Folgen der Juni-Stürme: Borkenkäfer findet in Waldmünchner Wäldern viel geschenktes Fressen

Holzpolter, so weit das Auge reicht. Sie machen Forstdirektor Arthur Bauer Mut, zeigen sie doch, dass viele Waldbesitzer im Raum Geigant die Schäden der Juni-Stürme bereits aufgearbeitet haben. Aber: Es stehen noch zu viele Fichten, liegen noch zu viele Wipfel in den Beständen herum, „gefundenes Fressen“ für den Borkenkäfer. Der Wettlauf gegen die Zeit, er hat begonnen.
Die Uhr tickt: Noch zwei Wochen, sagt der Bereichsleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham mit Sorgenfalten. Plusminus 14 Tage, bis die erste 2023er-Borkenkäfer-Generation ausfliegt und umstehende Bäume, gelagerte Stämme oder fängisches Material befällt. Berechnet ab den ersten warmen Tagen des Jahres, wenn der Schädling seine Aktivitäten startet. Kennt man dessen Vermehrungspotenzial – von einer Fichte aus werden 20 weitere befallen, was beim Weiterrechnen 400 bedeutet –, sind Bauers Befürchtungen nachvollziehbar.
Jeder Baum zählt
Der macht sich weniger Sorgen um die größeren Flächen. Für die seien Harvester und Rückewagen längst gebucht, viele Festmeter zum Transport ins Sägewerk bereit. Es ist vielmehr der einzelne (übersehene) Baum, die (von ihm ausgehende) unterschätzte Gefahr oder Nachlässigkeit („bei mir wird schon nichts sein“), die Bauer umtreibt. „Davon kann eine Initialzündung für den Borkenkäfer ausgehen“, mahnt er.
Brisante Kombination
Denn die Kombination aus derzeit herrschender Hitze und Trockenheit, sie ist Idealbedingung für Kupferstecher und Buchdrucker. Durch zu geringe Wasserzufuhr ist die Fichte geschwächt, sie kann dem Borkenkäfer nichts mehr entgegensetzen, vereinfacht: Ihr Abwehrmechanismus (Bildung von Harztropfen) funktioniert nicht mehr. Hinzu kommt die „Methode“ des Borkenkäfers, dessen Larven und Jungkäfer sich zwischen Borke und Splintholz durch den Bast fressen und dadurch die lebenswichtigen (Wasser) Leitungsbahnen durchtrennen.
Tausende Festmeter Schadholz
Mehrere tausend Festmeter allein in Raum Waldmünchen/Geigant sind betroffen, im Privat- wie im Staatswald (für den sogar fünfstellige Zahlen kursieren) und „zu 90 Prozent Fichte“, schätzt Bauer. Das macht den Unterschied zu dem Schneebruch im Februar aus, bei dem es vor allem die Kiefer erwischt hat und der größtenteils aufgearbeitet ist.
Getroffen hat es am 21./22. Juni auch den Raum Schorndorf, weiß der oberste Förster des Landkreises, wenn auch nicht so gravierend. Doch die Zeit, sie drängt auch dort.
Sorgenvoller Blick in den Landkreis
Und insgesamt im Landkreis? Nicht gerade rosig, ist die Umschreibung, die der Fachmann wählt. Konkret: Steigende Populationen, zunehmender Befall. Ob er das Zitat eines renommierten Instituts, auf Deutschland rolle eine neue Borkenkäferwelle zu, übernehmen möchte, Bauer ist unentschlossen. Fakt sei aber, dass es in diesem Jahr sehr schlimm werden könne. „Gefühlt“ sei es seit Mitte April trocken, die Ausgangszahl der überwinterten Käfer, die im Frühsommer „starten“ konnte, sehr groß.
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Das zweite große Thema, das Arthur Bauer neben dem Appell „in kurzen Intervallen kümmern, nachschauen, kontrollieren, handeln“ einfällt, ist das der Arbeitssicherheit. Gerade die Bäume, die nach den starken Winden gebogen unter Spannung stehen, hätten es mitunter in sich und würden unterschätzt – „da besteht wirklich Lebensgefahr“, will er wachrütteln.
Er rät (grundsätzlich), derartige Schadensbilder Profis zu überlassen. Ein tödlicher Unfall bei einem Harvesterfahrer? Nicht, dass sich Bauer erinnern könne. Und auch wenn der Maschineneinsatz koste: sicher nicht viel im Vergleich zu einem Menschenleben.




