Regensburg: Ordnungsamt-Kontrolle im Stadtpark überrumpelt Radler

Von Philip Hell · 13. Juli 2023 um 10:00

Eine Kontrollaktion des Ordnungsamts im Stadtpark sorgte gestern für Aufsehen. Mehrere Beamte nahmen am Mittwoch Radfahrer ins Visier, die durch die Grünanlage strampelten. Das Problem: Nur wenige wissen, dass Radfahren im Stadtpark verboten ist.

So ging es beispielsweise der Regensburgerin Karin Mette. Die 79-Jährige war durch den Park unterwegs, um zu einem Arzt-Termin zu fahren, als sie das Ordnungsamt anhielt und ihr eine 15-Euro-Strafe aufbrummte. „Ich fahre immer durch den Stadtpark“, sagt Mette. Die Prüfeninger Straße meidet die Regensburgerin. „Dort wurde ich schon einem von einem anderen Radfahrer angefahren.“ Die Konsequenz aus diesem Unfall war eine Schulter-Operation und eine Erkenntnis: „Ich suche mir sichere Fahrradwege.“ Zum Beispiel durch den Stadtpark. Mette sagt, dass sie dachte, dass unter dem ehemaligen Oberbürgermeister Joachim Wolbergs das Rad-Verbot in den Parks aufgehoben wurde – dem ist aber nicht so, wie sie vom Ordnungsamt erfuhr. Man dürfe nur in bestimmten Parks radeln, wurde ihr dort gesagt.

Parks für Radler tabu

Tatsächlich wurde der Radverkehr unter OB Wolbergs liberalisiert. Ende 2014 entschied der Planungsausschuss, bestimmte Zonen der Altstadt für Drahtesel zu öffnen. Auch durch den Alleengürtel dürfen Radler seither strampeln – aber eben nicht in den Parks. Das regelt Paragraf drei der städtischen Grünanlagensatzung. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Begleitet man ein radelndes Kind, das nicht älter als acht Jahre alt ist, darf man selbst auch in die Pedale treten.

Nur: Ein solches Kind hat nicht jeder zur Hand. Eine Regensburgerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, strampelte beispielsweise gestern Morgen alleine in die Arbeit – „wie jeden Tag.“ Als sie die Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Stadtpark erblickte, grüßte sie freundlich. „Ich dachte mir, die kontrollieren die Fahrtauglichkeit der Räder.“ Sie wähnte sich sicher – an ihrem Drahtesel sei nämlich alles in bester Ordnung, sagt die Regensburgerin. Doch die Ordnungshüter hatten nicht fehlende Katzenaugen oder defekte Lichter im Visier – ihnen ging es um das Rad als solches. „Als ich ankam, standen schon vier andere Radler da.“

Auch von ihr forderten die Beamten 15 Euro. „Sie haben mir offengelassen, ob ich es gleich zahle oder überweise.“ Die Regensburgerin übt Kritik an der Kontrollaktion. Sicherheitsbedenken hat sie nicht. Zumindest nicht, „wenn man vorsichtig fährt.“

Vorschlag nach Strafe

Auch Karin Mette ist mit der 15-Euro-Strafe nicht ganz einverstanden. „Man könnte auch erst einmal eine Verwarnung aussprechen.“ Zukünftig will sie dennoch nicht mehr durch den Stadtpark radeln. „Ich bin eine anständige Bürgerin. Ich halte mich an die Regeln.“

Dafür hat die Regensburgerin allerdings einen Vorschlag: „Warum gibt man nicht einfach einen Weg im Stadtpark für Räder frei?“

Auf Nachfrage sagt die Stadt, dass regelmäßig Beschwerden über rücksichtslose Radler im Stadtpark eingegangen seien. Grund sei unteranderem die Nähe zum Kindergarten und eine mögliche Gefährdung von Kindern.

Kontrollaktionen wie die gestern fänden regelmäßig statt. Man lege dabei Wert darauf, dass die Kontrollen schon von Weitem gut sichtbar sind, teilt die Stadt weiter mit. Dadurch sollen Radler die Möglichkeit haben, abzusteigen. Auf Anfrage sagt die Stadt, dass solche Kontrollaktionen auch in Zukunft regelmäßig stattfinden sollen.