Schwacher verkaufsoffener Sonntag in Schwandorf: Zweifel an der Zukunft des Jakobimarkts

Der Jakobimarkt sollte am Sonntag die Menschen in die Stadt locken. Doch der große Ansturm beim verkaufsoffene Sonntag blieb aus – wohl nicht nur wegen des Wetters. Auch einzelne Traditionsgeschäfte hatten gar nicht erst geöffnet. Jetzt stellen erste Händler das traditionelle Markttreiben im Sommer zur Diskussion.
Besucher, die beim Standmarkt auf der Suche nach einer Brotzeit waren, hatte schlechte Karten. Und diejenigen, die sich am Sonntag eine edle Uhr oder eine Goldkette für die Liebste kaufen wollten, ebenso. Die beiden Juweliere in der Innenstadt, Meiller und Schreiner, hatten geschlossen. „Wir hatten nicht genügend Mitarbeiter, die am Sonntag arbeiten wollten oder konnten“, erklärt Roland Meiller.
Damit sein Juweliergeschäft öffnen könne, brauche es aus Versicherungsgründen eine Mindestanzahl an Mitarbeitern im Laden. Doch selbst wenn Meiller ausreichend Personal gehabt hätte, wäre eine Öffnung wohl nicht sicher gewesen. „Der verkaufsoffene Sonntag im Sommer ist nicht gut besucht“, sagt der Geschäftsinhaber. Er würde den Jakobimarkt daher „generell zur Diskussion stellen“. Der Maimarkt und der Kirchweihmarkt im Herbst sollten dagegen bleiben – dann auch wieder mit einem geöffneten Fachgeschäft Meiller.
Händlerin vermisst Rahmenprogramm beim Schwandorfer Jakobimarkt
Ähnliches hört man beim Branchenkollegen Schreiner an der Friedrich-Ebert-Straße. „Wir hatten zu, weil beim verkaufsoffenen Sonntag im Rahmen des Jakobimarktes erfahrungsgemäß nicht viel los ist“, erklärt die langjährige Verkäuferin Kerstin Hannak. Das könne durchaus auch an der Urlaubszeit liegen.
Es gab aber auch Traditionsgeschäfte, die am vergangenen Sonntagnachmittag Kunden empfingen. Reges Treiben herrschte beispielsweise bei Intersport Meier oder dem Optiker Kaps und Lütje. Und auch bei Elektro Scherm liefen die Flachbildfernseher. „Bislang war der Jakobimarkt immer der Ruhigste der verkaufsoffenen Sonntage bei uns“, sagt Inhaberin Michaela Scharf. Doch heuer sei das anders gewesen. Trotz verhaltenem Besuch in der Innenstadt habe man „gute Geschäfte“ machen können. Die Ladeninhaberin hat einen Wunsch für die Zukunft. Michaela Scharf fände es schön, wenn der Stadtmarketingverein die Werbung ausbauen würde. Und ein Rahmenprogramm, vielleicht sogar mit Musik, würde sich an den Verkaufsoffenen auch gut machen. „Im Sommer eine kleine Modenschau – das wäre doch was“, regt Scharf an.
Für Stefan Theuerl, seit Januar Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, war es heuer der erste Jakobimarkt in seiner neuen Funktion. Eine Stimmungsbild der Geschäftsleute kann er bisher aber noch nicht zusammenfassen. Denn der Stadtmarketingverein treffe sich erst diese Woche zu einer Vorstandssitzung. Dabei dürfte es auch um das Thema Jakobimarkt gehen.
Dass einzelne Geschäfte sich nicht beteiligen, könne aber auch personelle Gründe haben, sagt er. Aus Theuerls Sicht sei grundsätzlich jedes Angebot, das die Stadt und ihre Innenstadthändler machen , eine Bereicherung für Schwandorf. Zur Frage, ob sich das für die einzelnen Geschäfte lohne, gebe es laut Theuerl durchaus geteilte Meinungen. Die Sortimente der Läden seien entsprechend unterschiedlich, sodass es im Einzelfall schwierig einzuschätzen sei. „Man kann aber nie die ganze Innenstadtinfrastruktur abbilden“, beschreibt Theuerl eine der Herausforderungen, vor denen die Organisatoren stehen.
Schwandorfs OB zeigt sich offen für neue Ideen
Ganz allgemein sagt der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins: Für den Fall, dass ein Markt nicht mehr so angenommen werde, müsse man sich möglicherweise Gedanken darüber machen, ob ein anderes Datum oder eine andere Aufmachung spannend wären. Als Stadtmarketingverein sei man jedenfalls „immer bestrebt, etwas Attraktives für die Stadt“ anzubieten.
Auch Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) zeigt sich offen für neue Idee. Seit Jahren sei zu beobachten, dass Veranstaltungen dieser Art „sehr volatil“ seien, sagt der Rathauschef. Auch das Wetter spiele dabei eine Rolle und wirkte sich auf den Zustrom aus. Feller sagt aber auch: „Wenn uns miteinander etwas einfällt, das mehr Attraktivität bringt und das Ganze interessanter gestaltet, bin ich für alles offen.“
Dafür sei der Schwandorfer Stadtmarketingverein genau der richtige Ansprechpartner. Denn diese Organisation sei ein Bindeglied zwischen den Gewerbetreibenden, der Stadt und den Bürgern. Der Verein, sagt Feller, lebe „vom Mitmachen“. Auf diese Weise könnten Ideen für künftige verkaufsoffene Sonntage am besten eingespeist werden. Und der OB verspricht: „Da sind wir die Allerersten, die sagen: Probieren wir es halt.“
