Nach 15 Bränden im Kreis Cham: Landrat appelliert an Bürger, mehr aufzupassen

Von Christoph Klöckner · 10. Juli 2023 um 19:00

Wer dieser Tage im Wald dem Chamer Landrat begegnet, der sollte eines definitiv nicht tun: Rauchen. „Der raucht da kein zweites Mal im Wald“, kündigte Franz Löffler am Montagmittag an, der zur Pressekonferenz anlässlich eines feurigen Wochenendes geladen hatte.

Er sowie Kreisbrandrat Michael Stahl, Heribert Semmler und Arthur Bauer, beide vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) , mahnten die Bevölkerung zu sensiblem Verhalten in Wald und Flur, um Brände zu verhindern.

Hintergrund war ein Wochenende, wo vor allem die Feuerwehren kaum zur Ruhe kamen. Auftakt machte der Großbrand in Eschlkam, wo 23 Tiere in einem Stall Opfer der Flammen wurden. Samstag und Sonntag zählte Feuerwehr dann 15 Flächenbrände im Landkreis, dazu kamen mehrere, teils schwere Unfälle. Wegen der heißen Wetterlage, die den Prognosen noch einige Zeit anhalten werde, und der deshalb anhaltenden Feuergefahr habe man sich entschlossen, das „heiße Thema“ aufzugreifen und die Bevölkerung zu sensibilisieren, erläuterte Landrat Franz Löffler.

Solche Flächenbrände in der Nähe von Häusern oder Wald, wie es sie am Wochenende gleich i n großer Zahl gegeben habe , mache einen nervös, so Löffler: „Ein Waldbrand ist heute unmittelbar möglich!“ Als er von Arthur Bauer hörte, dass Waldbesitzer gesetzlich erlaubt auch jetzt noch die Baumkronen von Borkenkäferholz im Wald verbrennen dürfen, war er entrüstet: „So etwas ist unverantwortlich – egal was das Gesetz da sagt!“

Brände im Kreis Cham: Für Gefahr sensibilisieren

Die Ursachen für die Feuer vom Wochenende seien vielschichtig – ein Aspekt sei die laufende Getreideernte mit überhitzten Motoren und Katalysatoren oder mit Funkenschlag durch Steine. Aber auch die unbewusst weggeworfene Zigarettenkippe, Aluminiumverpackung oder Glasflasche, die in Kombination mit der Sonne Feuer entfachen könnten, seien erhebliche Gefahren, sagte Löffler: „Es gilt die Bevölkerung zu sensibilisieren, dass sie sich so verhalten, dass nichts passiert!“

Das bedeute eben, keinen Abfall wie Glas in Wald und Wiese werfen oder auch im Wald nicht zu rauchen. Und an die Landwirtschaft gerichtet, empfahl er, bei der Ernte gleich ein mit Wasser gefülltes Güllefass daneben zu stellen. Er dankte den Feuerwehren wie den Landwirten, die vielerorts gleich mit Wasserfässern anrückten, für den Einsatz vom Wochenende.

„Jedes Feuer kann man mit einem Fingerhut voll Wasser löschen“, betonte Kreisbrandrat Michael Stahl – der Haken: Man muss nur schnell genug dort sein. Dafür seien die Feuerwehren im Landkreis gut ausgerüstet, hätten ein Konzept, um die sich aus dem Klimawandel entwickelnde Gefahren zu bekämpfen. So seien die Waldflächen und die Wege darin alle kartiert und digital einsehbar. Große Fahrzeuge seien auf diesen Wegen oft schnell am Ende, daher habe die Feuerwehr kleinere flexiblere Fahrzeuge angeschafft. Auch Spezialgerät wie ein absetzbarer 10000-Litertank helfe. Schließlich bringe die kontinuierliche Ausbildung das nötige Fachwissen für den Ernstfall.

Eine Hilfe seien auch die Landwirte, die vielerorts mit den Feuerwehren gut vernetzt seien, mit ihren wassergefüllten Güllefässern. Stahl kündigte dazu noch eine Neuerung an, wie sie die Feuerwehr in Franken schon habe: eine App, die zeige, wo welche gefüllten Güllefässer bereitständen. Bisher arbeite man da mit Listen. Heribert Semmler, Amtschef des AELF, erläuterte die Wetteränderung, die es den Landwirten schwer mache. Habe es früher 14-tägige Phasen von Regen und Sonne im Wechsel gegeben, seien daraus heute zwei Monatsabstände geworden: „Ich hoffe, dass das Ausnahmewochenende wirklich eine Ausnahme war!“

Wasser bereitstellen

Neben der Hitze sei auch der Wind gefährlich, der aus einer Glut gleich ein Feuer mache. Bei der Ernte gebe es wie gerade etwa beim Häckseln, Strohballen pressen oder beim Dreschen besondere Gefahren auf dem Feld. Wenn etwa Steine mit verarbeitet würden, die dann an Eisenteilen Funken schlagen würden. Genauso gefährlich seien überhitzte Motoren oder Auspuffanlagen, die Stroh entzünden könnten. Es gelte daher auch, wassergefüllte Güllefässer und Grubber für Brandschneisen auf den Höfen bereit zu halten für schnelle Einsätze.

Beim Wetter hakte auch Arthur Bauer ein, der im AELF für den Wald zuständig ist. Es fehle an nennenswerten Niederschlägen – und eine Entspannung sei nicht in Sicht: „Der Waldboden ist knochentrocken!“ Daher sei die Waldbrandgefahr extrem hoch.

Das Risiko eines Feuers steigt mit den anhaltend hohen Temperaturen, die vorhergesagt sind. Foto: Klöckner