Sanitätshaus-Neubau vor den Toren der Stadt Cham hat jetzt begonnen

Von Christoph Klöckner · 12. Juli 2023 um 05:00

Der Chamer Stadtteil Stadellohe bekommt nun doch keinen eigenen Badesee vor der Tür: Daniel Marchl braucht für den ersten Bauabschnitt seines neuen Sanitätshauses keine große Grube ausheben lassen, um für eventuelle Hochwässer gewappnet zu sein.

„Das Retentionsausgleichsbecken wird nicht gebaut, deswegen waren planerische Änderungen notwendig“, teilte Daniel Marchl auf Nachfrage mit. Der Hochwasserausgleich – also der Raum, der bei Überflutungen voll läuft – entstehe nun stattdessen mit der unteren Parkebene. Es gebe eine Baugenehmigung für den geänderten Plan. Seit vergangenen Mittwoch werde auf dem Gelände gearbeitet. Gebaut wird jetzt, wie geplant, der erste Bauabschnitt.

Genehmigung im Mai

Das bestätigte auch das Landratsamt als Genehmigungsbehörde. Im Zusammenhang mit diesem Bauvorhaben sei neben dem Baugenehmigungsverfahren auch ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren durchgeführt worden, teilte Michael Gruber, Sprecher des Landratsamtes, mit.

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„Um der Hochwassersituation gerecht zu werden, muss ein entsprechender Retentionsraumausgleich geschaffen werden“, erläuterte er. Dies sei im Genehmigungsbescheid als Nebenbestimmung festgehalten. „Die Baugenehmigung und die wasserrechtliche Erlaubnis wurden mit Bescheid vom 23. Mai 2023 erteilt“, so Gruber weiter.

Anfang März 2022 hatte ein Bagger Licht ins Gelände an der Stadellohe gebracht und das Grün auf dem seit Jahrzehnten brach liegenden Gärtnereigelände beiseite geräumt. Ganz früher hatte hier eine Gärtnerei Raum auf etwa 4000 Quadratmetern Grund in großen Glashäusern Blumen und Gemüse herangezogen – nicht zu verwechseln mit der noch bestehenden Gärtnerei Raum in Stadellohe. Auf dem Gelände, das nun für den Bau vorbereitet wird, soll ein neues Sanitäts- und Ärztehaus, kombiniert mit Büros, entstehen.

Das ist der Plan von Daniel Marchl, der das Gelände bereits 2021 gekauft hat. Er wolle seine beiden Chamer Sanitätshaus-Standorte am Bahnhof und in Brunnendorf dort zusammenlegen. Der Neubau des Gewerbekomplexes sei aktuell noch in weiter Ferne, frühestens in zwei oder drei Jahren starte das Projekt an dieser Stelle vor den Toren der Innenstadt, sagte Marchl 2022 auf Nachfrage. Nun startet er doch früher.

Bereits Ende November 2022 hatte Marchl einen Bebauungsplan für das Gelände bei der Stadt eingereicht. Und das auch vor dem Hintergrund, dass das Gelände im Bereich des HQ100, also im Überschwemmungsgebiet des hundertjährlichen Hochwassers des Regens liegt, was einen Neubau schwieriger macht.

Daher hatte Daniel Marchl eigentlich zuerst vor, abzuwarten, bis der angekündigte Hochwasserschutz für den Ortsteil Stadellohe fertig ist. Der ist zwar geplant, doch hängt er auch ab von der Sanierung der Flutbrücke und dem Bau der neuen Verkehrsführung an dieser Stelle. Vor allem die Flutbrücke und ihre Sanierung beziehungsweise der Neubau verzögerte sich zuletzt.

„Wie es aussieht, können wir doch schon, vor dem Hochwasserschutz, mit bestimmten Auflagen einen ersten Gebäudeteil errichten“, teilte er vergangenes Jahr auf Nachfrage mit. Mit diesem ersten, dreigeschossigen Gebäudeteil sollen knapp zwei Drittel der Fläche bebaut werden. Gebaut werden soll zunächst das geplante Sanitätshaus.

Erste Interessenten

Es würden zusätzlich noch Mietflächen entstehen, für die ees erste Interessenten gebe, so Marchl Ende 2022. Im Bauausschuss der Stadt wurde das Projekt zur Errichtung eines Sanitätshauses mit Apotheke und Arztpraxen einstimmig durchgewunken. Das Gebiet liege im wassersensiblen Bereich, so das Bauamt. Daher müsse im Zuge des ersten Bauabschnitts in Absprache mit den Wasserrechtsbehörden eine große Rückstaumulde angelegt werden, die direkt im Anschluss an den Neubau auf der Fläche Richtung Innenstadt entstehen solle. Diese müsse das Wasser fassen können, das durch den Bau bei Hochwasser „verdrängt“ werde, hieß es damals.

Der zweite Bauabschnitt des Gesamtkomplexes werde erst nach dem Bau des Hochwasserschutzes des Ortsteils Stadellohe entstehen – und zwar dort, wo bisher die Hochwassermulde geplant war. Das Bauvorhaben sei in dem Mischgebiet zulässig, auch füge sich das Vorhaben in die Eigenart der näheren Umgebung ein, so die Stadtverwaltung.

So sah es im Frühjahr 2022 auf dem Baugelände noch aus.