wird. Auch in Kumpfmühl wurden Rettungseinsätze der Stadt zufolge eingeplant. Die mobile Fußgängerampel etwa sei bei Feuerwehreinsätzen mitvernetzt und schalte dann automatisch auf Grün.

Nachmittags, 15 Uhr. Bis zum Berufsverkehr ist es noch ein wenig hin, an der Kreuzung vor der Kumpfmühler Brücke ist aber schon wieder mächtig Betrieb. Ein Radler im Rennfahrer-Outfit brennt vom Zubringer der Augsburger Straße herunter, nutzt eine Lücke im Gegenverkehr, um direkt auf die Kirchmeierstraße zu kommen und legt dann noch einen harten U-Turn in die Hotelausfahrt hin. Zum Schluss schaut er kurz um – und ein paar Sekunden später ist er hinter der Wand aus Bäumen an der Brücke verschwunden.

Rund um die Kumpfmühler Brücke ist derzeit Baugebiet. Foto: Lex
Auf der Nibelungenbrücke zieht die Polizei einen Falschfahrer nach dem anderen raus. Foto: Scharf