Regensburger Stadtwerk kämpft für Hallenbad-Sanierung

Das Regensburger Hallenbad in der östlichen Innenstadt muss 2025 schließen. Ein Teilneubau würde den Stadt-Haushalt jahrelang belasten, das Stadtwerk will ihn trotzdem.
In der Zeißstraße im Stadtosten wächst gerade der Sportpark samt Ostbad. 2025 soll er eröffnen, und die Frage, was dann mit dem Hallenbad in der östlichen Innenstadt passiert, war bislang offen. Das soll sich in dieser Woche ändern: Das Stadtwerk präsentiert seinem Aufsichtsrat und dem Stadtrat seinen Plan für die „Zukunftssicherung“ des Hallenbads. Obwohl die Stadt sparen muss, empfiehlt die Stadttochter den Gremien eine Sanierung samt Teilneubau – um die in Regensburg dringend benötigten Wasserflächen für Schwimmunterricht und -sport zu schaffen.
Das Hallenbad wurde Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk zufolge 1955 erbaut. „Die letzte Sanierung und Modernisierung fand Anfang der 90er Jahre statt.“ Dass das Bad im aktuellen Zustand bald das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht, war schon bisher bekannt. Jetzt berichtet die Geschäftsführung des Stadtwerks den Stadträten: Das abschließende Ergebnis mehrerer Studien zeige, „dass das Hallenbad spätestens 2025 geschlossen beziehungsweise saniert werden muss“; länger sei es aus Gründen der Statik und des Brandschutzes nicht für den Weiterbetrieb zugelassen.
Das Bad aufzugeben ist allerdings ist für das Stadtwerk keine Option – und für die Mehrheit des Stadtrats derzeit ebenso wenig, auch wenn das Projekt den Haushalt über Jahre belasten würde. Der vom Stadtwerk vorgeschlagene Teilneubau inklusive eines zusätzlichen Anbaus für ein Lehrschwimmbecken würde einer Kostenprognose zufolge mit 18,8 Millionen Euro zu Buche schlagen. Das Stadtwerk spricht sich damit sowohl gegen die bloße Sanierung für voraussichtlich 12,1 Millionen Euro aus als auch gegen einen kompletten Neubau für 18,8 Millionen Euro. Der Teilneubau würde ab einem möglichen ersten Betriebsjahr 2028 für das Stadtwerk ein zusätzliches Minus zwischen einer Million und 1,4 Millionen Euro bedeuten. Aktuell allerdings bittet das Stadtwerk die Gremien allerdings lediglich um circa eine Million Euro Planungsmittel. Die will es bereitstellen, indem es die Sanierung und Neukonzeption des Kinderbereichs im Wöhrdbad verschiebt.
Teilneubau hat Rückhalt im Stadtrat
Sowohl in der Rathauskoalition, die erst am Wochenende über das Investitionsprogramm 2023 bis 2027 beriet, als auch in den größten Oppositionsfraktionen findet das Projekt Rückhalt. CSU-Fraktionschef Jürgen Eberwein bezeichnet es als „fast ein Muss“: „Aus meiner Sicht kommen wir nicht drum herum.“ Thomas Burger, Fraktionschef des Koalitionspartners SPD, nennt den Vorschlag des Stadtwerks „einen sehr gut gelungenen Kompromiss vor dem Hintergrund, dass wir auch dringend die Wasserflächen brauchen“. Zudem gehe es vorerst nur darum, eine Planung auf die Schiene zu setzen, noch nicht um einen Bau-Beschluss.
Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet sagt: „Wir waren immer für den Erhalt des Hallenbades an diesem Standort.“ Er nennt die vorgeschlagene Lösung „vernünftig“. Brücke-Stadtrat Thomas Thurow bezeichnet den Erhalt des Bades als „Teil der Daseinsvorsorge“ und „unbedingt nötig“.
Das Stadtwerk argumentiert: Seit Jahren steige der Bedarf an Wasserflächen in Regensburg, während sich das Angebot seit den 80ern nicht nennenswert vergrößert habe. Die Bevölkerung sei gewachsen und der Bedarf an Schwimmaus- und Weiterbildung, der derzeit aber nicht gedeckt werden könne.
Hoher Nichtschwimmeranteil in allen Jahrgangsstufen
Dabei sei der Nichtschwimmeranteil unter Schülern aller Jahrgangsstufen hoch. Unter Drittklässlern liegt er dem Staatlichen Schulamt zufolge bei mehr als einem Drittel: Im zu Ende gehenden Schuljahr seien vor dem Projekt „Schwimmen intensiv“ 964 Schüler aus 104 dritten Klassen Nichtschwimmer gewesen; 78 Prozent hätten in der Woche schwimmen gelernt.
Aktuell liege die Wasserfläche pro 1000 Einwohner in Regensburg zehn Quadratmeter unter dem Schnitt von 22 analysierten Kommunen, berichtet das Stadtwerk: Durchschnittlich gebe es im Umland der Domstadt und in vergleichbaren Städten 46,8 Quadratmeter Wasserfläche pro 1000 Einwohner – in Regensburg 37,3. Selbst nach der Eröffnung des Ostbades würde Regensburg hinterherhinken, so die Stadtwerk-Geschäftsführung in der Beschlussvorlage für die Stadträte: „Eine Schließung des Hallenbades würde diese Situation verschärfen.“
Das neue Investitionsprogramm
Termin: Die Mitglieder der Koalition trafen sich am Samstag mit Vertretern der Stadtverwaltung um Kämmerer Georg Stephan Barfuß zum Austausch über das Finanzpaket bis 2027.
Ablauf: Die Teilnehmer berieten über eine Liste mit Projekten ab einer gewissen Größe. Vor allem ging es jeweils um die Frage, wie problematisch es wäre, sie zu unterbrechen oder zu verschieben, so berichten es mehrere Mitglieder der Koalition – etwa weil sie begonnen sind oder Fördermittel auf dem Spiel stehen. Entscheidungen sollen erst nach der Sommerpause fallen.