FDP-Kandidatin Ira Hörndler bietet ein Zukunftskonzept für Neumarkt

Von Eva Gaupp · 3. August 2023 um 17:00

Im Stadtrat ist FDP-Politikerin Ira Hörndler Einzelkämpferin. Das hält sie aber nicht davon ab, als Oberbürgermeister-Kandidatin mit vielen Ideen um Stimmen zu werben. Die Entwicklung der Innenstadt liegt ihr besonders am Herzen.

„Ich sehe viele Dinge, die andere übersehen“, sagt die 55-Jährige über sich und macht damit auch gleich klar, was ihr als Oberbürgermeisterin wichtig wäre: Weniger große, teure Leuchtturmprojekte, dafür mehr kleinere Veränderungen. Denn sie ist der Meinung, dass in Neumarkt so manches zu lange aufgeschoben wird. Die Aufwertung der Innenstadt zum Beispiel. Nachdem die Pläne des Architektenwettbewerbs ad acta gelegt worden sind, steht auch der abgespeckte Entwurf der Verwaltung nicht mehr oben auf der Prioritätenliste – weil der Verwaltung das Personal fehlt.

Bürger bei Entscheidungen mitnehmen

„Wer will, findet Lösungen, wer nicht will, findet Argumente“, sagt die promovierte Immobilienfachanwältin und nennt ein Beispiel: Jahrelang habe sich am Unteren Tor nichts getan, weil die juristischen Probleme angeblich nicht zu lösen waren – heute stehe dort der NeueMarkt. „Juristisch kann man fast alles lösen.“

Wenn also ein Projekt nicht voran komme, liege das Problem oft auf emotionaler Ebene. „Die Menschen müssen sich mitgenommen fühlen“, sagt sie. Durch ihre Ausbildung als Mediatorin verfüge sie über die notwendige Erfahrung, auch schwierige Verhandlungen zu führen. „Das muss man lernen.“ Vielleicht hätte so viel früher eine Lösung für das Hitzhaus in der Glasergasse gefunden werden können, das Jahrzehnte lang verfallen ist, mutmaßt die FDP-Politikerin.

Ein Aspekt, den sie auch im Zusammenhang mit den Plänen für das Flugfeld anspricht. Wie sie gehört habe, sei die Kommunikation mit den Grundstücksbesitzern noch „verbesserungsfähig“. Eine mögliche Enteignung auch nur ins Spiel zu bringen, hält sie für ein absolutes Unding – „und juristisch wäre das nie durchgegangen“.

Immobilienentwicklung und Stadtplanung versteht Ira Hörndler als eine ihrer Stärken – habe sie doch als Fachanwältin für Immobilienrecht seit 30 Jahren Erfahrung mit der Planung von Stadtquartieren. Darüber hinaus sei sie ehrenamtlich in verschiedenen nationalen Immobiliengremien aktiv.

Gesamtkonzept für Neumarkt statt einzelne Leuchtturmprojekte

Vor diesem Hintergrund fehlt ihr in Neumarkt ein Gesamtkonzept. Die Aufwertung der Glasergasse mit dem Hitzhaus sieht sie durchaus positiv – aber sie hat den Eindruck, in der Innenstadt würden immer wieder nur einzelne Projekte angegangen – ohne ein Ziel zu haben, wohin sich die Innenstadt als solche hinentwickeln soll. Welche Rolle soll das Areal der Alten Feuerwache hinter dem Münster spielen? Dafür gebe es bisher nur einen groben Entwurf. Der Stadt gehörten mehrere leer stehende Gebäude – was passiere mit denen? Die Hochschule sei „super“, sagt Ira Hörndler. „Aber wie viele Neumarkter studieren dort?“ Und welche Belebung brächten die Studierenden tatsächlich in die Innenstadt?

„Vielen Neumarktern wäre eher geholfen, wenn man mehrere kleine Probleme lösen würde, anstatt das nächste Leuchtturmprojekt anzugehen“, sagt die OB-Kandidatin. Der Altstadt fehle die Aufenthaltsqualität: Die Gehwege zu schmal, zu viel Verkehr auf der Marktstraße, der Park- und Suchverkehr gefährde die Radfahrer. Allein schon deshalb nutzten viele Kinder auf dem Fahrrad den Gehweg. Doch das führe eben immer wieder zu brenzligen Situationen, zählt die FDP-Politikerin auf. „Das Verkehrskonzept der Marktstraße muss unbedingt überarbeitet werden.“

Altstadtnahe Parkplätze könnten durch Parkpaletten entstehen, wie eine in der Sandstraße beim Freibad gebaut wurde. Die Topographie rund um die Altstadt biete sich dafür an, weil so die Parketagen halb im Erdreich verschwänden und nicht zu dominant wirkten. Zudem würde Hörndler sie komplett begrünen.

