Kultur als Begegnung: Ideen aus Waldmünchen für ganz Deutschland

Menschen mit guten Ideen zusammenbringen: Das ist kurz gefasst die Mission der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS). Deren jüngste Ideen-Reise – der Name ist Programm – führte rund 25 Teilnehmer aus der ganzen Republik in die Region. Untertitel: Wie Kultur Begegnung schaffen kann.
Und wie sie das schafft. Zumindest in Waldmünchen, Grafenried, Blaibach und Schönsee, allesamt „Haltestellen“. Beeindruckende, so der externe Tenor, und mit einem auffallenden verbindenden Element: unglaubliches, ehrenamtliches Engagement.
Musterbeispiel eins: Das Trenckfestspiel. Manchem Tagungsteilnehmer fiel die sprichwörtliche Kinnlade herunter, als „Reiseführer“ Stefan Kämper, stellvertretender Leiter der DVS, mit dem Hinweis auf 300 Mitwirkende dieses kulturelle Begegnungselement in den Fokus rückte. Und mit ihm die „neue“ Tribüne.
Am Ende der westlichen Welt
Zu der – und der Gesamtgemengelage – gab Bürgermeister Markus Ackermann eine Einordnung . 45 Jahre am Ende der westlichen Welt, mit nur drei Himmelsrichtungen und der Folge: Abwanderung, keine Investitionen, keine Innovationen, keine Kaufkraft. Dafür Strukturschwäche, aus der sich Waldmünchen nunmehr auch dank zahlreicher Förderkulissen herausgearbeitet habe. Die Festspieltribüne, für deren Sanierung das Bundesbauministerium 800 000 Euro „springen“ ließ, sei ein Beispiel dessen, was man aus eigener Kraft nicht schultern könnte.
Herzstück Festspiel
Einen Einblick in deren Herzstück, dieTrenckfestspiele, gaben Regisseurin Yvonne Brosch, Vereinsvorsitzender Martin Frank und Josef Bacherl als langjähriger Akteur. Und sie waren ordentlich gefordert, gab es doch etliche Nachfragen. Finanzierung, Auswahl der Schauspieler, . Zuvor hatte Frank schon auf die Bedeutung der Aufführungen für die Stadt hingewiesen. „Ein Heimat-Anker“ und oft nicht unschuldig, wenn (junge) Leute nach Studium oder einigen Jahren in größeren Städten zurückkehrten. Oder als Integrationsfaktor für Neubürger.
Zielgruppe Tschechen
Nicht ganz so gut gelang oder gelingt es, das tschechische Publikum anzusprechen, was allerdings erklärtes Ziel ist. Auch da hätten es Zuschüsse ermöglicht, das Stück auf Tschechisch einzusprechen, sodass Besucher aus dem Nachbarland über Kopfhörer das Geschehen verfolgen können.
Ein Ansatz, der Yvonne Brosch nicht gefällt. Sie hätte ein Programmheft bevorzugt, der Atmosphäre und Sprachmelodie wegen. „Einer Oper auf Italienisch kann ich ja auch folgen.“
Kribbeln beginnt im Mai
„Das Kribbeln kommt Ende Mai“, beantwortete Josef Bacherl indirekt Kämpers Frage, ob es, grundsätzlich und speziell nach nach der Pandemie, schwierig (gewesen) sei, die Mitwirkenden zu motivieren. Martin Frank ergänzte, dass „alle mit Feuereifer dabei“ seien, dieTrenckfamilieals genau solche bezeichnet werden müsse und „wir wie Pech und Schwefel zusammenhalten“.
Marie-Luise Segl vom Kulturreferat des Landkreises verwies auf eine stete Annäherung der Museen dies- und jenseits der Grenze, viele Verknüpfungen und ein „erkennbares Zusammenwachsen“. Das Trenck-Festspiel sei ein grandioser Werbe- und Imageträger– wie alle Festspiele im Kreis und andere Traditionen. Sie alle seien vor allem auch eines: identitätsstiftend. Und „Ausdrucksmittel hier, wo Kultur nicht nur konsumiert, sondern initiiert“ werde.
Grenzen, die keine mehr sind
Ein perfektes Stichwort für Ines Niedziella, die als Projektmanagerin den Mehrwert des Aktionsbündnisses Cerchov plus veranschaulichte.Seit über 20 Jahren sei das Bündnis interkommunal und grenzüberschreitend mit mittlerweile 70 Partnern unterwegs, um Vorhaben zu verwirklichen, grenzüberschreitende wie die Lebensachse Schwarzach. „Ein Fluss stoppt nicht an einer Landesgrenze.“
Musterbeispiel Jugendbildungsstätte
Grenzübergreifende Kulturarbeit betreibt auchdie Jugendbildungsstätte, deswegen war deren Leiter Johannes Himmelhuber eingeladen. Zumal auch deren Betrieb samt Erweiter- und Bereicherung um die Seminarräume im ehemaligen Gasthaus Kamm eine Förderkulisse darstellte, wie Markus Ackermann unterstrich. Himmelhuber meinte, dass der Ort Waldmünchen mit seiner Lage schon alleine Verpflichtung sei. Je früher sich junge Menschen mit Kultur und Sprache auseinandersetzen würden, desto größer wären die Erfolgsaussichten – Stichwort Miteinander, Stichwort europäische Idee.
Berührende Momente in Grafenried
Die erlebte nach dem berührenden, „zeitgeschichtlich sehr facettenreichen“, stimmungsvollen und beeindruckenden Besuch im verschwundenen Dorf Grafenried ein weiteres „Sahnehäubchen“ . Zumindest fasste Stefan Kämper seine und die Wahrnehmung anderer im Konzerthaus Blaibach später derart zusammen. Auch dort lautete das Schlüsselwort Engagement. „Beeindruckend, wie die Gelegenheit dort beim Schopf gepackt wurde.“
Ehrenamtliches Engagement. Es dürfte ohnehin das sein, was die Teilnehmer mit als intensivsten Impuls mitgenommen haben. Denn ohne dies, es gäbe kein Trenckfestspiel, es gäbe kein Grafenried, wie wir es heute kennen. Kultur, Begegnung, Inspiration, das alles dürften sie mitgenommen haben, von der Ideenreise Nummer sieben.
RUND UM DIE IDEENREISEN
Partner:Trafo, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, und die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) stehen gemeinsam für und hinter den Ideenreisen. Die an die bayerisch-böhmische Grenze ist die siebte ihrer Art.
Programm:Im Foyer der Tribüne erfuhren die 25 Teilnehmer Wissenswertes rund um das Festspiel. Im Anschluss ging es ins verschwundene Dorf nach Grafenried. Abends stand an Tag eins ein Besuch des Konzerthauses Blaibach an. Am Mittwochvormittag war der Landkreis Schwandorf Gast- und Impulsgeber. In ihm standen das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee, Land-Art Projekt sowie der Pascherverein mit seinem Theater im Fokus.
Teilnehmer:Die Mischung war bunt und reichte von Regionalmanagern über Bürgermeister, Museumsmitarbeiter, Künstler, Vorsitzende von (Dorf)Vereinen bis zu Vertretern von Ämtern mit Bezug zu ländlicher Entwicklung oder Kult


