Frank Mosher: „Mit zehn Jahren habe ich meine erste Aktie gekauft“

Von Marion Koller · 10. Juli 2023 um 05:00

In Shorts und T-Shirt öffnet Frank Mosher die Tür zu seinem Haus im Stadtwesten. Im Erdgeschoss hängen großformatige Frauenporträts des Pop-Art-Künstlers Alex Katz. Frank Mosher (76) ist ein großartiger Geschichtenerzähler, denkt unkonventionell und lacht viel. Mehrmals brüllt sein Smartphone einen ZZ-Top-Song: Seine wichtigste Mitarbeiterin ruft an.

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Herr Mosher, Sie schreiben ein Buch. Worum geht es?

Frank Mosher: Es kommt immer diese Frage, wie haben Sie es geschafft, Millionär zu werden? Ich bin in Tamalpais Valley bei San Francisco geboren. Auf den Hügeln wohnten sehr wohlhabende Leute, viel wohlhabender als meine Familie. Ich wollte immer wissen, wie sie das geschafft haben. Das fragen mich die Leute auch. Ich kann das nicht in fünf Minuten erzählen, deshalb schreibe ich dieses Buch. Das ist mein Leben in 30 oder 40 Kurzgeschichten, Titel: „Ich bin jung und brauche das Geld“. In diesem Buch sind spannende, sexy, lustige und traurige Geschichten, und auch Geschichten, die beschreiben, was ich gemacht habe.

Sie hatten einen Plan.

Mosher: Ich wollte einfach nicht in einer Sumpfgegend wohnen, sondern in einem schönen Haus. (Holt einen Bericht aus der US-Lokalzeitung „Bringing the Big Mac to the land of liverwurst“ von 1976) Da war ich 29 und hatte im Silicon Valley drei Jahre für McDonald‘s gearbeitet. Ziel war mein eigenes Franchise-Restaurant in Deutschland. Ein wesentlicher Faktor war meine deutsche Frau Annelie. Sie hat mir immer ein Zuhause gegeben und sie hat mich immer moralisch unterstützt. „Hey, du bist ein intelligenter Typ. Ich liebe dich. Du hast immer einen Weg gefunden“, sagte sie. Sie hat mir nicht gesagt, wie ich es machen soll, sondern hat mich aufgebaut.

Wie wird man Millionär?

Mosher: Wenn man sehr jung begreift, dass Geld nur der Mitarbeiter ist, der für einen arbeiten kann. Man weiß, dass man für eine große Aufgabe viele Mitarbeiter braucht. In Europa heißen die Mitarbeiter ‘Euro‘. Wenn man vom selbst verdienten Geld einen gewissen Betrag monatlich spart, 50 oder 100 Euro, zum Beispiel eine Aktie kauft, und man lässt das Geld arbeiten Jahr für Jahr, vermehren sich die Mitarbeiter. Nicht immer, aber wenn man auf solide Firmen setzt, passiert selten was. Ich würde heute auf Künstliche Intelligenz setzen.

Wann hatten Sie die erste Million verdient?

Mosher: Vielleicht mit 50 Jahren. Interessant ist vielleicht, wann ich meine erste Aktie gekauft habe: mit zehn Jahren. Ich hatte 80 selbst verdiente Dollar. Dafür hatte ich Lebensmittel für Supermarktkunden eingepackt und später Rasen bei anderen Leuten gemäht. Mit den 80 Dollar kaufte mein Vater für mich zwei Wrigley‘s-Aktien. Die habe ich 53 Jahre behalten. Aber natürlich sind es mehr geworden. Der Investor Warren Buffett und die Unternehmerfamilie Mars haben Wrigley‘s und alle Aktien gekauft. Die haben 40 Prozent mehr bezahlt als die Aktie wert war. Für die 80 Dollar habe ich 86.000 bekommen.

Schreiben Sie das Buch selbst?

Mosher: Mit einer Ghostwriterin. Es ist zu 50 Prozent geschrieben.

Was ist Ihnen wichtiger als Geld?

Mosher: Wichtiger ist ein schönes Zuhause, Liebe zu einer Person und Gegenliebe, die man bekommt. Wichtiger als Geld ist auch Kreativität. Für Hundebesitzer habe ich in den zwei McDonald‘s-Filialen Pentling und Parsberg Hundespielwiesen anlegen lassen. Familien können sich stärken und die Tiere toben sich aus.

Haben Sie einen Hund?

