Planer der Mannheimer Seilbahn erklärt, was nun in Kelheim anstehen könnte

Politiker aus dem Kreis Kelheim haben sich bei Deutschlands neuester urbaner Seilbahn umgesehen. Bauingenieur Florian Schweiger gibt Einblicke in Planungsprozess.
Wenn einer weiß, was in den nächsten Monaten in puncto Seilbahn auf den Landkreis Kelheim zukommt, dann Florian Schweiger. Er ist Bauingenieur beim Ingenieurbüro „Seilbahnprofi“ Schweiger mit Sitz in Sonthofen. Das bietet von Gutachten über Mitarbeiterunterweisungen bis Machbarkeitsstudien Dienstleistungen rund ums Thema Seilbahn an. „Wir unterstützen jeden, der im Lebenszyklus einer Seilbahn Hilfe braucht“, sagt Schweiger. Zu den Referenzen des Büros zählen unter anderem Machbarkeitsstudien für die Seilbahnen in Koblenz und Mannheim.
Kelheimer Politiker informieren sich bei Mannheimer Seilbahn
Letztere wurde für die Bundesgartenschau (Buga) 2023 gebaut und verbindet die beiden Teile des Geländes links und rechts des Neckar. Vertreter des Landratsamtes Kelheim, der Stadt Kelheim und der Gemeinde Saal a.d. Donau haben die Mannheimer Seilbahn besucht, um sich zu informieren (siehe Info). Im Kreis Kelheim geht das Seilbahnprojekt derzeit in die nächste Phase: Die Ausschreibung für die Machbarkeitsstudie zur „Smart Urban Connection“ ist beendet. Laut Landratsamt gibt es mehrere Bewerber, deren Angeboten im Kostenrahmen (rund 165.000 Euro) liegen. Auch die „Seilbahnprofis“ haben ihren Hut in den Ring geworfen.
Was eine Machbarkeitsstudie klären muss
Schweiger (nicht verwandt mit dem Kelheimer Bürgermeister Christian Schweiger (CSU)) erklärte den Besuchern aus dem Kreis Kelheim am Beispiel Mannheim, wie man eine Seilbahn plant. Eine Machbarkeitsstudie müsse demnach drei Fragen beantworten: Ist die Seilbahn technisch machbar? Ist sie wirtschaftlich zu betreiben? Und: Hat sie eine Chance darauf, gebaut zu werden? Das wäre beispielsweise nicht der Fall, wenn sie die Optik eines Weltkulturerbes beeinträchtigen oder einer geplanten Überlandleitung im Weg stehen würde.
Außerdem beinhaltet eine Machbarkeitsstudie die Untersuchung von Alternativen. Sprich: Hätte man in Mannheim auch eine Busverbindung zwischen den Geländeteilen der Buga einrichten können? Auch in Saal und Kelheim sollen laut den Verantwortlichen ÖPNV-Alternativen wie Bus und Kexi geprüft werden.
Beim Streckenverlauf unterschiedliche Interessen berücksichtigen
Herzstück der Machbarkeitsstudie für die Mannheimer Seilbahnen war der Streckenverlauf. Ein großer Vorteil von Seilbahnen ist, dass sie über etwas gebaut werden können, was bereits da ist – Häuser, Straßen, Flüsse. Sie erschließen sozusagen eine neue Ebene für den Verkehr. Dadurch kollidieren sie allerdings mit bestehenden Interessen. Die Rechte von Grundstückseigentümern etwa enden nicht ab einer bestimmten Höhe, erklärte Schweiger. Mit jedem müsse man sich daher einig werden.
Über manchen Bauwerken, etwa Schleusen, dürften grundsätzlich keine Seilbahnen gebaut werden. Außerdem müsse man Flugkorridore, Naturschutzgebiete, Stromleitungen und Schifffahrtsstraßen berücksichtigen. Richtfunkstrahlen der Bundesnetzagentur könnten von einer Seilbahn gestört werden. Besitzer von Solaranlagen müsse man für den Schattenwurf entschädigen. In Mannheim wurde außerdem geprüft, ob eine Großkaliber-Schießanlage eine Gefahr darstellte.
