Borkenkäfer in Waldmünchen: Gefährdungsstufe rot – Forstdirektor appelliert

Es sind erst wenige warme Tage, und doch leuchtet die Borkenkäfer-Warnstufe schon rot. Entsprechend schlecht ist es um die Gemütslage von Forstdirektor Arthur Bauer bestellt. „Es könnte sehr schlimm werden.“ Grund: Zu den Altlasten „gesellt“ sich heuer ein weiterer Risikofaktor.
Wo immer Bauer und seine neun Förster derzeit im Landkreis unterwegs sind, über ein Motiv stolpern sie in jedem Winkel. Äste, Baumwipfel, Bruchstücke, kurz fängisches Material am Waldboden, Überbleibsel von Schneebrüchen und zusätzlicher Brutraum. Zusammen mit der der hohen Ausgangspopulation des Schädlings, der in den oberen Bodenschichten überwintert hat, der Trockenheit und Hitze des Vorjahres sowie den nun sommerlichen Temperaturen ein echtes Pulverfass.
Die unterschätzte Gefahr
Viele Waldbesitzer würden die Lage noch immer unterschätzen, weiß Bauer. Weil ihnen nicht bewusst sei oder sie nicht wahrhaben wollen, welchen immensen Schaden eine einzelne befallene Fichte anrichten kann, die stehenbleibt. Von der aus werden bis zu 20 Bäume befallen. Und 20 mal 20 sind schon 400, rechnet der oberste Förster des Landkreises vor.
Hinzu kommt eine weitere Fehleinschätzung. Der Buchdrucker ist nicht besonders wählerisch, was die Dicke von Ästen oder Stämmen betrifft. Bedeutet: „Ab Armdicke“ muss alles an Fichte aus dem Wald – mit mindestens 500 Metern Abstand. Und das schnell.
Denn: Je höher die Durchschnittstemperatur, desto schneller entwickelt sich der Käfer. Geht man davon aus, dass sich die Käfer, die in den oberen Bodenschichten überwintern, am ersten warmen Maiwochenende in das am Boden liegende Material eingebohrt haben, ist Anfang, Mitte Juni mit dem ersten „Stehendbefall“ zu rechnen. Darunter versteht der Fachmann, dass lebende Bäume betroffen sind.
„In vielen Bereichen läuft die Aufarbeitung gut“, ist es dem Forstdirektor ein Anliegen, die Waldbesitzer zu loben. Die Mehrheit sei wirklich dahinter und würde auch mal einen Blick rechts und links werfen.
„Übersehen ist keine Schande“, appelliert er zudem, sich nicht über den Nachbarn zu ärgern, der auf einen Käferbaum aufmerksam macht, sondern dies als freundschaftliche Geste zu sehen. Im Kleinen wie im Großen gelte: Nur gemeinsam gibt es eine Chance, eine Eskalation zu verhindern.
Ein langer, harter Kampf
Bauer weiß, dass der Kampf gegen den Käfer zeitaufwendig und kräftezehrend ist. Doch es gibt Hilfe: finanzieller Art, wenn ein Zwischenschritt nötig ist, um das Holz in sichere Entfernung zum Wald zu verbringen. Diese würde zu wenig in Anspruch genommen, berichtet der Bereichsleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham. Dabei sei die „Lagerung“ von zum Häckseln bestimmten (Fichten)Material in Fichtenbeständen höchst kritisch. „Das muss dringendst weg!“
Unterstützung informativer Art leisten Amt und Förster („gerne“), etwa dann, wenn Waldbesitzer sich nicht sicher sind, ob ein Befall vorliegt oder nicht. „Wir sind da“, verspricht Bauer, gleichsam betonend, dass es weder Aufgabe des Amts noch die die Förster stemmbar sei, über 60 000 Hektar zu kontrollieren. Aber, „wir stehen beratend zur Seite“, motiviert er, lieber einmal mehr als einmal zu wenig den Kontakt zur Behörde unter der Telefonnummer (09971) 4850 zu suchen.
Ergänzend versichert Bauer: „Wir behandeln alles, was wir mitbekommen.“ Im schlimmsten Fall bis zur Ersatzvornahme: Ignoriert ein Eigentümer Tatsachen und Fristen (zur Beseitigung befallener Bäume), droht eine Ersatzvornahme. „Nichts, das wir wollen“, wovon in letzter Konsequenz aber nicht abgesehen würde, „schließlich geht es um uns alle, um die Zukunft“.
Bereichsleiter animiert zur Kontrolle der Bestände
Folglich wird der Bereichsleiter nicht müde, jeden Einzelnen zur Kontrolle seiner Bestände zu animieren. Schließlich würde damit jeder sein Eigentum und das seines Nachbarn schützen, „und das müsste doch eigentlich jedermanns ureigenstes Interesse sein“.
Bauer spricht von einem und wünscht sich einen planmäßigen Rückzug der Fichte, die an zahlreichen Standorten im Landkreis aufgrund des Klimawandels wohl nicht mehr zu halten sein wird. „Aber das ist der bessere Weg als der, dass sie als Käferholz eingeschlagen werden muss.“ Deswegen ist das Borkenkäferthema eng mit dem Schlagwort Waldumbau verwoben.
Dass er für diese „notwendige“ Mission bei sehr vielen Waldbesitzern und „Gott sei Dank“ seit einiger Zeit vermehrt „auf offene Ohren und Herzen“ trifft, macht ihm Mut. Denn negativ mag er die Bestandsaufnahme zum Borkenkäfer im Frühsommer 2023 nicht enden lassen. Viel lieber und bedeutsam ist ihm die Botschaft: „Wir haben schon viel verhindert und schaffen das auch in Zukunft. Und das gemeinsam.


