Dauereinsatz am Wochenende: Flächenbrände fordern Feuerwehren im Landkreis Cham

Von Bastian Schreiner, Thomas Mühlbauer · 9. Juli 2023 um 19:45

Hinter den Einsatzkräften von Feuerwehr und Rettungsdienst im Landkreis Cham liegt ein sehr intensives Wochenende: Während sich in der Region viele im Freibad eine Abkühlung bei diesen heißen Temperaturen gönnten, waren die ehrenamtlichen Kräfte im Dauereinsatz. Vor allem die Vielzahl von Flächenbränden forderte die Feuerwehren – fast schon im Minutentakt heulten in den Orten die Sirenen.

„Das war schon heftig, ich kann mich selten an so ein Wochenende erinnern. Das ist schon Oberliga, wenn man es so zusammenfassen will“, sagt Kreisbrandrat Michael Stahl im Gespräch mit unserer Zeitung. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag wurden die Feuerwehrleute zu brennenden Feldern und Wiesen alarmiert.

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Los ging das Einsatz-Wochenende bereits schon am Freitagabend, als in Warzenried bei Eschlkam ein landwirtschaftliches Anwesen in Flammen stand. Die Leitstelle löste Alarmstufe B4 aus, so dass zahlreiche Wehren aus dem Hohenbogenwinkel anrückten. Am frühen Samstagnachmittag beschäftigte die Einsatzkräfte dann ein tödlicher Verkehrsunfall bei Bad Kötzting.

Traktor brennt komplett aus

Der große Flächenbrand in Ronberg bei Michelsneukirchen bildete den Auftakt für eine beispiellose Serie an Einsätzen. Diese kommen durch den Klimawandel immer häufiger vor, doch in dieser Intensität waren sie in den vergangenen Jahren doch selten. Gegen 15.40 Uhr breiteten sich die Flammen auf einem Stoppelfeld aus – ausgelöst durch den Brand eines Traktors mit Heuballenpresse. Die Rauchsäule war kilometerweit zu sehen, insgesamt waren drei Hektar Felder betroffen. Zum Brandort eilten die Feuerwehren Dörfling, Völling, Falkenstein und Roding. Nachalarmiert wurden Wald, Walderbach, Wörth und Cham mit ihren wasserführenden Fahrzeugen. Dank der schnellen Unterstützung der Landwirte konnte das Feuer eingedämmt werden. Die Landwirte leisteten mit ihren Güllefässern eine wertvolle Hilfe bei den Löscharbeiten, wie Kreisbrandinspektor Florian Hierl, Kreisbrandmeister Hubert Hofweber und Kreisbrandmeister Norbert Mezei betonten. Der brennende Traktor wurde mit Schaum abgelöscht.

Durch die weithin sichtbare Rauchsäule wurden weitere Feuerwehren im Raum Roding und Cham zu vermeintlichen Flächenbränden alarmiert. Glücklicherweise stellten sich diese als Fehlalarme heraus. Unter anderem alarmierte die Leitstelle um 16.03 Uhr zu einer Rauchentwicklung in Nassen. Dabei handelte es sich aber um einen Fehlalarm, Passanten hatten die Rauchsäule in Ronberg gesehen. Um 16.08 Uhr wurde eine Rauchentwicklung in Hanzing bei Vilzing gemeldet. Allerdings hatten auch hier Passanten die Rauchsäule in Ronberg gesehen.

Und als der Großbrand bei Michelsneukirchen abgearbeitet war, ging es für die Feuerwehren im westlichen Landkreis schon weiter: Denn um 19.02 Uhr mussten sie zu einem Freiflächenbrand in Oberaign bei Falkenstein ausrücken. Dort hatten die Flammen bereits auf ein angrenzendes Waldstück übergegriffen. Die Feuerwehrleute hatten den Brand aber rasch im Griff.

Feierabend hatten die Einsatzkräfte aber immer noch nicht. Denn an der Landkreisgrenze bei Neukirchen-Balbini brach in einem unwegsamen Waldstück ebenfalls Feuer aus. Ein Luftbeobachter hatte den Rauch entdeckt und Alarm geschlagen. Da kein Löschwasser vor Ort war, wurden rund 300 Feuerwehrleute aus 13 Feuerwehren auf den Plan gerufen, um den Brand bei immer noch hohen Temperaturen zu bekämpfen. Neben den Einheiten aus dem Landkreis Schwandorf wurden zur Unterstützung auch die Feuerwehren Stamsried, Neubäu, Fronau und Altenkreith alarmiert. Der Einsatz, den der Rettungsdienst absicherte, zog sich über mehrere Stunden.

Auch am Sonntag gerieten Felder in Brand – von Litzling über Rötz bis Spielberg und Hocha. Am Nachmittag fing in Oberprombach eine Heuballenpresse Feuer. Die Einsatzkräfte hatten also kaum eine Verschnaufpause. Um genügend Wasser zu haben, wurden mehrere Wehren alarmiert.

Lange Hitzeperioden und wenig Niederschlag: Diese Kombination machen die Lage im Wald sowie auf den Erntefeldern gefährlich. Kreisbrandrat Michael Stahl verdeutlicht: „Die Bevölkerung muss sich immer wieder mal vor Augen führen: Wenn es die Feuerwehren mit ihren Einsatzkräften, die alles freiwillig machen, nicht geben würde, würden solche Brände noch viel schlimmer enden. Denn nur durch das schnelle Eingreifen konnte hier jeweils Schlimmeres verhindert werden.“

Brandstifter am Werk?

Das Aufrüsten der Ausstattung in den vergangenen Jahren habe sich bewährt, so Stahl. Ansonsten könnte man wenig ausrichten. Dabei erinnert der Kreisbrandrat auch an die drei im Landkreis stationierten Abrollbehälter Wasser. Nicht unerwähnt lässt er auch das gute Zusammenspiel mit den Landwirten, die oft blitzschnell mit ihren mit Wasser gefüllten Güllefässern an der Einsatzstelle sind.

Es gibt aber einen Punkt, der den Feuerwehr-Chef im Landkreis, zum Brodeln bringt. Denn kürzlich wurden die Feuerwehren in Altenschneeberg (Raum Waldmünchen) zu einem großen Flächenbrand alarmiert. Mittlerweile, so Stahl, gebe es Erkenntnisse, dass der Brand an drei Stellen mutwillig gelegt worden war. „Ich sage es lieber nicht, was ich tun würde, wenn ich dem Brandstifter gegenüberstehen würde. Ich verstehe nicht, wie man nur so etwas machen kann“, so Stahl.

Nicht nur das Feuer erzeuge eine große Gefahr, Stahl denkt auch an „seine Feuerwehrler“ und sagt: „Die Gefahr beginnt schon bei der Fahrt zum Gerätehaus, dann die Fahrt zur Einsatzstelle und dann der Einsatz vor Ort.“ Hinzu komme die schwere Einsatzkleidung und – wie in diesen Tagen – die Hitze. Der Kreisbrandrat hofft, dass solche Wochenenden trotzdem die Ausnahme bleiben.

Große Flammen und viel Rauch.
In Ronberg bei Michelsneukirchen hat am Samstagnachmittag eine drei Hektar große Fläche gebrannt. Fotos: Kreisbrandinspektion Cham