Zauberkunst statt Gerichtssaal: Schicksalsschlag änderte Leben von Kallmünzerin Uta Keppler

Uta Keppler aus Kallmünz (Landkreis Regensburg) ist Zauberkünstlerin, Komikerin und Schauspielerin. Doch erst ein Schicksalsschlag lenkte die studierte Juristin auf einen Weg abseits von Akten und Paragrafen.
Die Zauberkunst war für Uta Keppler eine Rettung, sagt sie. Im Jahr 2000 verlor sie ihre Lebensgefährtin. „Es war das heftigste, was ich emotional je erlebt habe.“ Als sie in der Zauberschule in Pullach bei München staunend auf den Künstler blickte, der aus dem Nichts Bälle in der Hand hielt und diese wieder verschwinden ließ, war ihr klar: Das will sie auch können.
Nicht nur die Ausbildung, auch der Ort sei für Keppler magisch gewesen. Denn dort entkam sie einmal pro Woche ihrem Trübsal. Sie lernte verschiedene Techniken für etwa die Karten-, Münz- oder Bühnenzauberei kennen. Nach zwei Jahren ließ schließlich auch sie Bälle auftauchen und wieder verschwinden.
Was Jura und Zauberkunst gemeinsam haben
Doch die heute 53-Jährige wollte mehr. Also folgte eine Ausbildung an der Schule für Tanz, Clown und Theater in Hannover. Seit 2013 ist sie Teil des Ensembles der Traumfabrik.
Kepplers eigentlicher Beruf ist weit von schwebenden Koffern oder verschwindenden Bällen entfernt: Sie ist Juristin. Als Anwältin arbeitete sie zwar nie, aber auch wenn ihr Dasein als Zauberkünstlerin, Schauspielerin und Komikerin gegensätzlich erscheint, helfe ihr das Jurastudium. Anwälte müssten schnell verstehen, improvisieren und sprachlich gewandt sein, sagt sie. Manchmal müsse ein kreativer Weg gefunden werden, um einen Fall zu lösen. Und wenn Keppler vor dem Publikum steht, so tue sie genau diese Dinge.
Innerhalb von Sekunden muss sie sich in eine Situation einfinden und reagieren können – das auch noch unterhaltsam. Dennoch gibt es für sie einen bedeutenden Unterschied zwischen der Juristerei und der Zauberkunst. Als Anwältin treffe man meist auf Menschen, die sich streiten. Als Künstlerin auf Menschen, die Spaß haben und feiern. 2020 schien für Keppler ein gutes Jahr zu werden. Ihr Terminkalender war voll. Doch dann hieß es, wegen Corona sollen alle Zuhause bleiben: Storno, Storno, Storno.
Zauberkünstlerin muss neuen Weg einschlagen
Keppler, die als Clown Floh, Pantomime-Figur Anais und die Dame in rosa alias Agnes Altensee auftritt, dachte: „Es ist zu Ende.“ Gibt es einen Plan B? Was Keppler auszeichnet: Sie lernt nie aus. Die 53-Jährige entschied sich, an einen Ort zu gehen, wo sich trotz Krise viele Menschen aufhalten: im Internet. Doch die Frage, die sie quälte, war: Ist es möglich Gänsehaut-Momente online zu schaffen?
„Funktioniert nicht, gibt’s nicht“, ist ihre Devise. Deshalb sammelte die Zauberkünstlerin Ideen über kuriose Momente im Netz, die jeder kennt. Umsetzen sollte diese die Bühnenfigur Agnes Altensee. „Agnes ist online aufgeblüht“, sagt Keppler. Die Dame in rosa sei ängstlicher Natur, etwas paranoid, fast zwanghaft und steht nicht gerne im Mittelpunkt. Mit genau diesen Eigenschaften wählt sich Frau Altensee beispielsweise ausversehen bei einer Online-Firmen-Weihnachtsfeier ein.
Die Leute glauben das Szenario, so Keppler. Die Komik liege darin, dass sie sich wiedererkennen. Neben Situations-Komik und Altensees unterhaltsamen Charaktereigenschaften darf die Zauberkunst aber natürlich nicht fehlen. So lässt Altensee dann auch mal einen Stift durchs Bild schweben.
Online-Business wächst nebenbei
Kepplers Online-Show komme gut an. Der Aufwand dahinter ist jedoch enorm. Sämtliche Geräte, einen Greenscreen oder auch eine Streamingsoftware musste sie kaufen. Die größter Herausforderung: „stabiles Internet in Krachenhausen“, sagt Keppler lachend.
Die Corona-Einbußen sind durch die Online-Auftritte zwar nicht wieder drin – die Krise hat der Zauberkünstlerin aber eine Tür geöffnet. Jetzt kann sie wieder an Präsenz-Veranstaltungen teilnehmen und währenddessen in Ruhe ihr Online-Business ausbauen. In zehn Jahren, wenn sie nicht mehr stundenlang mit Bus und Bahn reisen will, kann sie sich darauf konzentrieren.
So aussichtslos die Situation für Keppler im ersten Moment erschien: Ihre Devise hat sich bewährt. „Es ist unglaublich, was alles möglich ist.“