Eine „Grande Dame“ der Schulen in der Oberpfalz geht mit Veronika Nerud in Bad Kötzting

Es war schon ein ganz besonderer Tag am Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ) der Stadt, so kurz vor den Schulferien. Nicht nur, dass die Sanierungs- und Umbauarbeiten nach Jahren abgeschlossen sind, mit Veronika Nerud galt es, auch die langjährige Direktorin in den Ruhestand zu verabschieden.
„Wir machen heute Party, wie feiern ein Fest!“, so eröffneten die Kinder selbst mit dem Schulsong die Feier – „SFZ, das sind wir“, lautete die Ansage. Mit einem Fotorückblick wurde auf die vergangenen Jahre zurückgeblickt, bevor die stellvertretende Schulleiterin Brigitte Lemberger die Gäste begrüßte. Fast zwei Jahrzehnte lang habe Nerud die Schule in vielen Situationen geprägt, sagte sie.
40 Jahre im Schuldienst
Regierungsschuldirektorin Christina Bergmann warf in ihrer Ansprache einen Blick zurück auf „40 Jahre Veronika Nerud im Schuldienst“. Die scheidende Direktorin sei immer ihren Weg gegangen, der nun ein ganz neuer werde. Aufgewachsen in München, habe sie ihr schulischer und ihr Lebensweg schon bald nach dem Studium nach Cham und schließlich 2004 als Leiterin ans SFZ nach Kötzting geführt. Sie sei als „ausgesprochene Führungsperson anerkannt“, sagte Bergmann. An diesem Tag verlasse eine „weitere Grande Dame der oberpfälzer Schullandschaft“ den Schuldienst. Bei aller Wehmut wünsche sie ihr eine gute Reise auf dem weiteren Lebensweg ohne die Verantwortung der Schulleitung in Bad Kötzting.
19 Jahre Chefin an dieser Schule, 40 Jahre Sonderpädagogik – da müsse sich Veronika Nerud an diesem Tag viel Lob gefallen lassen, meinte Landrat Franz Löffler. Wie wichtig die Sonderpädagogik sei, um jeden Schüler individuell fördern zu können, unterstrich er bei dieser Gelegenheit einmal mehr. Dafür brauche es auch motivierte Lehrer und eine ebenso motivierte Schulleitung, wie es sie in den vergangenen Jahrzehnten gegeben habe.
Rote Rosen zum Abschied
Besondere Spuren an der Schule habe sie bei der frühzeitigen Förderung hinterlassen, zeigte sich der Landrat überzeugt. Darüber hinaus habe ein weiterer Schwerpunkt im Aufbau der offenen Ganztagesschule bestanden, die es bereits seit 14 Jahren am SFZ in Bad Kötzting gebe. Persönlich danke sagte er ihr aber für die Aufnahme der Stütz- und Förderklasse in der Stadt. „Diesen Weg hätten sie nicht mitgehen müssen“, sagte Löffler. Doch dann hätten viele Schüler den Landkreis verlassen müssen – nun seien sie nach den umfangreichen Bauarbeiten in den vergangenen Jahren bestens im Haus in Bad Kötzting und damit im Landkreis aufgehoben.
In einem Sketch erinnerten Schüler und Lehrer an das Fach, das Veronika Nerud übrigens in 40 Jahren am liebsten unterrichtet habe: Mathematik. Dass neben der Frage, was fünf mal vier sei auch noch Fragen rund um den Umbau des Hauses wichtig waren, das wurde bei dieser Gelegenheit auch noch dargestellt. „Für dich soll’s gute Schulen geben, wo sich alle mit Rücksicht begegnen“, sangen die Kollegen anschließend, bevor es nicht nur ein paar Tränen der scheidenden Schulleiterin, sondern für sie zum Schluss auch noch jede Menge roter Rosten gab.
Er selbst verabschiede immer sehr ungern vertraute Menschen, versicherte Bürgermeister Markus Hofmann. „Leider war es dir nun nicht mehr vergönnt, länger diese schönen Räume nutzen zu können“, sagte er – ihr Einsatz in den Jahren der Bauarbeiten bleibe aber einer ihrer vielen großen Verdienste rund um das Sonderpädagogische Förderzentrum in Bad Kötzting.
Verena Mühlbauer vom Elternbeirat bedankte sich nach einer Zirkus-Einlage der Kinder für die Zusammenarbeit und überreichte einen Rosenstock für den heimischen Garten, wonach es einen Rückblick in Gedichtform vor allem auf die Zeit der Corona-Pandemie gab.
Sichtlich gerührt zeigte sich Veronika Nerud bei ihrer Ansprache. „Viel Lob habe ich heute bekommen, nur meine Schwächen sind alle verschwiegen worden“, sagte sie. Sie räumte aber auch ein, dass sie nach dem Abitur nicht gleich gewusst habe, ob sie Mathematik oder Jura studieren solle. Ein Praktikum in der Sonderpädagogik habe sie zufällig auf diesen Weg gesetzt. Respekt und Achtung für alle Menschen, das sei es gewesen, was im Studium vor allem vermittelt worden sei.
Dass die Oberpfalz nicht ihr erstes Wunschziel gewesen war, das räumte sie auch noch ein. Heute sei sie froh darüber, habe sie hier doch nicht nur ihr berufliches, sondern auch ihr privates Glück gefunden. „Deshalb bin ich rückblickend der Regierung der Oberpfalz dafür dankbar, mich in das mir damals unbekannte Cham versetzt zu haben“, sagte sie. In der Stadt Bad Kötzting habe sie festgestellt, dass das SFZ nicht nur akzeptiert, sondern die Arbeit geschätzt und auch gewürdigt werde, was sich auch in den umfangreichen Bauarbeiten der vergangenen Jahre gezeigt habe. Die wichtigsten Menschen an der Schule, versicherte sie zum Schluss, das seien aber immer die Kinder gewesen und würden es auch in Zukunft bleiben.


