Behördengänge am Samstag: Braucht es gar kein neues Bürgerbüro Nord?

Kommt die Samstagsöffnung im Bürgerbüro Stadtmitte so bombig an, dass die Anmietung eines neuen Objekts im Stadtnorden überflüssig erscheint? Koalitionsmitglied Janele setzt auf den Standort Stadtmitte als Ersatz , der Amtsleiter widerspricht.
Dem Augenschein nach ist die Umstellung bereits vollends geglückt. 20 Minuten vor Schließung war am vergangenen Samstag der Warteraum des Bürgerzentrums Stadtmitte im Neuen Rathaus noch gut gefüllt. Das kann als Indiz dafür dienen, dass die Verlagerung dieses Serviceangebots angenommen wird. Bis Ende April nämlich gab es diese Samstagsöffnung im seither geschlossenen Bürgerbüro Nord. Für dieses wird nach wie vor ein Ersatzstandort gesucht. Ob es einen solchen überhaupt braucht, wird mittlerweile allerdings infrage gestellt.
Zumindest in der Rathaus-Koalition scheint es erste Zweifel an der Notwendigkeit zu geben. Viel öfter als ihm lieb war, musste sich der Koalitionsausschuss bei seinen montäglichen Zusammenkünften mit dem Thema beschäftigen. Die eigentlich trivial anmutende Suche nach einer geeigneten neuen Immobilie hatte sich nämlich als schwer lösbares Problem entpuppt, gleich zweimal musste die Stadt daher um eine Verlängerung des bereits gekündigten Mietvertrags am alten Standort beim Alex-Center betteln.
10 000 Euro Miete im Monat
Eine lästige Angelegenheit also, die die Koalitionäre aber weiterhin verfolgt. Es sei denn, die Samstagsöffnung in der Stadtmitte kommt so bombig an, dass die Anmietung eines neuen Objekts im Stadtnorden überflüssig erscheint. Zumal auch die fortschreitende Digitalisierung von Dienstleistungen ein erklärtes Ziel der Stadt ist. „Vielleicht brauchen wir das ja gar nicht mehr“, lautet daher die Hoffnung, die dem Vernehmen nach bereits in der Montagsrunde geäußert wurde. Der Wunsch ist nachvollziehbar, schließlich ließen sich auf diese Weise Monat für Monat geschätzte 10000Euro Miete sparen.
Koalitionsmitglied Christian Janele (CSB), von Berufs wegen Experte in Sachen Immobilien, tendiert zu dieser Sichtweise: „Vor zwei Jahren hätte ich noch gesagt, dass wir unbedingt einen neuen Standort im Norden brauchen. Doch jetzt sieht die Sache anders aus. Einerseits müssen wir sparen, andererseits kann man bestimmt die Hälfte der 50 angebotenen Dienstleistungen auch digital vorhalten. Und das wird immer mehr“, sagt er.
Andreas Geyer, Leiter des Bürgerzentrums, rät jedoch von voreiligen Schlüssen ab. „Es lässt sich schon sagen, dass der Samstagsservice grundsätzlich in der Stadtmitte angenommen wird“, wertet er das Besucheraufkommen der ersten sechs Samstage aus. Aber: „Die durchschnittliche Zahl der Dienstleistungen lag um rund ein Drittel niedriger als die im Vorjahreszeitraum im Bürgerbüro Nord nachgefragten Dienstleistungen.“
Laut Geyer dürfe man ohnehin nicht den Fehler machen, nur die Entwicklung der Kundenfrequenz und der Fallzahlen zu betrachten. Nicht weniger wichtig ist für ihn folgender Aspekt: „Das Bürger- und Verwaltungszentrum ist als Objekt mit dieser Ausstattung für eine Samstagsöffnung im Grunde überdimensioniert“, sagt er. Neben wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten wie Stromverbrauch, Heizbetrieb in den Wintermonaten, Reinigung und weiteren Kostenfaktoren rund um den Betrieb seien insbesondere Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen.
Und auch diese gehen laut Schilderung des Amtsleiters dauerhaft ins Geld. Weil die Zu- und Übergänge zu anderen Gebäudeteilen und Innenhöfen im Neuen Rathaus samstags in der Regel nicht frequentiert sind, diese aber zugleich als Fluchtwege dienen und deshalb nicht verriegelt werden dürfen, müssen sie überwacht werden. Da eine lückenlose Kontrolle durch das sachbearbeitende Personal nicht sicherzustellen ist, muss die Stadt dafür externes Personal anheuern.
Aus Kundensicht können die Vorteile von Außenstellen des Bürgerbüros durch die Samstagsöffnung in der Stadtmitte sowieso nicht ersetzt werden, glaubt Geyer: „Mich haben auch schon Leute aus dem Stadtnorden gefragt ,Wo ist denn unser Bürgerbüro?‘“, berichtet er und verweist in diesem Zusammenhang auf kürzere Wege für Stadtteilbewohner, bessere Parkmöglichkeiten im Vergleich zur Stadtmitte, weniger Autoverkehr in der Innenstadt und individuell kürzere Wartezeiten dank der Verteilung auf mehrere Standorte.
Als konkretes Beispiel zieht er den Dienstleistungsbereich des Kfz-Zulassungswesens heran. Hier zeichne sich eine Kundenbewegung in Richtung des Bürgerbüros Burgweinting ab – und das findet Geyer aus zweierlei Gründen logisch: Zum einen handle es sich vorrangig um Umschreibungen von gebrauchten Fahrzeugen, die meistens freitags oder samstags den Eigentümer wechseln – zum anderen dürften gerade bei diesen fahrzeugspezifischen Dienstleistungen die besseren Parkmöglichkeiten beim Bürgerbüro Burgweinting den Ausschlag geben.
Noch länger unverzichtbar
Unterm Strich bleibt Geyer daher bei der Überzeugung, dass es einen neuen Bürgerbüro-Standort im Stadtnorden braucht. „Auf lange Sicht wird es die Digitalisierung sicher mit sich bringen, dass bestimmte Dienstleistungen weniger nachgefragt sein werden als heute. Aber für die nähere Zukunft sehe ich die Notwenigkeit schon noch.“ Ob und wie die Politik diese Einschätzung des Fachmanns teilt, wird sich zeigen.