Mehr Parkplätze in Neumarkts Innenstadt

Ein Standort könnte der Parkplatz gegenüber des Johanneszentrums sein. Ein deutlich sinnvollerer Platz als an der Alten Feuerwache, wie es die CSU in einer Stadtratssitzung vorgeschlagen habe: Denn an der Feuerwache würde der Verkehr in die Altstadt hineingezogen. Am Johanneszentrum könne der Verkehr direkt auf den Ring abfließen.

Ein weiterer Standort wäre in der Mühlstraße denkbar und einen bräuchte es in der Ingolstädter Straße nahe des Bahnhofs – vor allem für Pendler, fährt Hörndler fort. Jetzt, da die Stadt die Gegend planerisch überarbeite, müsse das gleich mitgedacht werden. Wenn ab dem Jahr 2025 jede Stunde ein schneller Zug nach Nürnberg fahre, nutzten sicher noch mehr Pendler die Bahn. Darauf müsse man vorbereitet sein.

Hier finden Sie einen Überblick über die fünf OB-Kandidaten für Neumarkt.

Als überzeugte Radfahrerin – Ira Hörndler besitzt derzeit kein eigenes Auto – betrachtet sie auch den Verkehr in Neumarkt kritisch: „Wir sind eine Autofahrerstadt“. Neben einem lückenlosen Radwegenetz wünscht sie sich deshalb einen attraktiveren ÖPNV. Dass alle Busse sternförmig über den ZOB am Bahnhof verkehren, hält sie für nicht ideal. „Es bräuchte mindestens eine Linie, die die Stadtteile direkt anfährt.“ Sie hält deshalb zwei zusätzliche Ring-Linien für überlegenswert.

Außerdem ist Hörndler ein Fan von autonomen Bussen, wie sie derzeit im Regensburger Gewerbepark erprobt werden. Solche könnten rund um die Altstadt Parkhäuser sowie Park- & Ride-Plätze verbinden. Dann gelangten auch Besucher von außerhalb bequem in die Innenstadt. „Es wäre jetzt an der Zeit, sich mit innovativen Verkehrskonzepten zu befassen.“

Ira Hörndler: OPNV in Neumarkt optimieren

Vor Kurzem habe sie sich mit einem der Flixbus-Gründer unterhalten und nach deren Erfolgsrezept gefragt. „Sie entwickeln die Fahrpläne nach den Wünschen und Anforderungen der Fahrgäste“, gibt Hörndler die Antwort wieder und regt an, in Neumarkt umfassende Umfragen in Auftrag zu geben. „Welche Linien und Zeiten müssten wir bieten, damit die Bürger Bus fahren?“

Geld für diese Projekte gebe es, wenn man weniger für teure Großprojekte ausgebe, rechnet die Juristin vor und stellt infrage, ob es einen Radweg für sechs Millionen Euro hinauf zum Höhenberg brauche. Auch die neue Kita am Wolfstein könnte ihrer Ansicht nach für weniger als die geplanten 8,1 Millionen Euro gebaut werden.

Dann wäre sicher Geld da, um zusammen mit dem Eigentümer, der Familie Ehrnsperger, den Schlossweiher zu sanieren. Nicht nur die Wasserqualität habe aufgrund der eingeleiteten Abwässer extrem gelitten. Inzwischen finde man in den dunklen Ecken regelmäßig Drogenspritzen, sagt Hörndler.

Als Sportlerin und Vorsitzende des Neumarkter Triathlonvereins Windschatten kann sie nicht verstehen, warum die Stadt Neumarkt über keine Richtlinie zur Sportförderung verfüge. Stattdessen orientiere sich die Verwaltung an einem Beschluss aus dem Jahre 1983. Seitdem habe sich die Vereinswelt in Neumarkt stark verändert. Es existierten neue und andere Arten von Vereinen. „Es wäre gut, wenn es eine strukturierte Förderung gäbe, auf die sich die Vereine verlassen könnten.“

Denn die Vereine, davon ist die Mutter eines 21 Jahre alten Sohnes überzeugt, leisteten wertvolle Präventionsarbeit bei Kindern und Jugendlichen. Es sei besser, Geld in Vereine zu stecken, als später für die Jugendhilfe ausgeben zu müssen. Deshalb wäre es ihrer Ansicht nach wichtig, wenn sich die Stadt Gedanken über die Drogenszene in Neumarkt machen würde. „Wir sind eine reiche Stadt, aber wir müssen uns auch eingestehen, dass wir viel Elend haben. Darum müssen wir uns als Stadt kümmern.“