„Jeder kann Millionär werden: Man muss Verantwortung übernehmen und Gas geben“

Von Marion Koller · 5. Juli 2023 um 05:00

In Regensburg leben 76 Einkommensmillionäre – Frank Mosher von McDonald‘s beschreibt, wie er es schaffte. Das traut der Unternehmer jedem jungen Menschen zu.

Frank Mosher wischt über sein Handy. Ein Foto mit seinem Ferrari findet er nicht. Aber eines mit dem Landrover, Baujahr 1973. „Da war ich in Südafrika unterwegs“, sagt er. Mosher zählt zu den reichen Regensburgern und versteckt das auch nicht. Dafür hat er ein Leben lang geschuftet. Als Achtjähriger packte er die Lebensmittel von Supermarktkunden in seinem Heimatort bei San Francisco ein.

Auch mit 76 ist der Betreiber von zehn McDonald‘s-Filialen im Kumpfmühler Büro erreichbar. Er weiß, was arm und reich ist, denn er stammt aus einfachen Verhältnissen.

Armutsquote von 14 Prozent

76 Einkommensmillionäre leben in Regensburg. Das hat das Bayerische Statistische Landesamt Ende Juni bekanntgegeben. Sie verdienen brutto mindestens eine Million Euro im Jahr. Der Großteil betreibt ein Gewerbe. Zum ersten Mal seit Jahren ist die Zahl gesunken. Im Jahr davor waren es 79 gewesen, zwei Jahre zuvor 69.

Natürlich wohnen in der Stadt auch Vermögensmillionäre, die etwa Immobilien oder ein Unternehmen besitzen. Rechnet man Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) hoch, dürften das mindestens 3000 sein. „Ich verdiene nicht jedes Jahr eine Million“, sagt Frank Mosher. Damit meint er das versteuerte Einkommen. Wegen der Corona-Lockdowns habe er Millionen verloren. „Das hat mein Geschäft kaputt gemacht“, sagt er in seinem sanften Deutsch mit US-Einschlag.

Die einen verdienen oder besitzen viel. Die anderen sind weniger betucht. Knapp 14 Prozent der Regensburger leben laut Paritätischem Wohlfahrtsverband an der Armutsschwelle. Sie beziehen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte. Bei einer Familie mit zwei kleinen Kindern sind das 2405 Euro netto monatlich, bei einem Single 1145 Euro. Der Sozialverband betrachtet die gesamte Gesellschaft, nicht nur Berufstätige. Betroffen seien vor allem große Familien, Bürgergeld-Empfänger, Rentnerinnen, Alleinerziehende und Teilzeitkräfte.

In Regensburg müssen laut Statistischem Landesamt beinahe 22.500 Menschen mit einem Jahresbruttoeinkommen zwischen 10.000 und 30.000 Euro auskommen. Brigitte Weißmann, Referatsleiterin Soziale Beratung beim Caritasverband, sagt, dass heuer die Nachfrage von Berufstätigen zu Kinderzuschlag und Wohngeld höher ist. Die Energiehilfe der Caritas wird ebenfalls häufig beantragt.

Im Regensburg-Plan 2040 schreibt die Stadt denn auch, die Zahl der Working Poor, der arbeitenden Armen, nehme zu. Das sind Berufstätige, die ihren Lebensunterhalt kaum selbst bestreiten können, besonders, wenn sie Kinder versorgen. Einen Niedriglohn erhalten oft Friseurinnen, Lebensmittelverkäufer, Gebäudereiniger oder Paketfahrer.

„Bei einer Vollzeitbeschäftigung im Bereich des Mindestlohns hat man ein Bruttoeinkommen von circa 25.000 Euro im Jahr und damit kommt man in einer Stadt wie dieser nur schwer zurecht“, sagt Thomas Zeilhofer, Vorsitzender der Regensburger Mittelstands-Union. „Wir haben nachhaltig hohe und weiter steigende Mieten und wie sich die Energiekosten entwickeln werden, kann man noch nicht abschätzen.“ Er befürchtet, dass es wegen der Energiepolitik der Berliner Koalition zu einer erheblichen Zusatzbelastung kommen wird. Bei Beziehern niedriger Löhne werde das zu weiteren Problemen führen.

Frank Mosher sieht das alles mit ganz anderen Augen. Er sagt: „Ich habe viele Stellen zu vergeben.“ Seinen Mitarbeitern zahlt er etwas mehr als den Mindestlohn: 12,30 Euro in der Stunde. Nacht- und Feiertagszuschläge, Weihnachts- und Urlaubsgeld kommen hinzu. Mosher ist überzeugt, dass sich jeder junge Mensch hocharbeiten und Millionär werden kann. „Man muss Verantwortung übernehmen, Gas geben, Ausdauer haben und aus Niederlagen lernen.“

Niemand bescheinigt Regensburg eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Reinhard Kellner von den Sozialen Initiativen ist überzeugt, dass jeder unterstützt wird, der Hilfe benötigt. „Regensburg hat eine gute soziale Versorgung.“ Er verweist auf Staat, Caritas, Strohhalm, Fürstliche Notstandsküche und Tafel. Ein Problem aber sei, dass bezahlbare Wohnungen fehlen.

Die Zahl der Bürgergeld-Empfänger in der Stadt ist zwar gestiegen zwischen Mai 2022 und 2023. Das hat aber vor allem mit den ukrainischen Geflüchteten zu tun.

Hoher Kredit aus der Corona-Zeit

Dass bayernweit die Zahl der Einkommensmillionäre zugelegt und in Regensburg abgenommen hat, beschäftigt den CSU-Mann Zeilhofer. Meist seien das Mittelständler. Hier gehe der Unternehmensgewinn voll in die persönliche Einkommensteuer-Bemessungsgrundlage ein. Der Großteil werde in den Unternehmen belassen. „Niedrigere Gewinne führen auf Dauer zu weniger Arbeitsplätzen und Investitionen.“

Frank Mosher kennt das Auf und Ab. Er hat sich immer wieder durchbeißen müssen. Zurzeit zahlt er einen KfW-Kredit über 3,2 Millionen Euro aus der Corona-Zeit ab. „Das ist verdammt schwer.“

„Niedrigere Gewinne führen zu weniger Jobs und Investitionen“, sagt Thomas Zeilhofer. Foto: Michael Bieber
„Regensburg hat eine gute soziale Versorgung, aber bezahlbare Wohnungen fehlen“, urteilt Reinhard Kellner. Foto: altrofoto.de