Berufungs-Prozess um brutalen Raub in Lappersdorf verzögert sich

Von André Baumgarten · 14. Juli 2023 um 19:00

Das Gericht lädt Psychiater der Angeklagten als Zeugen – weil der nicht kommt, droht der Prozess zu platzen. Gegen die 44-Jährige, die 2021 den Tipp für einen Überfall auf zwei Senioren in Lappersdorf gab, läuft ein weiteres Verfahren.

Nach dem überraschenden Geständnis im Berufungsprozess um den Raubüberfall in Lappersdorf lässt das Urteil auf sich warten. Die ehemalige Putzfrau der Geschädigten führte das jahrelange Stalking eines Ex-Kollegen als Grund für ihren Absturz ins Feld.

Seit vielen Jahren will sie deshalb in psychiatrischer Behandlung sein. Doch der Arzt scheint an einer Aussage vor Gericht kein großes Interesse zu haben – kommt er weiterhin nicht, muss der Prozess womöglich ein weiteres Mal von vorn beginnen.

Ermittler fanden zwei Goldbarren bei Zugriff

Nach ihrer Verurteilung zu zwei Jahren und drei Monaten war die Frau in Berufung gegangen. Beim Schöffengericht hatte sie vehement bestritten, etwas mit dem brutalen Raub vom Juli 2021 zu tun zu haben. Die bei ihrer Verhaftung sichergestellten Goldbarren wollte sie einst von einem Sperrmüll-Sammler gekauft haben.

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Bei einem ersten Berufungstermin Ende März hatte sie weiterhin alles bestritten – der Prozess sollte komplett neu aufgerollt werden. Vor zwei Wochen dann die Kehrtwende: Die 44-Jährige gestand, den Räubern einen Tipp gegeben zu haben.

Die Namen der Täter wollte sie jedoch nicht nennen. Das aber sah die Staatsanwaltschaft als ein Muss, damit überhaupt eine Bewährungsstrafe in Betracht käme. Eine solche wäre das erklärte Ziel, wie die neue Anwältin Ingrid Babic sagte.

Die neunte Strafkammer am Landgericht in Regensburg hat nur noch über das Strafmaß zu entscheiden – darauf wurde die Berufung beschränkt. Und genau dafür wollte Vorsitzender Richter Oliver Wagner einen Psychiater anhören, der die 44-Jährige nach deren Angaben seit vielen Jahren behandelt.

Fax-Antworten: Erst „in Urlaub“, dann krank

Dessen Ladungen aber kamen per Fax zurück – ergänzt um kurze Notizen, dass man im Urlaub wäre. Doch damit gab sich das Gericht nicht zufrieden und forderte dafür Belege. Daraufhin kam für den Sitzungstermin am Freitag ein ärztliches Attest, dass der Mediziner selbst krank sei.

Sollte der Regensburger Arzt mit den „exotischen Anwesenheits- und Abwesenheitsplänen“, wie Wagner es nannte, beim nächsten Termin wieder nicht kommen, droht der Prozess zu platzen. Daran ließ der Richter keinerlei Zweifel. Dann werde man die Angeklagte von einem psychiatrischen Sachverständigen begutachten lassen.

Die 44-Jährige hatte vor Gericht selbst erklärt, seit Jahren unter Angststörungen zu leiden. Hauptgrund dafür sei ein Ex-Arbeitskollege. Der stalke sie seit Jahren. Erst seit die Angeklagte zunächst in U-Haft kam, habe sie wieder Ruhe vor diesem, gab sie an.

Jener 43-Jährige schilderte das im Oktober 2022 am Amtsgericht ganz anders: Er habe ein Verhältnis mit der Angeklagten gehabt und ihr danach immer wieder Geld geliehen. Von 120 bis 140 000 Euro war die Rede. Dazu laufen laut Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Betrugsverdacht – der Ex-Kollege hatte sie nach dem Prozess am Amtsgericht angezeigt. Die 44-Jährige bestreitet das alles.

Sitzungstermin am 28. Juli wird entscheidend

Erst aber muss das laufende Verfahren zu Ende geführt werden. Am 28. April wird der Prozess fortgesetzt. Zudem hat Wagner einen weiterer Sitzungstermin Anfang August angesetzt. Ob es spätestens dann ein Urteil gibt, ist allerdings offen.