Mosher: Nein, aber einen Bürohund. Meine Mitarbeiterin Silvia Barbisan bringt ihren Golden Retriever Nieelo mit. Der liebt alle Menschen. Ich bin verrückt nach der Hunderasse Lagotto Romagnolo. Das ist ein Wasserhund aus der Po-Ebene, der zum Trüffelhund umgeschult wurde. Im letzten Herbst war ich bei einer Suche dabei. Wenn ich eine Partnerin hätte, würde ich mir einen anschaffen. Eigentlich bin ich grün. Überall pflanze ich Obstbäume wegen der Insekten. Ich habe 38 Obstbäume. Das ist mir wichtig, vielleicht wichtiger als Geld. Aber dafür brauche ich Geld. Auch um Arbeitsplätze zu schaffen. Im Sommer habe ich über 1000 Arbeitsplätze.

Sie bauen Personalwohnungen

Mosher: Meine Teilzeitmitarbeiterinnen sind im Sommer weg, weil ihre Partner häufig bei den großen Regensburger Arbeitgebern tätig sind und in Betriebsferien gehen. Im Sommer habe ich eine extreme Unterbesetzung. Deshalb haben wir vor mehr als 30 Jahren angefangen, Mitarbeiter aus der Slowakei anzuwerben, mittlerweile auch aus Indien, Pakistan, Georgien, Tadschikistan und vielen anderen Ländern. Ich habe sie anfangs in Zelten am Campingplatz Weinweg untergebracht, aber das war nicht optimal. Ende 1992 habe ich in der Böhmerwaldstraße mein erstes Personalhaus mit 13 Wohnungen gebaut. Heute sind es neun Häuser mit 44 großen Wohnungen.

Sie bezahlen ihrem Personal etwas mehr als den Mindestlohn. Haben Sie kein schlechtes Gewissen?

Mosher: 12,30 Euro verdienen nicht alle Mitarbeiter. McDonald‘s ist durchlässig. Ich habe einige, die sind jetzt Filialleiter. Viele fangen für 12,30 Euro an, sprechen kein Wort Deutsch und können gar nichts. Wir bringen ihnen etwas bei. Mein Management kommt von ausgebildeten Azubis.

Jede Woche kurven Sie mit einem anderen Auto durch Regensburg.

Mosher: Meine Autos sind in ‘Frank‘s Garage‘ untergebracht. Ich fahre sie ein oder zwei Wochen, dann werden sie getauscht. Aber ich vergesse immer, wie die funktionieren. Ich liebe Autos, als Bub kannte ich jedes Modell. Ich habe einen Ferrari California Turbo, einen Chevrolet SSR, eine Ente, einen Rolls-Royce, einen orangen Mustang, einen VW Beetle und einen Maserati Spider.

Yachten sind jüngst in Verruf geraten. Besitzen Sie eine?

Mosher: Ich hatte die White Star II. Jetzt nicht mehr, weil ich einen KfW-Kredit über 3,2 Millionen Euro zurückzahlen muss. Yachten sind die teuersten Sachen. Einmal tanken, das sind 30.000 Liter.

Können Sie teilen?

Mosher: Ich habe gelernt, mit Freunden die Sachen zu teilen, die ich habe. Ich teile mein Spielzeug und erlebe doppelte Begeisterung.

Mit 76 arbeiten Sie noch. Warum?

Mosher: Leider ist meine Frau vor sechs Jahren gestorben. Ich hätte nie gedacht, dass sie vor mir geht. Wir waren 45 Jahre verheiratet und 47 Jahre zusammen. McDonald‘s ist jetzt meine Familie. Meine Vollzeitmitarbeiterin Silvia Barbisan arbeitet seit mehr als 40 Jahren für mich und mein Hausverwalter Adil Tatli seit 40 Jahren. Das ist wie Familie.

Für Social-Media-Fotos beißen Sie in den Big Mac. Essen Sie auch im Alltag Burger?

Mosher: Natürlich esse ich Burger. Und schauen Sie mich an: Bauchspeck habe ich, aber Übergewicht? Am liebsten esse ich das Filet-o-Fish, das ist Kabeljau, zwei Portionen auf dem Sandwich, einen Snacksalat und Apfelsaftschorle.

2020 haben Sie für den Regensburger Stadtrat kandidiert. Werden Sie das 2026 wiederholen?

Mosher: Nein, wissen Sie, Politik ist schmutzig. Jemand hat eine Frank Mosher Fake-Website erstellt und hat mich als Trump-Fan dargestellt. Aber das bin ich nicht. Trump ist ein Gangster.

Zur Person

Familie: Frank Mosher stammt aus einer einfachen Familie aus Tamalpais Valley bei San Francisco. Laufbahn: Er studierte an der University of California, Irvine. Der 76-Jährige ist McDonald's-Lizenznehmer und betreibt zehn Schnellrestaurants in Regensburg und der Region.

US-Zeitungsartikel von 1976 Foto: Koller