Bei diesen Untersuchungen sei Sorgfalt gefragt, erklärte Schweiger. Man könne einen geplanten Seilbahnpfeiler nicht einfach verschieben, wie das beispielsweise bei einer Bushaltestelle der Fall sei. Außerdem drohe Ärger: Nach einem ersten Entwurf (nicht vom Büro Schweiger) für die Strecke einer geplanten Seilbahn in Bonn hätte ein Spielplatz für einen Pfeiler abgerissen werden müssen. Für einen anderen hätte gar ein ganzer Wald gerodet werden sollen. Mittlerweile seien diese Standorte längst vom Tisch, aber Kritiker würden immer noch damit Stimmung machen.
Planer hat Erfahrung mit Kritikern
Widerstand gegen geplante Seilbahnen sei völlig normal, sagte Schweiger. Allerdings erstaunte ihn, dass es bereits zwei Unterschriftensammlungen gegen die Seilbahn Kelheim-Saal gibt: „Das ist extrem früh“. Schweiger hat seine eigenen Erfahrungen mit Protest gemacht: Während der Planungen für die Koblenzer Seilbahn habe sein Geschäftspartner graue Haare bekommen. Dort sei mit teils absurden Argumenten Stimmung gegen das Projekt gemacht worden. Ein Gegner beispielsweise habe versucht, den Stromverbrauch der Seilbahn zu berechnen und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass ein eigenes Kraftwerk für den Betrieb notwendig gewesen wäre.
Nur: Der Kritiker hatte für seine Berechnung die Nennleistung des Motors herangezogen, erzählt Schweiger. Der sei dazu ausgelegt, die Seilbahn unter widrigsten Bedingungen – voll besetzt, bei Wind und Wetter – in Gang setzen zu können, obendrauf komme noch eine gewisse Reserve-Leistung. Läuft die Seilbahn einmal, werde jedoch nur noch ein Bruchteil der Leistung und somit der Energie benötigt. Übrigens: Die Koblenzer Seilbahn hätte wie die in Mannheim eigentlich wieder abgebaut werden sollen. Schließlich setzten die Bürger durch, dass sie blieb.
Schweiger hat aus seinen Erfahrungen die Lehre gezogen, dass man von Anfang an mit Bürgern und Kritikern offen sprechen muss.
Kelheims Landrat Martin Neumeyer (CSU) sagte auf Nachfrage, er halte Informationsveranstaltungen zur Kelheimer Seilbahn derzeit nicht für sinnvoll, da man wenig konkrete Informationen habe. Vor Abschluss der Machbarkeitsstudie könne man etwa über Dimensionen, Kosten, Verlauf und Energieverbrauche noch nichts sagen – das gelte auch für die Kritiker der Seilbahn. Daher findet Neumeyer die Bürgerbegehren zum jetzigen Zeitpunkt falsch.
Die Vertreter aus dem Kreis Kelheim zogen ein positives Fazit des Besuches bei der Mannheimer Seilbahn. Man habe gesehen, dass eine urbane Seilbahn technisch vergleichsweise einfach umzusetzen sei und den ÖPNV ergänzen könne, so der Tenor. Nun gelte es, die Machbarkeitsstudie in Kelheim abzuwarten.
Exkursion zur Seilbahn Mannheim
Teilnehmer: Landrat Martin Neumeyer (CSU), der Kelheimer Bürgermeister Christian Schweiger (CSU), Kreisrat und Mitglied im Mobilitätsausschuss Niklas Neumeyer (CSU), der ÖPNV-Stabsstellenleiter des Landratsamtes Stefan Grüttner sowie die Saaler Gemeinderäte Walter Dietz (CSU), Werner Czech (FW) und Wolfgang Ludwig (SPD) nahmen an der Fahrt nach Mannheim teil.
Einladungen: Eingeladen waren laut Neumeyer die Bürgermeister von Kelheim und Saal, die Fraktionssprecher in beiden Gemeinden und die Mitglieder des Mobilitätsausschusses des Landkreises sowie die Kelheimer MZ-Redaktion. Saals Bürgermeister Christian Nerb (FW) nahm nicht teil, da vor Abschluss der Machbarkeitsstudie keine weiteren Informationen benötige. Dennis Diermeier (FW), Initiator des Bürgerbegehrens, fuhr nicht mit und kritisierte den finanziellen Aufwand der Fahrt.
