Im Landkreis Neumarkt platzen immer wieder Wasserrohre: Trockene Erde erhöht das Risiko

Die Wasserversorgung der Landkreis-Bürger ist nicht mehr so selbstverständlich, wie das noch vor ein paar Jahren war. Zu knappen Wasservorräten und folgender Trinkwasserrationierung wie in Berg kommen marode Wasserrohrleitungen. Ihr Austausch bringt Probleme mit sich.
In Möning und Seligenporten sind an einem Tag gleich drei Wasserrohre gebrochen. Zuletzt war auch der Landkreis Eichstätt betroffen. In den Gemeindeteilen Hirnstetten, Sornhüll und und Rapperszell kam es vergangene Woche kurzfristig zu einer Wassersperrung. Für ein paar Stunden stellten die lokalen Feuerwehren deswegen Brauchwasser, kein Trinkwasser, zum Abholen zur Verfügung.
In Möning war die Hauptleitung zwischen dem Wasserwerk und dem Möninger Berg betroffen. In Seligenporten sind gleich zwei wichtige Rohre gebrochen: Eins in der Kesselstraße und eins in der Königsbergerstraße. Das Letztere sollte eigentlich just einen Tag nach dem Bruch erneuert werden. „Der Auftrag ist schon längst vergeben und die Erneuerung stand kurz bevor“, berichtet Josef Erntl. Er ist Marktbaumeister in Pyrbaum. Der Grund für die vermehrten Brüche: Das hohe Alter der Leitungen. „Die Gussleitungen sind um die 60 Jahre alt“, sagt Erntl.
Materialschwäche: Zu hoher Druck ist der Auslöser
Doch was passiert bei einem Wasserrohrbruch eigentlich genau? Moritz Flanzer ist Wasserversorgungsexperte beim Neumarkter Planungsbüro Petter und erklärt: „Rohrleitungen sind immer Druckleitungen. Aber wenn sich der Druck zu schnell erhöht, kann es zum Platzen der entsprechenden Leitung kommen.“ Zum Beispiel, wenn ein Feuerwehrler den Wasserhydranten nach einer Übung zu schnell zudrehe.
Die dem zugrundeliegende Ursache: Materialschwäche. „Es ist völlig normal, dass das Material nicht ewig hält“, sagt Flanzer. Und weil viele der alten Rohre aus Asbest-Zement – damals noch ein beliebtes Material – bestünden, seien sie noch anfälliger. „Auch wenn sie unter der Erde sind, sind Wasserleitungen Umweltfaktoren ausgesetzt, wie Säuren oder dem pH-Wert der Erde“, erklärt Flanzer. Josef Erntl ergänzt: Wenn Lehmboden sehr trocken sei, verhalte er sich wie ein Schwamm. „Der zieht sich zusammen. So wird noch mehr Druck auf das Wasserrohr ausgeübt.“
Das größere Problem sei allerdings, dass sich einige Gemeinden und Wasserversorger seit dem „deutschlandweiten großen Neubau vor etwa 60 Jahren“ darauf ausgeruht hätten, sagt Moritz Flanzer. „Jetzt stehen wir vor dem Dilemma, dass alle Rohre gleich alt sind und zeitgleich ausgetauscht werden müssten.“ Das treibe die Investitionssumme immens in die Höhe.
Zur Wasserversorgung gehören aber nicht nur Wasserleitungen. Auch Speicherbauwerke, wo das Wasser zwischengelagert wird, Pumpwerke, Wasseraufbereitungsanlagen oder Brunnen sind für die Wasserversorgung der Bürger maßgeblich, sagt Flanzer. „Meiner Meinung nach sollten Gemeinden und Wasserversorger proaktiv handeln und nicht darauf warten, bis etwas kaputt geht.“ Man müsse einfach davon ausgehen, dass kein Material der Welt ewig hält.
Wenn ein Wasserrohr tatsächlich bricht, werde es zunächst repariert, erklärt Josef Erntl. Das kaputte Stück wird ersetzt. „Im Idealfall hält es weitere zehn Jahre. Wenn man Pech hat, geht es an derselben oder an einer anderen Stelle im nächsten Jahr wieder kaputt.“ So eine Reparatur koste im Schnitt zwischen 7000 und 10000 Euro, teilen die Stadtwerke auf Anfrage mit. Wenn eine Leitung ausgetauscht wird, müsse mit einer Investition von rund 1000 Euro pro Meter gerechnet werden.
Alexander Dorr, Bürgermeister von Freystadt berichtet, dass der Austausch der alten Rohre in seiner Kommune auf jeden Fall in Planung sei. Um die Wasserversorgung sicherzustellen, könne man aber nicht alle zeitgleich austauschen. Hinzu komme eine hohe finanzielle Belastung der zuständigen Zweckverbände – in diesem Fall der Möninger Gruppe, gibt Dorr zu bedenken. Diese würden letztendlich die Bürger tragen. Dafür gebe es zwei mögliche Wege: Entweder verrechne man die Investitionen über Abschreibungen und Verzinsungen des Wasserpreises oder es müssen sogenannte Verbesserungsbeiträge von den jeweiligen Wasserverbänden erhoben werden. „So oder so, der Wasserpreis für die Bürger wird steigen“, sagt Dorr.
Der Freistaat Bayern fördert die Wasserversorgung
Immerhin: Der Freistaat Bayern fördert wasserwirtschaftliche Vorhaben. Die Finanzspritze ist aber bis Ende 2024 befristet und laut Medienberichten warten aktuell 20 Prozent der Kommunen noch immer auf ihre angeforderte Unterstützung. „Die Förderung greift auch erst ab bestimmten Schwellenwerten“, weiß Dorr.
Wenn eine Gemeinde kurzfristig von der Wasserversorgung abgeschnitten ist, stellt sich auch die Frage nach der Löscherwasserversorgung. „Das ist tatsächlich ein Problem“, gibt Dorr zu. Im Fall der Fälle müsste man versuchen, mit Notleitungen eine Versorgung sicherzustellen oder auf entsprechende Notfallbünde zurückzukommen – also auf Nachbargemeinden. Dorr findet ohnehin: „Die Erstellung von Notfallplänen haben wir als Gemeinde bis dato eher stiefmütterlich behandelt.“ Darüber müssten sie sich in Zukunft mehr Gedanken machen.
Die Stadtwerke geben folgenden Hinweis zur Löschwasserversorgung der Kommunen: „Wird Löschwasser zum Brandschutz benötigt, so ist zunächst festzustellen, inwieweit das Löschwasser aus offenen Gewässern, Brunnen, Behältern oder aus dem öffentlichen Trinkwassernetz entnommen werden kann.“ Außerdem behält sich nach Angaben der Stadtwerke jede Kommune einen Löschwasservorrat im Hochbehälter für eventuelle Notfälle zurück.