Sie verbinden Menschen: Die Trenckfestspiele Waldmünchen und ihr Schirmherrenduo

Von Petra Schoplocher · 9. Juli 2023 um 19:00

Ob das Stück auf der Bühne ein Happy End erlebt? So schnell will und kann sich Maren Biermann nicht festlegen. Etwas anderes steht allerdings fest: Für sie persönlich ist der Abend eines. So ein Spektakel, nein, so etwas habe sie noch nie erlebt, sagt die Schirmherrin kurz nach Aufführungsende sichtlich bewegt. Eine Einschätzung, mit der sie nach einer wirklich fulminanten Premiere nicht alleine ist.

Die Rahmenbedingungen, Wetter, Wind, Temperaturen, Spielfreude, neue Impulse in der Inszenierung: allesamt perfekt. Es dürfte kaum einen ersten Trenck-Abend gegeben haben, in dem von A bis Z alles so gut zusammengepasst hat. Dazu: Ein Hauptdarsteller namens Lawrence Gast, der dem Spiel mit unglaublicher Präsenz und Souveränität seinen Stempel aufdrückte.

Leidenschaft der Trenckianer beeindruckt

Zurück zur Schirmherrin. Engagement und Leidenschaft der Trenckianer hatten bei ihr bereits beim Patenbitten bleibenden Eindruck hinterlassen. Und nun? Selbiges, gepaart mit der erlebten Professionalität und den Reiterszenen, sei „absolut beeindruckend“. Ihrem Co-Schirmherrn von Vodafone, Rolf-Peter Scharfe, fällt es sichtlich leicht, in das Loblied einzustimmen. Beim Festakt vor der Premiere hatte er persönlich, namens seiner Kollegin und des Konzerns, der Vorfreude nachgegeben: „Wir sind gespannt und fühlen uns sehr geehrt.“

Die 72. Saison

Biermann, Landkreis-Projektmanagerin für den Breitbandausbau, machte indes die Gemeinsamkeit zwischen dem Telekommunikationsanbieter und dem Festspiel aus. „Wir alle verbinden Menschen.“ Und: „Zusammen schaffen wir es, Großes zu bewegen.“ Was im „Fall Trenck“ bedeute, eine über 70-jährige Tradition aufrecht zu halten.

„Es fühlt sich richtig an“, erlaubte sie einen Einblick in ihr Seelenleben. Spätestens das bewegende Schirmherrenbitten im Mai hätte den Vodafone-Repräsentanten die Bedeutung des Amtes vor Augen geführt. „Wir sind sehr stolz.“

Rund 300 Mitwirkende

Stolz darf auch jeder der rund 300 Mitwirkenden sein. Denn das, was die Festspielfamilie da am Samstag auf die Bühne brachte, wird für viele Aufführungen, vielleicht Jahre, Messlatte sein. Das „Volk“: aufmerksam und Details ruhig und genau umsetzend. Auch neuer: Regisseurin Yvonne Brosch hat Dialoge gekonnt und unauffällig ins Zentrum verlegt, (Bewegungs)Abläufe und Sätze leicht (zum Besseren!) modifiziert. Die weggefallenen tschechischen Einsprecher (die Gäste aus dem Nachbarland können stattdessen seit dieser Saison auf eine komplette Übersetzung zurückgreifen) tun dem Stück im Sinne eines „Dahinfließens“ gut.

Brillante (Haupt)Darsteller

Nicht zuletzt glänzen ausdrucksstarke Hauptdarsteller – allen voran Lawrence Gast als Trenck mit Präsenz und positiver Quirlichkeit – und hochmotivierte, gute Debütanten. Wer da wen in einen Rausch gespielt hat?

Aber Trenck-Festspiel, das ist mehr als das Stück. Regierungspräsident Walter Jonas betont die kulturellen, sozialen und ehrenamtlichen Aspekte, ohne die die Aufrechterhaltung der Tradition über mehr als 70 Jahre nicht möglich sei. Schwieriger gestaltet sich eine gut gemeinte Parallele. Bayreuth sei Wagnerstadt, der Landkreis Cham Festspiel-„Hauptstadt“ (?) und Waldmünchen dies in besonderer Weise. Ob nun grammatikalisch korrekt oder nicht: Egal, das Lob ist angekommen.

Europäische Geschichte

Landrat, Bezirks- und Festspielpräsident Franz Löffler unterstreicht zudem die europäische Geschichte des Spiels, das ursprünglich den Titel „Kriegsnot in der Oberpfalz“ tragen sollte. „Frieden und Freiheit sind nicht selbstverständlich!“. Dies möge die Friedensbotschaft sein, die von dem Stück ausgehe, wünscht er.

Zahlreiche Ehrengäste

Eine lange Liste Ehrengäste – unter ihnen zahlreiche frühere Schirmherren — muss Bürgermeister Markus Ackermann abarbeiten, ehe er sich persönlich und im Namen der Stadt stolz zeigen und sich „vor Wertschätzung und Respekt“ vor der Trenckfamilie verneigen kann. „Jeder einzelne von Euch ist unverzichtbar, Ihr habt das Spiel zu dem gemacht, was es ist.“

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Für die Mitwirkenden sei dieses Ehrensache und Herzensangelegenheit, dem Premierenpublikum stellt er in Aussicht, dies alles und mehr zu erleben. Er sollte – gepaart mit dem perfekten lauen Sommerabend, der Spielfreude der Darsteller und der im Vergleich zum Vorjahr verbesserten Licht- und Tontechnik – Recht behalten.

Wie Trenckvereinsvorsitzender Martin Frank, der viele Gründe findet, um von einem ganz besonderen Tag zu sprechen. Ein paar Stunden später zeigt sich: Genau das ist er, und noch mehr. Eine grandiose Aufführung, ein grandioses Miteinander.

Hinterglaskunst: Trenck und Kathi überreichten den Schirmherren kunstvolle Erinnerungsgeschenke. Lawrence Gast übergab sie an Maren Biermann.
Blumen für Regisseurin Yvonne Brosch (rechts). Maren Biermann verband dies mit einem Riesenkompliment: „Ich bin absolut beeindruckt“, sagte die Schirmherrin nach der fulminanten Premiere.
Über 300 Mitwirkende, rund 250 von ihnen auf der Bühne, machen das Festspiel überhaupt erst möglich. Sie präsentierten sich allesamt am Samstag in Bestform und sorgten für einen furiosen Premierenabend. Fotos: Schoplocher
Gast ganz Gentlemen: Der Hauptdarsteller verweist auf „seine“ Kathi Vera Schmid, die sich nicht nur seine Meinung nach den tosenden Applaus (mit) verdient hat. Die Trenckfestspiele haben einen Traumstart hingelegt.
Gratulationen zuhauf durfte Lawrence Gast entgegennehmen, hier von Regierungspräsident Walter Jonas.
Impressionen von der Premiere
Impressionen von der Premiere
Impressionen von der Premiere