Ein Hoch auf die Jubi: Festakt als Auftakt zum Jubiläum 35 Jahre Bildungsstätte

Von Petra Schoplocher · 21. Juli 2023 um 17:00

Nur ein Handgriff. Fenster schließen ob der Geräuschkulisse da im Innenhof. Theoretisch unscheinbar, in Wirklichkeit aber Sinnbild all dessen, was 35 Jahre Jugendbildungsstätte Waldmünchen bedeuten: Lernen, Lachen, Laune, Lautstärke. Und: Eine Großzahl junger Menschen, die ein paar Tage Waldmünchen unglaublich weiter gebracht haben.

Jugendliche wie die, die gerade Volleyball spielen, während Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler der Einrichtung bescheinigt, stets am Puls der Zeit zu sein; über eine unvergleichliche Kaderschmiede zu verfügen; die werteorientierte Jugendarbeit leiste; die es verstehe, am Puls der Zeit zu sein und aktuelle Themen in handhabbare, attraktive Formate zu gießen.

Ascherl, Girmindl, Eiber

Der Festakt zu 35 Jahren Jugendbildungsstätte, zugleich Auftakt in die Jubiläumsfeierlichkeiten, er ist geprägt von Ehrfurcht vor den Ideengebern und Visionären, aber auch der Hochachtung den heutigen Programmmachern gegenüber. So finden sich der aktuelle Leiter Johannes Himmelhuber und sein Vorgänger Alois Nock in einer Reihe mit KAB-Präses Johann Ascherl, Landrat Ernst Girmindl und Senator Heinrich Eiber, die „Konstrukteure“ der Einrichtung, die es – Löffler wird deutlich – ohne dieses Dreigestirn nicht gebe.

Dreigestirn mit Weitsicht

Sie hätten Weitsicht bewiesen, an Perspektiven geglaubt und Verantwortung übernommen, zollt der Bezirkstagspräsident Respekt und erinnert an die Ursprungskombination, dass die KAB familienprägende Aufenthalte bieten und der Landkreis das ehemalige Pflegschloss in gute Hände geben wollte. „Besser hätte es gar nicht zusammenpassen können.“ Das galt damals, das gilt heute.

Bezirk als Lebensretter

Auch er und sein „Haus“ geraten wenig später in Lobes-Fokus. „Das Engagement des Bezirks war für uns überlebensnotwendig“, beteuert Johannes Himmelhuber. Denn mit Bildungsarbeit Geld verdienen, „naja...“. Es sei ein Luxus, nicht jeden Tag Existenzängste zu haben, was helfe, das (sehr gut) zu tun, was die Jubi auszeichnet.

Am Puls der Zeit

Allen voran, so sind sich Löffler und Bürgermeister Markus Ackermann einig, „der unglaubliche Wert der hier geleisteten Bildungsarbeit“. Weil Themen schnell und sensibel erkannt werden, Stichwort Umweltbildung, Stichwort Medienarbeit. Und weil sie pädagogisch und methodisch ansprechend „verpackt“ werden.

Wie das praktisch von statten geht, erklärt Jubi-Chef Himmelhuber. Kurzfassung: Herkommen, machen. Oder: Informieren, kritisch hinterfragen, eigene Schlüsse ziehen, „wir lehren hier kein richtig oder falsch“. Der Reflektionsrahmen sei die Gruppe, Vorteil zudem ein Losgelöstsein von Strukturen wie einem Pausengong, ohne Ablenkungen.

Eigene Angebote

Das eigene Bildungsangebot, es war nie Beiwerk. „Alles beruht auf Freiwilligkeit, also müssen wir attraktiv sein“, skizziert Himmelhuber. Rund die Hälfte der 9500 Gäste jährlich kommt wegen und für Jubi-Inhalte. Tendenz steigend, weil vormals klassische Angebote wie Wochenend- oder Jugendfreizeiten immer weniger werden. „Da müssen wir gegensteuern.“

Grenzlage als Chance

Franz Löffler nennt dies „Kaderschmiede“ und sieht darin einen Wert der Einrichtung. Ein anderer: Die Lage. Grenznähe, Natur... „Hier haben wir viel zu bieten, das Ballungsräume nicht haben“, zeigt er sich überzeugt, wohl wissend, dass sich andere Häuser um das Prädikat „Jugendbildungsstätte des Bezirks“ beworben haben.

Weiterer Erfolgsfaktor und „Glücksfall“: die wohl einmalige Trennung zwischen Bau- und Betriebsträgerschaft. Die stelle sicher, dass der Gestalter sich nicht um die Riesenimmobilie kümmern müsse (das macht im Fall Waldmünchen der Zweckverband mit Stadt und Landkreis), sondern sich auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren könne.

1300 Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben

Rund 1300 Jugendliche pro Jahr durchlaufen in der Jubi Berufsvorbereitungstage, einer der Schwerpunkte. Andere neben der Umweltbildung: Grenzüberschreitende und politische Arbeit, Medienpädagogik, Technik, Theater. Rund 150 000 Teilnehmern, schätzt Johannes Himmelhuber, sind in 35 Jahren in der Jubi zu Gast gewesen. „Und alle haben positive Eindrücken aus Waldmünchen mitgenommen“, verdeutlicht Markus Ackermann die Bedeutung des Hauses für die Stadt. „Eine beste Visitenkarte, die Jubi kennt dank ihrer hervorragenden Arbeit jeder.“

Lesen Sie hier: Schwerpunkt Umweltbildung

Die inhaltliche Ausrichtung sei prämienmäßig und punktgenau, „ihr habt wirklich ein Händchen“, lobt er Himmelhuber und dessen Vorgänger, der über 30 Jahre in der Verantwortung stand. Hinzu käme ein Mannschaftsgeist, der seines gleichen suche, das Ambiente als attraktivem Lernort und die Tatsache, dass weitere Zahnräder wie Verpflegung auf höchstem Niveau ineinander greifen. „So kann es die nächsten 35 Jahre weitergehen.“ Die wohl schönste Geburtstagskombination aus Gratulation und (Glück)Wunsch.

ECKDATEN

Anfänge: Im Oktober 1983 eröffnete das Jugendhaus unter Federführung von KAB (Katholische Arbeitnehmer Bewegung) und CAJ (Christliche Arbeiterjugend).

Anerkennung: Die Sozialverbände ernannten das Haus mit seiner langen Geschichte fünf Jahre später zu ihrer Jugendbildungsstätte. Der Bayerische Jugendring schloss sich an, der Bezirk 1995.

Aufstockung: Seit 2019 fungiert der Bezirk als Hauptgesellschafter.

Auszeichnung: Zu Jahresbeginn 2013 erhielt das Haus das Qualitätssiegel „Umweltstation“.

Aufgemerkt: Das Jubiläum soll mit einem Familien- und Begegnungstag oder auch Tag des Offenen Schlosses am Sonntag, 14. Oktober, gefeiert werden.

Offizielles Jubiläumsfoto: (von rechts) Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Corinna Scheibenzuber von der CAJ, Jubi-Leiter Johannes Himmelhuber und Bürgermeister Markus Ackermann.
Zeitgleich 1: Während in der Aula der Auftakt zu „35 Jahre Jugendbildungsstätte“ gefeiert wurde, tat Lena Rüger ein Stockwerk tiefer genau das, was die Einrichtung (auch) ausmacht. Ihr Thema: Umweltbildung.
Zeitgleich 2 oder das Gespür macht‘s. Wer Jugendlichen abseits von ihrem Alltag, von festen Strukturen für Themen begeistern möchte, muss auch Raum (oder ein Volleyball-Feld) bieten.