Waldkindergarten-Standort ungeeignet: „Dachse“ siedeln nach Frauenwahl um

Von Alexandra Nurtsch · 23. Juli 2023 um 11:13

Die Herrnwahlthanner Dachse bekommen ein neues Zuhause. Nachdem die Kommunale Unfallversicherung (KUVB) ihr Veto gegen den Waldkindergarten-Standort bei den Huber-Weihern südlich der Autobahn eingelegt hat, ist die Gemeinde bei Frauenwahl fündig geworden.

„Der Gemeindewald ist super dafür geeignet“, schwärmt Bürgermeister Johannes Brunner. Auch Kita-Leiterin Michaela Krüger ist begeistert. „Der neu ausgewählte Wald ist viel attraktiver und es gibt mehr Möglichkeiten zum Erkunden.“ Dass der ursprünglich geplante Wald nicht geeignet sei, habe sie und ihr Team schon frustriert. „Manchmal geht es einen Schritt zurück, bevor es zwei Schritte vorwärts geht.“

Wassergräben zu tief

Der Grund für das Veto liege in den dort einsehbaren Gräben, in denen das Wasser höher als 20 Zentimeter stehen könnte, erklärt Brunner. Im Gemeinderat hatte es bereits im Vorfeld immer wieder Kritik an dem Gelände gegeben, da es dort nach Ansicht einiger Räte zu feucht sei.

Nach dem Nein der KUVB musste sich die Gemeinde erneut auf die Suche nach einem geeigneten Standort für die Waldkindergartengruppe begeben, denn die läuft gut. Immer wieder schnupperten Kinder in der Waldgruppe und mittlerweile gebe es auch für die Dachse eine Warteliste, sagt Krüger. Wenn die Dachse in „ihrem“ Wald sind, sollen 22 Kinder aufgenommen werden. Momentan bietet die Gruppe Platz für 15 Kinder. Geleitet wird die Gruppe von Susanne Bilecki, die von Jessica Wießmann unterstützt wird. Ab September wird zusätzlich eine Berufspraktikantin in der Waldgruppe im Einsatz sein.

Neuer Standort „sehr geeignet“

Bei der Suche nach einem geeigneten Standorten prüfte die Gemeinde ein Waldstück nahe Buch, das jedoch zu einem Drittel aus Eichen bestehe und aufgrund des Prozessionsspinners ungeeignet sei, sagt Brunner. Der Wald beim Sportplatz, wo die Kinder immer ihre Waldtage verbringen, sei mit reinem Fichtenbewuchs „zu fad“.

Beim Gemeindewald in Frauenwahl sei „alles da“, sagt Brunner. Der Standort sei von allen Ortsteilen gleich erreichbar, es gebe Löschwasser vor Ort, ausreichend Platz zum Parken während der Bring- und Abholzeit und die Aussicht sei toll. „Der neue Standort ist durch die verschiedenen Bäume und dem abwechslungsreichen Gelände für das pädagogische Arbeiten im Wald sehr geeignet“, sagt Krüger. Im Vergleich zum ersten Grundstück sei es in Frauenwahl ruhiger.

Baumhaus statt Freisitz

Auf dem Areal gegenüber der Autobahn war ein Freisitz geplant mit Lager und Geräteschuppen. Am neuen Standort sich laut Brunner „eine Art Baumhaus auf Stelzen“ in die natürliche Umgebung einpassen. „Das wird cool.“ Dort können die Kinder spielen, malen und basteln. Auch der bereits gekaufte Bauwagen wird am neuen Standort eingesetzt. Dafür wird er vergrößert und umgebaut und erhält einen zweiten Fluchtweg. Er dient den Kindern als Wärmestube.

Wann die Dachse umziehen, steht noch nicht fest. „So schnell wie es geht“, sagt Bürgermeister Brunner, der Herbst anpeilt. So lange bleiben die Kinder in ihrem „Dachsbau“ in ihrem Kita-Garten. „Für die Kinder ist das überhaupt kein Thema, sie kennen den Tagesablauf genauestens und freuen sich auf die Ausflüge, bei denen situationsorientiert viel erforscht wird“, sagt Krüger.

Ein „Rechtlerholz“

Der Gemeindewald bei Frauenwahl ist ein so genanntes „Rechtlerholz“. Das heißt, bestimmte Frauenwahler Bürger haben das Recht, den Wald zu bewirtschaften und dort Holz zu schlagen, erklärt Bürgermeister Brunner. Das Vorhaben sei mit den Rechtlern abgestimmt worden, da sie während der Kita-Öffnungszeiten nicht überall Holz schlagen könnten.

Laut Brunner seien die Rechtler damit einverstanden. Auch der Waldnachbar habe seine Zustimmung zur Waldgruppe signalisiert.

Auf die Dachse warten im Gemeindewald verschiedenste Bäume sowie ein abwechslungsreiches Gelände.