Bürgerbüro: Stadt Regensburg findet nach über drei Jahren die naheliegende Lösung

Von Rainer Wendl · 27. Juli 2023 um 17:00

Die Suche nach einem neuen Standort für das Bürgerbüro Nord geriet im Lauf der Zeit zur Farce – und findet jetzt ein naheliegendes Ende.

Es sind zwei prall gefüllte Aktenordner, die Roland Seehofer auf den Besprechungstisch in seinem Büro stellt. Sie sind mit der Aufschrift „Bürgerbüro Nord“ versehen. „Keine Angst, nicht jede unserer Vermietungen ist mit so viel Aufwand verbunden“, erklärt der Geschäftsführer vom Gewerbepark Regensburg und kann sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Denn dieser Fall war offenbar komplizierter als die meisten anderen und auch ein wenig kurios. Seit dem Placet im Grundstücksausschuss am vergangenen Dienstag ist nun aber ein konstruktives Ende in Sicht: Das Bürgerbüro zieht in den Gewerbepark.

Völlig naheliegend

Diese Standortwahl erscheint völlig naheliegend, wenn die Anforderung „Moderne Dienstleistungsfläche mit Publikumsverkehr im Stadtnorden“ lautet. Dennoch hat es bis zum Vollzug mehr als drei Jahre gedauert. Das erste Schriftstück, das Seehofer im Rahmen dieses Vorgangs eingeheftet hat, stammt aus dem März 2020. Im Lauf der Zeit waren innerhalb des Gewerbeparks verschiedene Flächenvarianten im Gespräch, erst im vierten Anlauf passte es.

Den Zuschlag bekamen jetzt rund 350 Quadratmeter große Räumlichkeiten in prominenter Lage. Sie werden voraussichtlich ab Januar 2024 sieben Beratungsplätze und einen großzügigen Wartebereich bieten und befinden sich an der Donaustaufer Straße, gleich rechts neben der Rotunde, dem markanten Eckbau am Entree des Gewerbeparks.

Auf Farce folgte Debatte

Die Anmietung durch die Stadt freut Seehofer nicht nur aus geschäftlichen Gründen: „Da kommen zwei Dinge zusammen, die einfach prima zusammenpassen. Die Bürger im Stadtnorden bekommen eine wichtige Infrastruktur-Einrichtung zurück, der Gewerbepark bietet dafür den idealen Rahmen mit guter Erreichbarkeit, Parkplätzen, Einkaufsmöglichkeiten oder auch dem Medi-Park.“

Mit besagten 350 Quadratmetern wird das neue Bürgerbüro Nord größer sein als der Vorgänger-Bau beim Alex-Center, der Ende April geschlossen worden ist. Die Stadt hatte den dortigen Mietvertrag bereits vor zwei Jahren gekündigt, musste allerdings zweimal um eine Verlängerung bitten, weil sich die Findung eines neuen Standorts unerwartet lange hinzog. Dem Vernehmen nach waren dafür unter anderem Veränderungen beim Platzbedarf der Grund, zwischenzeitlich hatte die Stadt nämlich auch nach einer Fläche mit 600 Quadratmetern gesucht.

Aufkeimende Debatte

So wuchs sich die scheinbar simple Immobiliensuche zu einer Farce aus, die immer wieder auch die Stadtpolitik beschäftigte – und diese vereinzelt auf ganz andere Gedanken brachte. So stellte Koalitionsmitglied Christian Janele (CSB) öffentlich die Frage, ob künftig die beiden Bürgerbüro-Standorte Stadtmitte und Burgweinting reichen könnten. Er argumentierte dabei mit der eingesparten Miete von rund 10.000 Euro im Monat und auch mit der Zielsetzung der Stadt, immer mehr der im Bürgerbüro angebotenen Dienstleistungen digital zugänglich zu machen.

Andreas Geyer, Leiter des Bürgerzentrums, bezog in dieser aufkeimenden Debatte klar Stellung und pochte auf einen neuen Standort im Stadtnorden. „Auf lange Sicht wird es die Digitalisierung sicher mit sich bringen, dass bestimmte Dienstleistungen weniger nachgefragt sein werden als heute. Aber für die nähere Zukunft sehe ich die Notwenigkeit schon noch“, sagte er in der Mittelbayerischen.

Dezentrale Anlaufstelle

Seehofer pflichtet ihm bei: „Man darf bei aller voranschreitenden Digitalisierung auch die Leute nicht vergessen, die Sprachbarrieren haben oder aufgrund ihres Alters mit der Technik nicht zurechtkommen.“ Als weiterer Grund für eine dezentrale Anlaufstelle im Stadtnorden wurden zudem immer wieder der ökologische Vorteil der eingesparten Wege genannt.

Die Summe dieser Überlegungen führte dazu, dass beim Beschluss des Grundstücksausschusses auch Janele mit an Bord war. „Der Zulauf im alten Bürgerbüro Nord war ja groß, so ehrlich muss man sein. Wir müssen zwar sparen, aber am Service für den Bürger sollten wir nicht sparen. Die Digitalisierung sollte aber unabhängig davon vorangetrieben werden“, bringt er seine aktualisierte Überzeugung zum Ausdruck. Zu Kritik animiert den CSB-Stadtrat lediglich noch die Vorgeschichte: „Kein Mensch kündigt, bevor er nicht einen sicheren Ersatz hat. Das hat uns bei der Suche ganz schön unter Druck gesetzt.“

Doch jetzt ist nach vorne schauen angesagt. „Die Zielsetzung mit der Eröffnung im Januar ist sportlich“, meint Seehofer mit Blick auf lange Bestellfristen und schwer greifbares Fachpersonal. „Vier bis fünf Monate Umbauzeit ist in der aktuellen Situation ein straffer Zeitplan. Da wird es von Vorteil sein, dass wir als Gewerbepark auf einen guten Handwerker-Stamm zurückgreifen können.“

Stadt zahlt für Umbau

Der bevorstehende Umbau ist nicht trivial, im Raum stehen dafür Kosten von gut 400.000 Euro. Für diese Summe kommt die Stadt auf, der Gewerbepark sorgt für die schlüsselfertige Abwicklung. Für mindestens 15 Jahre soll dann – so die Hoffnung aller Beteiligten – das Thema Bürgerbüro Nord wieder gelöst sein.