Radler wollen durch Regensburger Stadtpark – OB will Chaos in Altstadt beseitigen

Von Rainer Wendl · 28. Juli 2023 um 19:00

Eine Diskussion zum Thema Verkehr zwischen Bürgern und der Regensburger Oberbürgermeisterin hatte unerwartete Schwerpunkte.

Die Veranstalter vom Stadtplanungsamt hatten mit ihren zwei Info-Stellwänden am Kassiansplatz den richtigen Riecher. Auf der einen war das Kernnetz der geplanten Stadtbahn erläutert, auf der anderen war das städtische Radrouten-Netz zu sehen. Beide Themen dominierten dann auch das eineinhalbstündige Dialogformat „Stadt im Gespräch“, bei dem sich Bürger am Freitagnachmittag mit Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer über das Thema „Mobilität im Wandel“ austauschen konnten.

Viele Wünsche von Radfahrern

Ein bisschen überraschend dabei: Wünsche und Sorgen von Radfahrern nahmen bei der 90-minütigen Veranstaltung mehr Raum ein als das Mega-Thema Stadtbahn. Noch mehr Fahrradbügel zum sicheren Abstellen, ein schnellerer Ausbau des Fahrradstraßen-Netzes oder auch eine konsequentere Beseitigung von monatelang abgestellten „Fahrrad-Leichen“ gehörten zu den formulierten Forderungen.

Route durch Stadtpark?

Zudem machten Radler auf zu entschärfende Gefahrenstellen aufmerksam: Die Querung der Helenenstraße (beim Alleengürtel)sowie des Unterislingerwegs (beim Brixen-Park) wurde als riskant geschildert.

Ein großes Anliegen der Pedalritter war schließlich die Befahrbarkeit des Stadtparks. Dass Radeln hier verboten ist, weiß kaum jemand – entsprechend groß war kürzlich der Aufschrei, als der Kommunale Ordnungsservice (KOS) Kontrollen durchführte und abkassierte.

Kontrollen im Stadtpark: OB bezieht Stellung

Die Oberbürgermeisterin räumte ein, dass der Ablauf dieses Einsatzes möglicherweise nicht optimal gewesen sein mag. An seiner Berechtigung ließ sie jedoch keinen Zweifel: „Es gibt Grenzen, die Sicherheit von senioren und Familien mit Kindern hat Vorrang.“ Erst nachdem immer wieder Bürger den Wunsch nach einer Fahrrad-Trasse durch den Park vorbrachten, sagte sie eine Prüfung zu.

Die Stadtbahn kam erst nach einer Dreiviertelstunde zur Sprache. Ein Bürger wollte wissen, warum sich die Stadt für ein schienengebundenes System entschieden hat. Sandra Schönherr erklärte, dass eine Stadtbahn im Vergleich zu Bussen die weitaus größere Kapazität in Sachen Personenbeförderung biete – und der Bürger war zufrieden.

Oberbürgermeisterin widerspricht Stadtbahn-Gegnerin

Dann meldete sich Gerlinde Hirtreiter zu Wort. Die bekannte Stadtbahn-Gegnerin aus der Sandgasse führte die Lärmerzeugung und das – aus ihrer Sicht – für ihre Straße viel zu hohe Gewicht der Stadtbahn an und monierte, dass die Stadt diese Bedenken ignoriere. Maltz-Schwarzfischer widersprach energisch: „Es werden selbstverständlich Erschütterungsmessungen durchgeführt und Lärmschutzgutachten erstellt. Wenn sich dabei herausstellt, dass es nicht geht, wird die Stadtbahn nicht durch die Sandgasse fahren. Wir planen die Stadtbahn aber nicht für die Sandgasse, sondern für die gesamte Stadt.“

Für diese Ansage bekam die Oberbürgermeisterin erstmals Applaus. Der zweite, noch größere Beifall des Nachmittags ging auf eine Wortmeldung von Alois Zorzi zurück. Der engagierte Bürger aus Reinhausen erzählte, dass er sich jüngst im französischen Reims von den Aufenthaltsqualität bietenden Vorzügen einer Stadtbahn überzeugen konnte. Vor allem gefiel ihm jedoch, dass im Gegensatz zu Regensburg nicht ständig Autos und Kleinlaster durch die verkehrsberuhigte Altstadt fuhren.

Schluss mit Kuddelmuddel

Diesen Steilpass nahm das Stadtoberhaupt auf und kündigte an, dass hiesige Kuddelmuddel aus Straßenwidmungen und Berechtigungen auflösen zu wollen. „Ein großes Ziel des Verkehrskonzepts für die Altstadt sind einheitliche Regelungen“, lautete das Versprechen, das von den knapp 50 Anwesenden fast schon begeistert registriert wurde.