Festspiel: Fünf Kathis machen Waldmünchens Trenck Werner Zellmer kurzzeitig sprachlos

Anders als auf der richtigen Bühne ist Werner Zellmers Timing nicht perfekt. Aber woher hätte er auch wissen sollen, dass ihn vor dem Trenckhäusl ein Spalier „seiner“ Kathis erwartet? Der Überraschung tut das keinen Abbruch – nicht das einzige Gefühl, das der Trenck an diesem Abend zeigt... Der Abschied naht.
Am Donnerstag stand der 50-Jährige das vorletzte Mal als Franziskus, Freiherr von der Trenck, auf der Bühne. Am 12. August fällt dann der finale Vorhang, mit dem neun Jahre Hauptdarsteller-Dasein zu Ende gehen werden. „Es war eine tolle Zeit“, fasst der Waldmünchner ohne Umschweife und lächelnd zusammen.
Die Sache mit dem Alter
Was den Rückzug leicht(er) macht: „Das Alter“, schmunzelt der Familienvater. „Ich hab‘ immer gesagt, ab 50 müsst ihr euch was einfallen lassen.“ Hinzu kommt die Tatsache, dass er Spiel und Verein als Reiterpandur erhalten bleibt – schon deshalb, weil da Bedarf herrscht und „ich die ja nicht sitzen lassen kann“.
Mit Pferden aufgewachsen
Sein reiterisches Können war einer der Gründe, warum Werner Zellmer „als Hergeheirateter“ überhaupt Trenck wurde. Das sprach sich über Kindergarten-Bekanntschaften (seine Frau ist Waldmünchnerin, miteinander haben sie ein Haus in der Waffenschleife gekauft) herum. Und was für ein Können: Seit er zehn Jahre alt ist, sitzt der frühere Tiefenbacher auf Pferden, zuhause betrieben sie eine Haflinger-Zucht mit − zu besten Zeiten – mehr als einem Dutzend Vierbeinern.
Brenzlige Situationen
Gerade ob seines Wissens haben sich für ihn in jeden Schlussapplaus zwei Dinge gemischt: Dass das Spiel gut über die Bühne ging „und dass nichts passiert ist“. Denn die ein oder andere heikle Situation, sie gab es durchaus. Auf uns abseits der Bühne.
Mit Pferden hat auch die Erinnerung zu tun, die Werner Zellmer als erste in der Kategorie „besondere Erlebnisse“ einfällt. Nach einer Aufführung hörten sie im Trenckstadl zu vorgerückter Stunde, dass freilaufende Pferde (die mit dem Festspiel nichts zu tun hatten) in der Stadt gesichtet wurden. Um zwei, halb drei Uhr morgend haben sie die die dann miteinander auf der Straße „eingesammelt“ und schließlich zusammengepfercht.
Lesen Sie hier: Abschied in Cham
Auch unter den repräsentativen Aufgaben – die mit zwei oder drei Ausnahmen nach dem Motto „muss das jetzt auch noch sein“ – allesamt bereichernd gewesen seien, stach eine heraus: 300 Jahre Graf Luckner in Cham in 2022.
„Was ich da an Bekanntschaften geschlossen und Begegnungen erfahren habe, war der Wahnsinn.“ Anders ausgedrückt und mit Zellmerschem Humor gespickt: „Wenn ich da für jedes Foto fünf Euro bekommen hätte, wäre ich über dieses Wochenende reich geworden.“
Vorfreude aufs Finale
Weniger wegen der „Gage“, wohl aber der Erlebnisse macht sich (ein wenig) Wehmut breit. Die allerdings nicht ganz so groß ist wie die Vorfreude auf das letzte Spiel. „Da lassen wir‘s noch mal krachen“, lautet Zellmers klare Ansage.
Vor allem die „zweite Hälfte“ seiner Trenck-Jahre – „am Fang hab‘ ich immer gewusst, was ich besser hätte machen können oder wollen“) hat er mit zunehmender Lockerheit erlebt, sei doch mit jeder Aufführung in neun Jahren auf der Bühne mehr Routine eingekehrt.
Lesen Sie hier: Grandiose Premiere
Und damit Sicherheit, die Gewissheit, gut zu sein, „manchmal sogar sehr gut“; Letzteres nicht selten an Tagen, als in der Arbeit (in einem Planungsbüro) Dauerstress angesagt war. Dann war eine Donnerstags-Aufführung schon einmal noch herausragender, Stichwort Dampf-Ablassen.
Wer ihm dann (da) – und überhaupt – als Kathi, Mariuzza oder Frau Kern oder Offizieren entgegensteht oder -stand sei ab einem Zeitpunkt x nicht mehr wichtig gewesen. „Die Regie hat uns Jahre aufs Reagieren getrimmt“, erklärt er. Anders dargestellt: So, wie die Kathi auf die Bühne kommt, so kommt sie halt... Und jeder Dialog, jeder „Gegenpart“ habe seinen Reiz gehabt, sagt er rückblickend mit einer Portion Dankbarkeit.
Gespür fürs Publikum
Wie jedes Publikum, dem man schnell anmerke, ob es mitgehe oder nicht. Das sei wichtiger sei als die Tatsache, ob der letzte Platz verkauft sei, Stichwort Szenenapplaus, Stimmung. „Wenn du aber drin bist, vergisst du bewusst selbst das.“
Während sich andere Trenck-Darsteller eigener Aussage nach beim Monolog „im Tunnel“ befänden und nichts um sich herum wahrnehmen, sucht er sich eine Person im Publikum, die er „anredet“, anfixiert.
„Ich bin ja eh nur noch Teilzeit“, sagt er humorvoll vor den zwei Aufführungen, die ihm als Nachwehen der Pandemie (durch sie verschoben sich die Premieren der neuen Hauptdarsteller) heuer bleiben. Oberstes Motto: genießen!
Das Pandurenlager als Nachschlag
Wie den Abschied nach dem Abschied, schließlich ist am 13. August Pandurenlager, „unser Fest“. Das gut und gerne selbst den Einmarsch dreier Kriegsherren vertrage, schmunzelt Zellmer vielsagend.
Außerdem, und da sind die fünf Spalier-Kathis Angelika Bauer, Christina Schneider, Pia Fichtinger, Vera Schmid und Sophia Hetztl (die das Ganze eingefädelt hatte) an jenem Abend das beste Beispiel: Man gibt vielleicht die Rolle ab, Trenck aber bleibt man (s)ein Leben lang.
Trenck-Saison
Halbzeit: Vier der acht Aufführungen liegen schon hinter der Spielerschar. Am heutigen Samstag steht die fünfte an, Hauptdarsteller: Christian Liegl und Sophia Hetzl. Für die neuen Kathi ist diese die dritte von vier in Folge.
Gelegenheit: Die nächsten Termine sind Donnerstag, 3. August, Samstag, 5. August. Wer Werner Zellmer noch einmal erleben will, sollte sich für den 12. August Karten sichern: Im Tourismusbüro und unter www.okticket.de.

