Innovationskongress in Regensburg: Unternehmen und Verbraucher müssen noch viel grüner werden

Von Bernhard Fleischmann · 12. Juli 2023 um 19:00

Wir verschwenden Rohstoffe, erzeugen immense Mengen Müll. Diese Wirtschaftsweise muss sich ändern. So lautete die Überzeugung beim Innovationskongress in Regensburg. Ein grüner Wandel wird sich lohnen, nicht nur für die Umwelt, so die Überzeugung.

Herstellen, verkaufen, wenn es kaputt ist wegwerfen, dann wieder etwas Neues herstellen und ewig so weiter ... das nennt sich traditionelle, lineare Wirtschaftsweise – viele Jahrzehnte lang praktiziert und in Statistiken mit hohen Wachstumszahlengefeiert. Aber es ist in Wahrheit grobe Misswirtschaft, zu Lasten aller erdenklichen Lebensgrundlagen. Das weiß man seit geraumer Zeit und versucht, es besser zu machen. Um es viel besser zu machen, dazu sollte der 12. Bayerische Innovationskongress am Mittwoch in der Regensburger TechBase Ideen und Anstöße liefern. Der Kongress stand unter dem Motto „Circular Economy“ – Kreislaufwirtschaft.

Rohstoffe statt Schrott

Wiederverwenden statt verschwenden, oder – noch besser – Abfall gar nicht erst entstehen lassen und so wenig Material wie möglich in der Produktion einsetzen. So lauten die Ziele. Am Ende sollte das in jeglicher, auch finanzieller, Hinsicht lohnender sein als die bisherige Überflussmentalität. Neben Fachvorträgen stellten diverse Aussteller ihre Beiträge zum Thema vor; darunter das junge Regensburger Unternehmen Cirecon. Dieses hat eine Software entwickelt, welche die komplette Lebenskette eines Produkts vom Rohstoff bis zum Recycling transparent mache. So werde ersichtlich, welche Teile eines ausgedienten Geräts verwertbar sind, welche Schrott, wie die Rohstoffe daraus gewonnen werden können, erklärte Marketingleiterin Katherina Orak. Dadurch könnten Unternehmen Kosten sparen und Gewinne erzielen. Auch beim Sammeln will Cirecon dabei sein. Die Box „weeecan“ könnte in öffentlichen Räumen, also Supermärkten, Schulen, Einkaufszentren etc. aufgestellt werden. Untersuchungen zufolge liegen in Deutschland pro Person fünf Kilogramm Altgeräte ungenutzt herum.

Zählt man alles zusammen, kommen erkleckliche Volumina zustande. Der Geschäftsführer des städtischen Unternehmens R-Tech und damit Hausherr der TechBase, Alexander Rupprecht, nannte die Zahl von mehr als 400 Millionen Tonnen, die jährlich als Abfall in Deutschland entstehen, Tendenz eher steigend. 500 Kilogramm Müll pro Kopf und Jahr seien „ziemlich viel. Das muss weniger werden.“ Die Recyclingquote liege konstant bei 75 Prozent. Der Rest werde deponiert, verbrannt, auch exportiert. Nun gehe es darum, die Wiederverwertung auch wirtschaftlich zu gestalten.

Was Parteien falsch machen

Das sei sehr gut möglich, sagte der Regensburger Wirtschaftsreferent Georg Stephan Barfuß, und sowieso unausweichlich. Ohnehin sei die Dimension des nötigen Wandels viel größer, es brauche einen „Green Deal“, wie er vielerorts ausgerufen ist, auch in Regensburg. Aktuell stehe die Gesellschaft an einem Punkt, an dem sich sehr viele Menschen überfordert fühlten. „Wir erleben einen Transformations-Schock“, weil Deutschland mindestens die vergangenen zehn Jahre „geschlafen“ habe. „Jetzt müssen wir alles gleichzeitig machen.“ Und nun? Anstatt den Bürgern Mut zuzusprechen, machten ihnen Parteien aus Wahlkalkül Angst. Zwei Parteien predigten den Stillstand („wir kriegen schon wieder Gas“), eine neige zum Bevormunden, um den Wandel schneller voranzubringen.

Barfuß plädierte für nachhaltiges Wachstum. In Regensburg seien die entscheidenden Branchen u.a. Lebenswissenschaften, E-Mobilität, KI, der Green-Tech-Cluster. Entscheidend sei es, jetzt zu investieren, Barfuß sprach von einem „Anfangsschmerz“. Den Kommunen fehlten die Mittel. Bund und Freistaat müssten Klimaschutz als Pflichtaufgabe anerkennen; täten sie aber nicht und drückten sich so vor der Finanzierung. Man brauche Motivation und Durchhaltevermögen, eine schnelle Umsetzung. Und es brauche erneuerbare statt fossile Energie. Auch hier müsse man investieren, mit langem Atem. Am Ende ernte man umso mehr. Diese Frage stelle sich auch beim Energieversorger Rewag, der Regensburg und dem Bayernwerk gehört. Nimmt man jetzt Gewinneinbußen hin, um in einigen Jahren „Geld zu drucken“, oder nimmt man lieber die kurzfristigen Gewinne mit?